ITB in Berlin gestartet: Schlechte Stimmung in der Branche

Stand: 09.03.2021 14:25 Uhr

Die Tourismusbranche kämpft mit massiven Umsatzeinbußen. Sie kritisiert die Unentschlossenheit der Politik.

In Berlin hat am Dienstag die Internationale Tourismusbörse ITB begonnen. Im vergangenen Jahr musste die Messe wegen der Coronapandemie abgesagt werden, in diesem Jahr gibt es sie nur digital. Zur Eröffnung der Messe hat der Landestourismusverband MV eine Bilanz veröffentlicht. Zwar hat die Branche in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr geringere Verluste eingefahren als ihre Kollegen in anderen Bundesländern. Ein Grund zur Freude sei das trotzdem nicht, sagte Wolfgang Waldmüller, Präsident des Landestourismusverbandes. Nach der neusten Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) ist Mecklenburg-Vorpommern mittlerweile nur noch das zweitbeliebteste Reiseland der Deutschen - überholt vom Bundesland Bayern.

"Branche liegt am Boden"

Wolfgang Waldmüller (CDU) spricht während einer Fraktions-Tagung
Der Präsident des Landestourismusverbandes, Wolfgang Waldmüller, musste schlechte Zahlen vermelden. (Archivbild)

Laut Waldmüller gab es im vergangenen Jahr nicht einmal 28 Millionen Übernachtungen gegeben, knapp ein Fünftel weniger als im Vorjahr. Die stärksten Verluste musste dabei der Städtetourismus hinnehmen. So empfing Stralsund fast 40 Prozent weniger Urlauber als sonst. Auch die Küstenregionen waren stark betroffen, während das Binnenland etwas glimpflicher davon kam. Mit einem Minus von nur elf Prozent verzeichnete die Mecklenburger Seenplatte die geringsten Verluste. Verschlossene Türen in Hotels, Gaststätten und Pensionen – die Unternehmen ertragen diese Situation heute schon seit 128 Tagen.

Hoffnung auf Osterferien

Die Branche in Mecklenburg-Vorpommern hofft jetzt auf die Osterferien. Aber noch immer ist nicht klar, ob und wann die Hotels und Gaststätten öffnen dürfen. Der Präsident des Hotel und Gaststättenverbandes (Dehoga) in MV, Lars Schwarz, verliert jetzt die Geduld mit den politischen Entscheidungsträgern.

Lars Schwarz, Präsident des DEHOGA, spricht über die aktuelle Situtation für die Gastronomie.
Dehoga-Präsident Lars Schwarz: Viele Betriebe sind am Ende.

Er wirft Bundes- und Landesregierung vor, unverhältnismäßig zu entscheiden. Er sagte im NDR Interview, Hotels- und Gaststätten hätten im vergangenen Sommer bewiesen, dass sie Hygieneprofis seien. In der gesamten Sommersaison habe nicht ein Betrieb wegen einer Corona-Infektion geschlossen werden müssen. Man habe Schutzkonzepte und auch das Robert-Koch-Institut habe festgestellt, dass Restaurants und Hotels keine Infektionstreiber seien. Das seien Fakten, die die Bundes- und auch die Landesregierung ignorierten.

"Maximaler Schaden schon jetzt"

Nach Aussage von Schwarz ist der Schaden schon jetzt maximal. 75 Prozent der Betriebe seien am Ende und wüssten nicht mehr weiter. Jedes dritte Unternehmen befasse sich konkret mit den Themen Insolvenz oder Betriebsaufgabe. Schwarz fordert, dass die Betriebe zu Ostern wieder öffnen dürfen. Ob sich diese Forderung erfüllt, wird wohl erst beim nächsten MV-Gipfel Ende März entschieden werden.

Ein Schild am Weg weist darauf hin, dass ein Gastronomiebetrieb wegen der Corona-Regeln geschlossen bleibt. © dpa-Zentralbild/dpa Foto: Jens Büttner
AUDIO: Hotel- und Gaststättenverband MV: Kritik wegen Zwangsschließungen (9 Min)

ITB-Präsenz dieses Jahr digital

Anders als in den Jahren zuvor, als sich Mecklenburg-Vorpommern mit einem großen Messestand in Berlin präsentierte, geht das Urlaubsland mit einer Online-Präsentation in diesem Jahr mit insgesamt 17 touristischen Partnern den digitalen Weg. Dabei stehen vor allem die Zukunftsthemen "sicheres Reisen", "Nachhaltigkeit", "Gesundheitstourismus" und "Barrierefreiheit" im Vordergrund.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 09.03.2021 | 13:00 Uhr

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