Stand: 10.09.2020 16:02 Uhr

Hiddensee: Lösung im Grundstücksstreit in Sicht

Eine Luftaufnahme von Neuendorf
In Neuendorf auf Hiddensee ist eine Lösung des Grundstücksstreits in Sicht. (Archivbild)

Auf Hiddensee schwelt seit Jahrzehnten ein Streit um Grundstücke im Ort Neuendorf. Dort leben 80 Familien auf Grund und Boden, der zum Teil der Stadt Stralsund, zum Teil der Gemeinde Hiddensee gehört.

Einige Neuendorfer sind schon in sechster Generation auf ihrer Scholle zuhause, doch es gehört ihnen lediglich der Teil der Grundstücke, auf dem die Gebäude stehen – das Land drumherum haben sie gepachtet. Nun sollen die Eigentumsverhältnisse geklärt werden. Ziel ist es, den Einwohnern zu ermöglichen, den Grund und Boden um ihre Häuser zu kaufen.

Landgesellschaft als Mediator

Die Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern soll die betroffenen Grundstücke in Neuendorf neu vermessen und dann jedem Grundstückspächter ein Kaufangebot unterbreiten. Außerdem soll die Landgesellschaft das Verfahren bis zum Notarvertrag aushandeln. Darüber haben sich Hiddensees Bürgermeister Thomas Gens (parteilos), Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) und Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) als Vermittler geeinigt. Einen entsprechenden Vertrag haben sie am Mittwochabend unterschrieben. "Der Friede von Neuendorf wird ausgerufen. Erarbeiten muss man den Frieden jetzt aber gemeinschaftlich und ich gehe davon aus, dass jeder Grundstücks-Interessierte jetzt den Spatz in der Hand nimmt und nicht auf die Taube auf dem Dach wartet", sagte Backhaus.

Sturmflut von 1872 als Ursprung des Konflikts

Der Ursprung des Konflikts geht auf das Jahr 1872 zurück. Damals überrollte eine verheerende Sturmflut die Insel Hiddensee. Im Ort Neuendorf blieben nur vier von 57 Häusern verschont. Die betroffenen Hiddenseer durften neue Häuser bauen, auf damals noch klösterlichem Land errichten. Eigentümer wurden sie aber nur für den Teil der Grundstücksfläche, auf dem die Gebäude standen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Grundstücke an die Stadt Stralsund – sie verpachtete die Grundstücke rund um die Häuser. 2002 dann kam, nach Auskunft des Hiddenseer Bürgermeisters Thomas Gens, die Gemeinde Hiddensee ins Spiel – sie übernahm einen Teil der Grundstücke und erhielt, wie die Stadt Stralsund, von den Bewohnern Pacht.

Streit um die Pacht

Den ersten Streit um die Pacht gab es bereits nach der Wiedervereinigung. Eine Zwischenlösung wurde gefunden: 50 Pfennig pro Quadratmeter sollten die Neuendorfer zahlen. Doch der Konflikt war nicht beendet: 2018 urteilte das Landgericht Stralsund: 3,20 Euro pro Quadratmeter Pacht müssten es mindestens sein. Befriedet war die Insel aber immer noch nicht.

Gremien müssen prüfen

Für die Landgesellschaft beginnt nun ein schwieriger Prozess – jedes Grundstück muss neu vermessen werden, die Fachleute müssen herausfinden, wem genau welche Wiese, welches Areal gehört, dann geht es an die Kaufverträge. Jeder einzelne Kaufvertrag wiederum muss von der Gemeindevertretung Hiddensee und von der Bürgerschaft Stralsund geprüft und beschlossen werden. Stralsunds Oberbürgermeister Badrow hofft, dass der Streit im kommenden Sommer endgültig beigelegt ist.


10.09.2020 16:02 Uhr

In einer früheren Version des Artikels hieß es, allein die Stadt Stralsund sei Eigentümerin der Flächen. Auf einen Hinweis in den Kommentaren hin ist das korrigiert worden – Teile des umstrittenen Lands gehören seit Anfang der 2000er Jahre der Gemeinde Hiddensee.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.09.2020 | 08:00 Uhr

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