Stand: 06.12.2018 14:43 Uhr

Hunderte Raubkunst-Exponate in Landesmuseen?

Bild vergrößern
Kathrin Möller, Vorsitzende des Landes-Museumsverbands, zeigt die einst verschollenen Kapitänsbilder "Urania" (r.) und "Auguste Mathilde von Stralsund".

In den Museumsbeständen in Mecklenburg-Vorpommern könnten sich nach Ansicht von Kunsthistorikern Hunderte Kunstgegenstände unrechtmäßig befinden. Bei den fraglichen Stücken handelt es sich um Verdachtsfälle, deren Herkunft unklar ist. Kathrin Möller, Vorsitzende des Landes-Museumsverbandes sagte am Donnerstag in Rostock, die Exponate könnten zwischen 1933 und 1945 den rechtmäßigen Eigentümern entwendet und später in Landes-Museen gelangt sein. Historiker Reno Stutz und Kunsthistorikerin Anne Paschen hatten in den vergangenen zwei Jahren Museen im Nordosten untersucht.

Enteignete Kunst in den Archiven?

Damit sei noch nicht gesagt, dass es sich um in der Nazi-Zeit geraubte oder enteignete Objekte handelt, sagte Möller. Insgesamt hatten Paschen und Stutz in den vergangenen zwei Jahren mehrere Tausend Objekte in zwölf Museen des Landes in einem sogenannten Erstcheck untersucht. Allein im stadtgeschichtlichen Museum von Stralsund fanden sich etwa 150 Objekte unklarer Herkunft. Problematisch könnte sein, dass der damalige Direktor intensive Kontakte zu Händlern gepflegt habe, die in der NS-Zeit geraubte Kunst verkauft hatten, so Stutz.

Weitere Informationen

Raubkunst: Hunderte Verdachtsfälle in MV

06.12.2018 19:00 Uhr

Der Museumsverband MV hat in den vergangenen zwei Jahren konzertiert Provenienzforschung betrieben. Die Vorsitzende des Museumsverbandes Kathrin Möller stellt die Ergebnisse vor. mehr

In Wismar fanden sich Objekte, die ursprünglich im Besitz der Freimaurerloge waren und möglicherweise enteignet wurden. In Rostock entdeckten die Forscher Kunstwerke aus dem Museum Stettin. Jetzt empfiehlt die Kommission eingehendere Untersuchungen. Erst dann wird sich herausstellen, ob Ausstellungsstücke an andere Museen zurückgegeben werden müssen.

Klärung obliegt den Museen

Ein Ziel der Untersuchungen gerade in den kleineren Museen, denen oft finanzielle, personelle und zeitliche Kapazitäten fehlten, sei auch die Sensibilisierung für Geschichte und Vergangenheit der Exponate. Dies zu hinterfragen sei wichtig, so Stutz. Die Klärung der Vergangenheit der Exponate im Einzelnen obliegt nun den Museen selbst, hieß es. Die Ausstellungshäuser haben Müller zufolge die Möglichkeit, Fördergelder beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg zu beantragen.

Weitere Informationen

NS-Raubgut im Nordosten: Nur wenige Fälle

03.01.2018 19:05 Uhr

Im Rahmen einer Studie zu möglichem NS-Raubgut sind Historiker in Museen von Mecklenburg-Vorpommern nur auf wenige Verdachtsfälle gestoßen. Zwölf kleinere Häuser waren untersucht worden. mehr

Museumsdetektive - auf den Spuren geraubter Kunst

Raubkunst gehört auch im Norden zum Bestand vieler Museen: Bilder, Möbel, ganze Sammlungen. Woher kommen die Objekte? Wo ist der Besitz von Opfern? So forschen die Ausstellungshäuser nach. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.12.2018 | 14:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

01:46
Nordmagazin

Fehmarnbelt-Tunnel vor dem Aus?

13.12.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
03:12
Nordmagazin

Luxushotel in Karlshagen auf Usedom geplant

13.12.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
03:17
Nordmagazin

Katholische Kirche will Missbrauch aufklären

13.12.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin