Stand: 21.06.2019 16:00 Uhr

Hick-Hack um Lotto-Chefposten

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Ait Stapelfeld sollte eigentlich zum 1. August den Chefposten in der landeseigenen Lotto-Gesellschaft übernehmen. (Archivbild)

Das Hick-Hack um den Chefposten der landeseigenen Lotto- und Totogesellschaft in Rostock nimmt kein Ende: Die Geschäftsführer-Position soll nach NDR-Informationen neu ausgeschrieben werden. Finanzminister Reinhard Meyer (SPD) hat das eigentlich schon abgeschlossene Besetzungsverfahren stoppen lassen.

Stapelfeld doch kein Lotto-Chef

Vor einer Woche hatte sich der Aufsichtsrat der Lotto-Gesellschaft nach Gezerre hinter den Kulissen auf einen Bewerber geeinigt: Der bisherige Chef des Finanzamtes Rostock, Ait Stapelfeld, sollte zum 1. August neuer Chef werden und damit die Nachfolge der langfährigen Geschäftsführerein Barbara Becker-Hornickel antreten. Becker-Hornickel geht in den Ruhestand.

Neue Ausschreibung geplant

Doch Finanzminister Meyer hat die Personalentscheidung angehalten - wie es heißt, aus rechtlichen Gründen. Meyer und die Beteiligungsverwaltung in seinem Ministerium fürchten offenbar eine Konkurrenten-Klage einer unterlegenen Mitbewerberin. Es geht um die Protokoll-Chefin in der Staatskanzlei. Nach Einschätzung des Ministeriums hat die Bewerberin wegen ihres höheren Beamten-Status bessere Karten als der ausgewählte Kandidat Stapelfeld. Außerdem seien einige Kriterien zu Ungunsten der Staatskanzlei-Beamtin falsch gewichtet worden. Das Besetzungsverfahren könnte deshalb vor Gericht scheitern. Um dieses Risiko zu vermeiden, will Meyer das Verfahren auf Null stellen und einen neuen Anlauf starten. Der Lotto-Chef-Posten soll neu ausgeschrieben werden. Die langjährige Geschäftsführerin Becker-Hornickel könnte noch einige Monate dranhängen.

Meyer gegen Aufsichtsrat

Der Vorstoß Meyers gilt als Affront gegenüber dem Aufsichtsrat unter seiner Aufsichtsratsvorsitzenden Anke Niedergesäß. Die Beamtin ist an führender Stelle im Finanzministerium beschäftigt. Ihr Gremium hatte sich nach intensiver Prüfung und mit großer Mehrheit für den Kandidaten Stapelfeld entschieden. Seine Mitbewerberin fiel dagegen durch. Ihre Vorstellung soll vor allem die beiden Arbeitnehmervertreter nicht überzeugt haben. Fraglich ist, ob sich der Aufsichtsrat, in dem auch Vertreter aus CDU-geführten Ministerien sitzen, dem Druck Meyers beugen. Das Gremium ist dem Wohl des Unternehmens und nicht des Landes als Gesellschafter verpflichtet. Allerdings sind vier der sechs Mitglieder als Landesbeamte in gewissem Maß weisungsabhängig.

Becker-Hornickel vor Verlängerung

Das Gezerre um den Lotto-Chefposten hat bereits eine gewisse Geschichte. Im Frühjahr 2017 wurde der lukrative Posten (Jahreseinkommen rund 130.000 Euro) erstmals überraschend ausgeschrieben - ohne die Stelleninhaberin Becker-Hornickel einzubinden. Ein Jahr später wurde das Ausschreibungsverfahren dann ebenso überraschend wieder angehalten. Die auch als "Lotto-Fee" bezeichnete Geschäftsführerin konnte bis zur Pensionsgrenze in diesem Juli weiterarbeiten. Möglicherweise gibt es jetzt noch eine Verlängerung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.06.2019 | 16:00 Uhr

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