Stand: 07.10.2016 14:33 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Hochwasser: Mehrere Seebrücken beschädigt

Nach dem Sturm der vergangenen Tage haben in Binz auf Rügen am Freitag zahlreiche Helfer mit den Aufräumarbeiten begonnen. Vor allem an der Ostseeküste Vorpommerns haben Wind und Wellen zum Teil deutliche Spuren hinterlassen. So hat die Ostsee allein bei Binz 20 Strandkörbe mitgerissen. Drei Kiosk- und Imbiss-Buden konnten Helfer der Kurverwaltung und der Freiwilligen Feuerwehr in der Nacht zum Donnerstag dagegen noch retten.

Binzer Seebrücke bleibt vorerst gesperrt

Bis sich die Wetterlage endgültig beruhigt hat, bleibt die Seebrücke für den Fußgänger- und den Schiffsausflugsverkehr gesperrt. Jetzt lässt die Kurverwaltung die in Mitleidenschaft gezogenen Strandabgänge wieder aufbauen. Der Binzer Kurdirektor Kai Gardeja schätzt den Schaden an Strandaufgängen und Dünen auf rund 150.000 bis 200,000 Euro. In Heringsdorf auf Usedom war der Badestrand zum Teil weniger als einen Meter breit. Die Gemeinde hatte den Bereich für Badegäste kurzfristig sperren lassen. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald sind die Pegelstände inzwischen aber deutlich zurückgegangen. Die Warnstufen wurden inzwischen aufgehoben, sagte ein Landkreissprecher.

Koserower Seebrücke schwer beschädigt

Auf Usedom hat die Sturmflut vor allem die Seebrücke in Koserow stark beschädigt. Der Brückenkopf wurde dabei zerstört, auch Treppenaufgänge sind betroffen. Der Gesamtschaden ist noch nicht zu beziffern. Auch an der Seebrücke in Ahlbeck ist ein kleinerer Schaden entstanden, aber insgesamt kamen die Kaiserbäder relativ glimpflich davon. Bis zum Sonnabend sollen dort die Spuren an Bäumen und Stränden beseitigt werden. Das Hochwasser hatte aber auch positive Nebeneffekte. Die Peene sei durch das Wasser einmal ordentlich durchgespült worden, dass sei gut für den Sauerstoffgehalt im Wasser, so ein Mitarbeiter des Anklamer Ordnungsamtes. Unter der Anklamer Fußgängerbrücke wurde ein neuer Rekord gemessen: Dort floß das Wasser mit einer Geschwindigkeit von 118 Kubikmetern pro Sekunde - so schnell wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen 1961.

Dünen weggespült, Deiche aufgeweicht

In Zempin auf Usedom hatte die Ostsee sogar einen Teil der Düne weggerissen. In Greifswald-Ladebow weichte das Wasser einen Deich so sehr auf, dass er undicht wurde. In Greifswald-Wieck ist das Sperrwerk inzwischen wieder geöffnet. Es war am Mittwoch zum ersten Mal seit seiner Eröffnung im April dieses Jahres wegen der Sturmflut geschlossen worden.

StALU: Keine Deichbrüche, nur Strandabspülungen

Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern (StALU) registrierte keine nennenswerten Schäden an Deichen und Dünen. "Es hat keine Durchbrüche und Beschädigungen an technischen Küstenschutzanlagen des Landes gegeben", sagte Amtsleiter Matthias Wolters. Es sei aber zu Strandabspülungen gekommen. Er wies Kritik aus Zempin zurück, nicht ausreichend in den Küstenschutz vor dem Seebad investiert zu haben. Für diesen betroffenen Dünenbereich sei das Land nicht zuständig, da es sich nicht um eine zusammenhängend bebaute Ortslage handle.

Warnung vor Hangabrutschungen

Nach Angaben von Meteorologen wird die Wetterlage mit dem Nordost-Wind bis Sonnabend anhalten, allerdings wird der Wind langsam abflauen. Dennoch könne es an Flach- und Steilküsten zu Sedimentumlagerungen kommen, teilte Umweltminister Till Backhaus (SPD am Freitag mit und warnte vor dem Betreten der Steilküsten. Hangrutschungen seien möglich. "Unterschätzen Sie die Gefahr nicht!", so der Minister.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.10.2016 | 12:00 Uhr

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