Stand: 04.01.2019 15:55 Uhr

Hochwasser: Schäden in MV schwerer als gedacht

Das Hochwasser an der Ostsee am vergangenen Mittwoch hat schwerere Schäden an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern angerichtet als bisher gedacht. In Börgerende-Rethwisch hatte die Neujahrssturmflut an der Steilküste auf mehreren hundert Metern massiv Land weggebrochen. Wie Bürgermeister Horst Hagemeister (parteilos) am Freitag sagte, gingen die Abbrüche teilweise mehrere Meter tief ins Land hinein.

Erste Sturmflut des Jahres: Land unter in Wismar

Kein Interesse am Erhalt der Küste?

"Ich verstehe die Landesregierung nicht, dass dagegen nichts unternommen wird", sagte Hagemeister. Alleine der Name "Abtragküste" zeige, dass es kein Interesse am Erhalt gebe. Jedes Jahr gingen mehrere Meter Küste verloren. Hagemeister verwies dabei auf Artikel 20 des Grundgesetzes, in dem der Staat in Verantwortung für die künftigen Generationen zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen aufgerufen wird. Diese Abbrüche wären bei entsprechenden Schutzmaßnahmen nicht notwendig.

Diverse Schäden an der Küste

Auch an vielen weiteren Stellen an der Küste von MV gab es schwere Schäden. In den Kaiserbädern Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin auf Usedom brachen die Dünen bis zu 2,5 Meter hoch ab. Der Verwaltungschef des Amtes Usedom Süd, René Bergmann, berichtete von erheblichen Sandverlusten im Bereich von Zempin. Auch in Binz auf Rügen wurde der Strand ramponiert. Einige Hauptaufgänge seien zerstört worden, so Bürgermeister Karsten Schneider.

Wismar und Poel stark betroffen

Besonders hart hat es auch die Insel Poel getroffen. Dort wurde ein Großteil der erst kürzlich aufgeschütteten Dünen und Strände zerstört. Im Wismarer Hafen hatte das Wasser einen Pegelstand von 1,84 über dem Normalwert erreicht. Das war den Angaben zufolge der höchste Pegelstand seit etwa 20 Jahren.

Schäden schlimmer als bei Sturmflut 2017?

Nach der Sturmflut im Januar 2017, die damals als die schwerste der vergangenen zehn Jahre bezeichnet wurde, hatte das Land kräftig in die Reparatur der beschädigten Küstenabschnitte investiert. Die Kosten für die Beseitigung der Schäden an den Küstenschutzanlagen wurden damals mit rund zehn Millionen Euro angegeben. Der Kurdirektor der Kaiserbäder, Thomas Heilmann, ging im Gespräch mit NDR 1 Radio MV davon aus, dass die Schäden sogar schlimmer sein könnten als vor zwei Jahren.

Oldenburg: Kommunen müssen unterstützt werden

Die Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns, Simone Oldenburg, forderte eine schnellstmögliche Schadensbilanz und eine umgehende Unterstützung der von der Sturmflut betroffenen Kommunen und Betriebe. "Jetzt kommt es darauf an, sofort Bilanz zu ziehen und eine Schadensübersicht vorzulegen", sagte sie. Die Linksfraktion werde dies auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Agrarausschusses setzen lassen.

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Dieses Thema im Programm:

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