Stand: 29.02.2020 16:28 Uhr

ITB-Ausfall wegen Corona: MV-Aussteller bauen Stände ab

Das Messegelände in Berlin während der ITB 2019. © NDR Foto: Markus Lobsien
Auf der ITB wurden im Vorjahr nach Schätzungen von Branchenkennern Geschäfte im Volumen von mehr als sieben Milliarden Euro abgeschlossen. (Archivbild)

Die Absage der ITB in Berlin wegen des Corona-Virus trifft auch 18 Aussteller aus Mecklenburg-Vorpommern, die sich auf der Reisemesse präsentieren wollten. "Die Stände stehen schon. Die Ersten bauen jetzt natürlich wieder ab. Dazu gehören wir auch", sagte der Chef des Landestourismusverbandes, Tobias Woitendorf, NDR 1 Radio MV. Bis zuletzt habe man gehofft, dass es noch eine Möglichkeit gebe, die ITB durchzuführen.

Bedauern und Verständnis

Laut Woitendorf stand man in ständigem Kontakt mit den Behörden. Mit der Entscheidung müsse man nun aber leben: "Wir sehen die Absage einerseits mit Bedauern, weil die ITB die wichtigste Leitmesse für Tourismus insgesamt ist und Mecklenburg-Vorpommern die Chance bietet, sich im Schaufenster der Welt zu zeigen. Auf der anderen Seite haben wir angesichts der Lage auch Verständnis dafür", so Woitendorf weiter. Immerhin: "Wir haben jetzt eine klare Entscheidung und müssen damit umgehen."

Milliarden-Geschäfte werden auf ITB eingefädelt

Die Internationale Tourismus Börse ist vor allem eine Fachausstellung. Auf ihr werden die Urlaubsprogramme gemacht, Reise-Veranstalter kaufen bei Hotels und touristischen Unternehmen ihre Kontingente ein. Im vergangenen Jahr wurden auf der Messe laut Branchenkennern Geschäfte über sieben Milliarden Euro abgeschlossen. Die ITB sei sicherlich was die Anbahnung von Kooperationen, Geschäften und Verträgen die Plattform schlechthin im internationalen Tourismus.

Sechsstelliger Schaden für MV

"Der Ausfall wird nicht folgenlos bleiben. Aber man wird in den kommenden Wochen sehen, dass es alternative Formen gibt - gerade auch digital." Aber allein die Absage der Messe vor Ort kostet das Land eine Menge Geld: Woitendorf geht davon aus, dem Land ein sechsstelliger Schaden entstanden ist. Von den vertraglich gebundenen Gesamtkosten von rund 350.000 Euro könnten sicherlich noch Beträge beispielsweise für Catering und andere Nebenkosten abgezogen werden, so Woitendorf. Im nächsten Jahr ist laut Woitendorf der Einsatz eines neuen Messestandes - einer "Erlebniswelt" geplant. Der bisherige Messestand stamme aus dem Jahr 2009.

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Hotels in MV: Keine spürbaren Stornierungen

Dagegen wirkt sich die Ausbreitung des Virus auf den Tourismusbetrieb im Land selbst bisher kaum aus. Bei den meisten Hotelbetrieben sei die Lage etwas angespannt, aber ruhig, so Woitendorf. Massenhafte Stornierungen habe es nicht gegeben. Allen sei geraten, sich an die Schutz-Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zu halten.

Keine Fälle im Nordosten

Rostock: Der Arzt Dr. Micha Löbermann steht in Schutzkleidung in der Abteilung für Tropenmedizin, Infektionskrankheiten und Sektion Nephrologie am Zentrum für Innere Medizin der Universitätsmedizin Rostock in einem speziell vorbereiteten Zimmer, in dem mögliche Covid-19-Patienten untergebracht und behandelt werden. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck
Auch in Rosotck stehen Isolierbetten für mögliche Corona-Infizierte bereit.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es bislang noch keinen Fall einer Coronavirus-Infektion. Dennoch wurden erste Schulfahrten sowie ein internationaler Workshop des Leibniz-Instituts abgesagt. Die Ostseemesse in Rostock und die Spiele im Amateurfußball finden planmäßig statt. Die Kliniken im Nordosten sind nach eigenen Angaben gut vorbereitet: Analyse-Tests wurden angeschafft und Mitarbeiter geschult.

Unimedizin Greifswald ruft zur Besonnenheit auf

Die Universitätsmedizin Greifswald rief zur Besonnenheit auf. Der wichtigste Schritt zur Vermeidung einer Infektion sei Hygiene, sagte der leitende Krankenhaushygieniker Nils Hübner am Sonnabend am Rande einer Informationsveranstaltung in Greifswald. "Es ist ein neuer Erreger, aber es ist kein neues Problem." Neben den 50 Zuhörern im Hörsaal seien rund 12.000 Facebook-User der Veranstaltung gefolgt. Die Menschen sollten einen realistischen Blick auf das Geschehen werfen. Laut Robert Koch-Institut waren in der vergangenen Woche in Deutschland knapp 100.000 Menschen mit dem Influenza-Virus infiziert. Dies sollte mit der aktuellen Zahl von Covid-19-Erkrankungen von wenigen Dutzend ins Verhältnis gebracht werden, sagte Hübner.

Ostseemesse in Rostock gut besucht

Die Besucher der Ostseemesse zeigen sich nach Angaben der Veranstalter von der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus unbeeindruckt. "Wir haben die gleichen Besucherzahlen wie in den Vorjahren", sagte Messesprecherin Bärbel Grawe am Sonnabend. Sie rechnete weiter mit gut 40.000 Besuchern bis Sonntag. Bei den Schutz- und Vorsorgemaßnahmen für die Besucher sei jedoch nachgebessert worden. In den Toiletten wurden Hygienehinweise angebracht, an mehreren Stellen in der Messehalle stehen nun Geräte zur Händedesinfektion. "Besucher mit einem Mundschutz habe ich noch nicht gesehen", fügte Grawe hinzu.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 29.02.2020 | 13:00 Uhr

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