Stand: 21.11.2018 00:00 Uhr

Hilfe für wilde Tiere in Mecklenburg-Vorpommern

von Leonore Lötsch

Bei der Hörer-Aktion "Nicht meckern, machen!" hat NDR Info Initiativen, Vereine oder Menschen aus dem Norden gesucht, die etwas bewegt und so Dinge zum Besseren verändert haben. Aus den vielen Zuschriften sind sechs Initiativen ausgewählt worden. Gemeinsam mit den vier norddeutschen Tageszeitungen "Hannoversche Allgemeine Zeitung", "Hamburger Abendblatt", "Kieler Nachrichten" und "Ostsee-Zeitung" stellen wir die sechs Projekte vor. In diesem Beitrag sind es Wildtierretter aus Mecklenburg-Vorpommern.

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Frank Demke nutzt moderne Technik, um Hasen und Rehkitze zu schützen.

Es war ein Frühlingsspaziergang quer durch die Wiesen, der Frank Demke zum aktiven Tierschützer werden ließ. Plötzlich wurden seine beiden Hunde unruhig. "Die haben mir innerhalb von kurzer Zeit einige vermähte Rehkitze angezeigt", erzählt Demke.

"Vermäht" - das Wort klingt erstaunlich harmlos, für das, was Demke sah: Ein Mähdrescher war über die Rehkitze gefahren. Diese Tiere flüchten nicht, wenn Gefahr droht, sondern ducken sich im Gras. "Dann sind die manchmal auch nicht gleich tot. Diese Bilder kriegt man nicht mehr aus dem Kopf", erzählt er.

Mit der Drohne auf der Suche nach Rehkitzen

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Solche Windschutzzäune retten Tierleben: Die Mähdrescher fahren drumherum.

Demke versuchte es mit Gesprächen, aber für die Landwirte war er schnell "der Spinner mit dem Tierschutzfimmel". Also besorgte er sich eine Wärmebildkamera. "Da bin ich stundenlang morgens ganz früh durch die Flächen gelaufen. Gefunden habe ich nichts, und ich war pitschnass."   

Heute dauert es drei Minuten, bis der grüne Pkw-Anhänger, der in Demkes Auffahrt steht, einsatzbereit ist. Er zieht eine Schublade auf. "Unsere Akkus, die wir verfliegen, können wir hier permanent laden", erzählt er stolz.

Das  Herzstück für die Rehkitzrettung ist eine GPS-gesteuerte Drohne, die mit einer Video- und Infrarotkamera ausgestattet ist und in 80 Metern Höhe über die Felder fliegt. Sieben Landwirte hat er von seiner Mission bisher überzeugt. "Wenn wir im Wärmebild etwas sehen, dann hält der Pilot den Copter an und dann werden die Kitze mit einem Windschutz abgesteckt", berichtet Demke stolz. "Die Mähmaschinen fahren dann einmal drumherum."

Der Verein ist eine Anlaufstelle für viele

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Die Ehrenamtlichen der "Wildtierhilfe MV" engagieren sich mit vollem Einsatz.

41 Rehkitzen hat Demke in diesem Jahr auf diese Weise das Leben gerettet. Aber längst ist er dabei nicht mehr allein. 20 aktive Helfer hat der von ihm gegründete Verein "Wildtierhilfe Mecklenburg-Vorpommern". Von Mai bis Juli sind sie nachts, neben ihren Jobs,  im Dauereinsatz. 

Mittlerweile ist bei Behörden und in Wildtierparks Demkes Telefonnummer so etwas wie die letzte Rettung. Wenn einer einen Greifvogel findet oder einen Frischling, ein Rehkitz oder einen Fuchswelpen und keiner sich zuständig fühlt, dann klingelt es in Demkes Küche. Und dessen Tierliebe kennt keine Grenzen: "Da gibt's keinen Sonn- und keinen Feiertag, wenn wir in der Rehkitz-Rettung sind", erzählt er. "Ohne Urlaub zu nehmen, geht es einfach nicht."    

Rettung für Rudi und Krümelchen

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Mit der Flasche hilft Frank Demke zu Hause zwei kleinen Feldhasen.

Und dann erwärmt er Milch für Katzenwelpen in einer zeigefingerlangen Nuckelflasche und geht in den Stall hinterm Haus. Die zwei Feldhasen Rudi und Krümelchen sind seit September bei ihm. Ein Landwirt hatte die Mutter des einen beim Mähen getötet, der andere war auf einer Baustelle in der Stadt gefunden worden. 

"Die wären jetzt soweit, dass sie ausgewildert werden könnten, allerdings ist im Moment Jagdzeit, obwohl der Hase auf der roten Liste steht", berichtet Demke. "Die Hasenbestände sind in den vergangenen Jahren um 45 Prozent eingebrochen. Trotzdem werden sie gejagt."

Demke wird Rudi und Krümelchen deshalb erst im kommenden Frühjahr auswildern. Er hofft, dass er im nächsten Jahr noch mehr Menschen findet, die sich nicht nur empören und über Tierschutz reden, sondern die auch bereit sind, nachts um drei Uhr bei Regen und Kälte mit einer Videobrille Rehkitze aufzuspüren.

"Nicht meckern, machen!"

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 21.11.2018 | 07:50 Uhr

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