Stand: 26.04.2020 07:52 Uhr

Immer mehr Kegelrobben an den Küsten von MV

Ein Seehund im Gras © NDR Foto: Martina Borchardt aus Neustrelitz
Kegelrobben galten an der deutschen Ostseeküste seit 1920 als ausgerottet. Nun sieht man sie immer wieder auch an den Küsten von MV. (Archivbild)

Vor etwa einhundert Jahren wurden die Kegelrobben an der südlichen Ostseeküste ausgerottet. Inzwischen sind die Tiere wieder zurück in Mecklenburg-Vorpommern. Immer wieder beobachten Spaziergänger am Strand von Rügen oder Usedom einzelne Exemplare. Experten aus Mecklenburg-Vorpommern wollen herausfinden, wie viele Tiere es insgesamt sind und welche Auswirkungen die Rückkehr der Kegelrobben haben.

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Meeresbiologen zählen aus der Luft

Um konkrete Zahlen zu bekommen, haben die Meeresbiologen vom Stralsunder Meeresmuseum erstmals aus der Luft per Flugzeug gezählt. Wurfplätze mit Jungtieren haben sie dabei nicht entdeckt, erzählt der Kurator für Meeressäuger, Michael Dähne. Fündig geworden sind sie aber dennoch. "Wir haben natürlich auch bei dem Flug Tiere gezählt, die nicht Jungtiere sind, die in diesem schönen weißen, plüschigen Lanugofell sind, sondern tatsächlich auch die, die etwas älter sind. Und da haben wir 52 Tiere gezählt, einen Großteil rund um die Greifswalder Oie, aber auch welche rund um Rügen."

Bestand auf bis zu 180 Tiere geschätzt

Der Blick der Meeresbiologen aus Stralsund ist nur eine Momentaufnahme. Der Verein Jordsand zählt dagegen regelmäßig auf der Insel Oie im Greifswalder Bodden und meldet 150 bis 180 Kegelrobben. Das sei neuer Rekord, sagt Dähne. "Ich glaube, man kann sagen, dass die Kegelrobbe bereits wieder heimisch ist. Die Frage ist nur: Wann kommt es zu ersten Geburten an Stellen, wo die Tiere dann auch die ersten drei Wochen ihres Lebens überstehen können? Wo sie in Ruhe gesäugt werden können und windgeschützt liegen können. Da warten wir ab, wo sich das etablieren könnte."

Robben zerreißen Netze der Fischer

Den Zuwachs bei den Kegelrobben betrachten die Fischer im Land jedoch mit Sorge. Sie haben mit einer schwindenden Fangquote zu kämpfen und ringen nun auch noch mit den Robben um die knappe Ressource Fisch. Thomas Koldevitz ist Fischer aus Gager auf Rügen. Er hat Fotos gemacht, die seine Schäden durch Robben dokumentieren. "Eigentlich hat man täglich Schäden. Ob's der abgefressene Fisch ist oder zerrissene Netze, das ist schlecht zu sagen. Es wird nicht in den Hundertern bleiben, das geht in die Tausender Euro. Das ist Fakt. Und das wird jeder Fischer auch so bestätigen."

Hintergrund
Eine Kegelrobbe auf der Düne der Nordseeinsel Helgoland. © dpa - Report Foto: Ingo Wagner

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Land bietet Hilfe für Schäden durch Robben an

Die Fischer sollen ihre Schäden für das Land dokumentieren. Seit Anfang dieses Jahres können sie dafür einen Ausgleich beantragen. Endlich, meint Thomas Koldevitz, und hat sich den fast 20-seitigen Antrag samt Dokumentationsnachweis schon ausgedruckt. "Wir werden damit anfangen, wenn das uns geboten wird. Eigentlich ist das jetzt schon zu spät ist. Man hätte sich viel früher zusammensetzen müssen, aber uns war eben immer die Angst im Nacken. Man lässt uns nicht mehr fischen." Trotz der Landeshilfe ist die Wiederkehr der Kegelrobbe für Thomas Koldevitz der Untergang der Stellnetzfischerei. Da ist zumindest er sich sicher.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Landfunk | 26.04.2020 | 12:00 Uhr

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