Schüler sitzen in einer Klasse und melden sich © NDR Foto: Julius Matuschik

In fünf Jahren: Bildungsministerium plant Stellenabbau bei Lehrern

Stand: 17.09.2021 10:22 Uhr

"Bildung" ist nach den Meinungsumfragen das wichtigste politische Thema in Mecklenburg-Vorpommern - neun Tage vor der Landtagswahl. Die Parteien überbieten sich mit Vorschlägen. Fast alle wollen mehr Lehrkräfte anstellen, auch die SPD. Doch die Pläne des SPD-geführten Bildungsministeriums gehen offenbar in eine andere Richtung.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Bisher machen sich die regierenden Sozialdemokraten für eine Werbekampagne stark, um neue Lehrer und Lehrerinnen ins Land zu holen. Doch die Überlegungen des SPD-geführten Bildungsministeriums sehen anders aus. Vom Schuljahr 2026 an ist ein Stellenabbau vorgesehen. Das geht aus der Prognose des Ministeriums zum Lehrerbedarf hervor. Auf Seite 19 ist der "Abbauplan" klar vorgezeichnet. Erst leicht, dann immer stärker soll die Zahl der Lehrerposten sinken. Im Jahr 2035 plant das Ministerium nur noch mit 9.600 Vollzeit-Stellen - das sind 700 weniger als zurzeit. Gleichzeitig soll die Zahl der Neueinstellungen rapide zurückgehen - von jährlich 700 auf nur noch 270. Grund für den Stellenabbau ist die vorhergesagte sinkende Schülerzahl. Der Report ist kein Geheimpapier, das Ministerium hat ihn transparent auf seiner Internet-Seite veröffentlicht.

Grüne sprechen von "Mogelpackung"

Der Bildungsexperte der Grünen, der Rostocker Landtagskandidat Christopher Dietrich, sieht einen massiven Widerspruch zu den Ankündigungen auch der SPD. Alle seien sich einig, dass mehr Lehrer nötig seien, auch um die Lücken nach der Corona-Pandemie zu schließen – beispielsweise durch bessere Angebote in kleineren Klassen und weniger Unterrichtsausfall. Außerdem sei es wichtig, den Lehrerberuf attraktiver zu machen. Das könne nur durch weniger Pflichtstunden gelingen, sie müssten von 27 auf 25 pro Woche gesenkt würden, so Dietrich im Gespräch mit dem NDR. Die Verbesserungen sei aber nur möglich, wenn keine Lehrerstellen abgebaut würden. Die SPD suggeriere im Moment, sie würde sich für "gute Schule" einsetzen. Der geplante Stellenabbau lasse das allerdings als "Mogelpackung" erscheinen. Dietrich weist auf ein weiteres Problem hin. Die Planungen für die künftige Stellenzahl hätten auch ein Einfluss auf die Zahl der Studienplätze für das Lehramt. Würden diese weiter reduziert, sei es schwer, bei akutem Lehrerbedarf schnell gegenzusteuern. Das Problem von heute würde sich damit in einigen Jahren erneut einstellen.

CDU: Prognose nicht haltbar

Der Bildungsexperte der CDU-Fraktion, Marc Reinhardt, hält die Prognose aus dem April für nicht haltbar. "Das Papier dürfte schon jetzt falsch sein", sagte er dem NDR. In der Schule gebe es schon wegen der Inklusion "enorme Bedarfe", darum könne man die Zahl der Lehrerstellen nicht senken. Außerdem hätten sich Prognosen, wie sich die Zahl der Schüler entwickeln wird, schon in der Vergangenheit als trügerisch erwiesen.

Abbau an den Grundschulen

Das Bildungsministerum interpretiert das eigene Papier komplett anders. Ein Sprecher erklärte auf NDR Anfrage, "ein Abbau von Lehrkräftestellen ist weder geplant noch in der Lehrkräftebedarfsprognose dargestellt". Die Prognose schreibe lediglich "die rein rechnerische Stellenausstattung" fort. Die dargestellte Entwicklung sei rein demographisch und beziehe sich auf die zurückgehenden Schülerzahlen. Ministerin Bettina Martin (SPD) hatte im April bereits eingeräumt, das ein "Absinken der Lehrerbedarfsstellen" erwartet werde. Die größte Stellenkürzung soll es laut Prognose in den Grundschulen geben: Von 3.000 Lehrerstellen sollen im Jahr 2035 etwa 2.600 übrig bleiben. Hier beginnt laut Planungen der Stellenabbau schon in vier Jahren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.09.2021 | 06:44 Uhr

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