Stand: 15.09.2020 19:20 Uhr

Hohe Ackerpreise bremsen junge Landwirte aus

Die Landwirtin Ulrike Veit-Brandt auf ihrem Betriebsgelände. © NDR Foto: screenshot
Ein Betriebsgelände hat Ulrike Veit-Brandt bereits gekauft. Nun fehlen ihr die Flächen.

Seit Jahren steigen in Mecklenburg-Vorpommern die Preise für landwirtschaftliche Flächen. Denn Boden gilt in Zeiten niedriger Zinsen als sichere Geldanlage. Inzwischen haben die Preise ein Niveau erreicht, dass es jungen Landwirten kaum noch ermöglicht, damit einen rentablen Betrieb aufzubauen. Selbst wenn die öffentliche Hand Flächen verkauft, fordert sie nach Ansicht mancher Banken überhöhte Preise. Ulrike Veit-Brandt sieht sich als Betroffene dieser Entwicklung. Ihr großer Traum ist ein ökologischer Landwirtschaftsbetrieb, in dem Heil- und Gewürzpflanzen angebaut, verarbeitet und deutschlandweit verkauft werden. Die 29-jährige Landwirtin hat gemeinsam mit der LMS Agrarberatung in Rostock ein aussichtsreiches Konzept entwickelt.

VIDEO: Jungbäuerin kämpft um Anbaufläche (7 Min)

BVVG schreibt Fläche aus

In der Nähe von Crivitz kaufte sie bereits ein passendes Grundstück für die Trocknungsanlage. Eigentlich hätte sie mit dem Bau anfangen können, aber ihr fehlen 260 Hektar Land als nötige Anbaufläche. Als die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) in der Nähe ihres Betriebes 75 Hektar zum Verkauf ausschrieb, bewarb sie sich voller Hoffnung darum, da die erste Ausschreibung Jungbauern vorbehalten ist. Die BVVG verlangte jedoch mindestens 19.800 Euro pro Hektar - für minderwertigen Sandboden.

Bank verweigert Kredit

Veit-Brandt fragte bei einer Bank nach einem Kredit. Der Banker bot ihr nur 9.000 Euro pro Hektar, mehr sei der Boden nicht wert. Veit-Brandt hat aber nicht soviel Geld, um die verbleibende Summe aus eigener Tasche zu stemmen. Auch ein Pachtvertrag ist für sie derzeit keine Alternative. Veit-Brandt: „Ich muss den Boden zwei Jahre lang umstellen. Dann muss ich ihn düngen, damit er genug Nährstoffe hat für die Gewürz und Heilkräuter. Nach fünf Jahren ist die Pachtperiode vorbei. Dann bin ich raus und dann habe ich für meinen Nachfolger den Boden gepuscht.“ Falls sie keine Flächen kaufen kann, wäre aus ihrer Sicht ein sehr langer Pachtvertrag nötig, damit sie ihren Plan vom Ökohof für Kräuter und Heilpflanzen noch umsetzen kann.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.09.2020 | 19:30 Uhr

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