Schwalben sitzen auf Stromkabeln © imago images / Panthermedia

Immer weniger Nistmöglichkeiten: Schwalben suchen ein Zuhause

Stand: 20.06.2021 11:25 Uhr

Es wird eng für die Schwalben im Land: Immer mehr Hausbesitzer versuchen die Tiere fernzuhalten, auch das Angebot an Nahrung schwindet. Dabei können gerade Eigenheimbesitzer eine Menge für die Tiere tun.

Rund um das Haus von Familie Rotter in Woggersin bei Neubrandenburg zwitschert und piept es. Pfeilschnell segeln die Schwalben durch die Luft, verschwinden immer wieder in ihren Nestern, die haben sie gebaut da, wo Dach und Mauerwerk des Hauses sich treffen. "Wir genießen das natürlich, wenn das ganze Haus mit Schwalben so umflogen wird, das ist einfach toll. Und wenn denn abends im Nest die Kleinen zwitschern, das ist auch ganz niedlich", sagt Silvia Rotter und ihr Mann Wolfgang ergänzt: "Wir haben die Schwalben einfach gewähren lassen. Wir haben einen schönen Dachüberstand und wenn sie ihr Nest hier bauen wollen, dann geben wir ihnen hier ne Heimat auf Zeit, so lange sie hier oben bei uns im Norden sind."

Willkommen: Nisthilfen für die Schwalben

Der Naturschutzbund NABU hat Silvia und Wolfgang Rotter die Plakette "Schwalbenfreundliches Haus" verliehen. Neben den von den Vögeln selbst gebauten Nestern haben die Rotters auch noch zwölf künstliche angebracht - in diesem Jahr sind alle belegt. "Die zusätzlichen Nisthilfen sind einfach eine gute Möglichkeit, sichere Nester zu bauen und man kann sie dann auch ein bisschen lenken. Nicht unbedingt über der Haustür, sondern vielleicht einen Meter daneben. Und der Vorteil ist einfach: man kann sie im Herbst abnehmen und auch saubermachen, das gibt denn für nächstes Jahr wieder ein schickes, sauberes Zuhause."

Verschmutzungen in Kauf nehmen - das will nicht jeder

Das Haus der Familie Rotter ist durch die Schwalben nicht immer sauber, aber das nehmen Monika und Wolfgang Rotter in Kauf. Das geht nicht allen Hausbesitzern so: Verschmutzte Hauswände oder Fensterbretter - ein Grund, warum viele Menschen die Nester von ihren Häusern entfernen. Illegal, sagt der Ornithologe und Vogelschützer Joachim Stapel: "Das ist auch schon sanktioniert worden, weil alle heimischen Vogelarten sind geschützt. Und die Nistplätze von den Arten, wo man weiß, die nehmen die im nächsten Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit wieder an, wozu ja die Schwalben gehören, die sind ganzjährig geschützt. Selbst wenn der Vogel erstmal anfängt zu kleben, denn hat er sich schon ne Stelle ausgewählt, wo er bauen möchte. Und dann ist es eigentlich verboten, zu stören."

Immer öfter: Schwalbenfeindliche Dachkonstruktionen

An das Verbot, Nester zu entfernen, halten sich nicht alle. Vogelschützer Joachim Stapel beobachtet außerdem, dass beim Bau neuer Eigenheimsiedlungen immer häufiger gezielt schwalbenfeindliche Dachkonstruktionen gewählt werden. "Die haben ne scharfe Blechkante, da ist kein Überstand und nichts. Nichtmal ne Fledermaus passt da noch unter. Also man hat das Gefühl, dass es manchmal schon berücksichtigt wird, in der Bauweise, und das finde ich absolut nicht in Ordnung."

Nahrungssuche wird schwieriger

Das größte Problem für die Schwalben ist aber das Insektensterben. Schwalben finden immer weniger Nahrung, deshalb ist auch ihre Zahl in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Der NABU führt dazu eine Studie an: um bis zu 75 Prozent ist danach die Zahl der Insekten in den vergangenen 27 Jahren zurückgegangen - in den untersuchten Schutzgebieten. Schwalben als Insektenjäger, die vor allem Fliegen und Mücken fressen, trifft das besonders. Darauf verweisen Vogelschützer und Naturschutzverbände immer wieder.

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