Stand: 04.06.2019 15:51 Uhr

Ostseefischerei kämpft mit den Fangquoten

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39 Prozent weniger Hering sollen die Ostsee-Fischer fangen dürfen. Die bangen um ihre Existenz. (Archivbild)

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) rechnet für die Zukunft mit erheblichen strukturellen Veränderungen in der Kutter- und Küstenfischerei. Auch für den Tourismus befürchtet er Konsequenzen, sollten die Fangquoten für die hiesigen Ostseefischer weiter drastisch reduziert werden. Der Internationale Rat für Meeresforschung "ICES" hat für das kommende Jahr empfohlen, die Fänge von Dorsch und Hering deutlich einzuschränken.

Wissenschaftler: Heringsfischerei ganz aussetzen

Die Wissenschaftler empfehlen, die für Mecklenburg-Vorpommern wichtige Heringsfischerei in der westlichen Ostsee ganz auszusetzen. Die Prognosen waren zunächst von besseren Werten ausgegangen. Für 2016 hatten die Wissenschaftler des "ICES" im Vorfeld einen "unfassbar starken Nachwuchsjahrgang" des Dorschs prognostiziert, wie Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock bestätigt. Später habe sich herausgestellt, dass der tatsächliche Nachwuchs nur halb so stark war, so Zimmermann. Demnach mussten die Aussichten für die Folgejahre korrigiert werden. Auch für Ostseedorsch sollte den Empfehlungen zufolge der Fang für 2020 fast halbiert werden. Als Ursache für den weiteren Rückgang der Fischbestände sieht der "ICES" eine naturbedingt schlechte Nachwuchsproduktion.

Ostseeforscher: Gründe sind Klimawandel und Überfischung

Zimmermann zufolge spielen nachgewiesenermaßen der Klimawandel und damit die damit einhergehende Erwärmung der Ostsee eine große Rolle bei der Entwicklung der Heringspopulation. Beim Dorsch, vor allem in der westlichen Ostsee lägen die Gründe jedoch anders. "Der wurde jahrelang kräftig überfischt", so Zimmermann. Seitdem fallen die Nachwuchsjahrgänge sehr unterschiedlich aus. Während 2015 der Nachwuchs fast komplett ausgefallen sei, war 2016 den Wissenschaftlern zufolge ein sehr starker Jahrgang.

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Verbände: Lage der Fischer existenzbedrohend

Die Lage für die Fischer werde damit immer existenzbedrohender, sagte die Vorsitzende des Verbandes der Kutter- und Küstenfischer, Ilona Schreiber. Die Krisenhilfe gleiche die bisherigen erheblichen Fangausfälle nicht aus, müsse aber an die Fischer weitergezahlt werden, fordert sie. Laut Landwirtschaftsministerium belaufen sich diese Überbrückungshilfen auf knapp fünf Millionen Euro für 2018 und 2019 ebenfalls auf knapp fünf Millionen Euro. Backhaus sagte, das Land werde die traditionelle Fischerei weiter unterstützen. Für die Freizeitfischerei, insbesondere bei Dorsch empfahl er, die Regelungen beizubehalten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.06.2019 | 15:51 Uhr

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