Stand: 19.04.2019 13:22 Uhr

Halbinsel Wustrow: Schafe erobern Sperrgebiet

Die Halbinsel Wustrow zwischen Rostock und Wismar hat eine bewegte Vergangenheit. (Archivbild)

Mehr als 80 Jahre schlummerte die Halbinsel Wustrow an der Ostsee zwischen Rostock und Wismar in einem Dornröschenschlaf. In der Ruinenlanschaft aus alten Militär- und Zivilgebäuden übernahm die Natur das Zepter. Wo einstmals die Wehrmacht Schießübungen abhielt und später die Rote Armee Manöver durchführte, kehrte Stille ein. Diese Ruhe wird nun seit einiger Zeit gestört - durch das Blöken von Schafen.

Schafe sollen Verwilderung der Insel stoppen

Die Tiere sollen auf der seit nunmehr über 20 Jahre menschenleeren Geisterinsel dafür sorgen, dass die Landschaft nicht weiter verwildert. So will es Halbinsel-Eigentümer Anno August Jagdfeld. Die Gruppe des Immobilienunternehmers und früheren Eigentümers des Grand Hotels Heiligendamm plant seit Jahren eine Bebauung, die aber bisher nicht vorangekommen ist.

Wustrow im Dornröschenschlaf

Wustrow mit bewegter Geschichte

Seit 1998 gehört die 967 Hektar große Halbinsel, die nur über die einstige "Hindenburgstraße" mit dem Festland verbunden ist, der Gruppe des Immobilienunternehmers. 1933 hatte die Wehrmacht auf Wustrow ihre größte Flakartillerieschule mitsamt einer Wohnsiedlung errichtet. Es gab Geschäfte, einen Kindergarten und sogar einen Friseur. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Rote Armee die Anlage. Nach dem Abzug der Sowjetarmee Anfang der 1990er-Jahre wurde Wustrow der Natur übergeben. Weil weite Teile der Halbinsel mit Munition kontaminiert sind, blieb sie gesperrt.

Schafrasse lebt traditionell im schottischen Hochland

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Cheviot-Schafe sollen dafür sorgen, dass die Halbinsel Wustrow nicht weiter verwildert. (Archivbild)

Vor Kurzem nun hat der Schäfer Sebastian Walter auf Wunsch von Jagdfeld seine Cheviot-Schafe auf das Eiland getrieben: eine sogenannte Hügelrasse, die unbeaufsichtigt vom Menschen traditionell im schottischen Hochland in unbebauten Landstrichen auf Nahrungssuche geht. Ganz ähnliche Lebensbedingungen bietet Wustrow: "Die Schafe sind sehr robust", sagt Walter. "Sie kommen auch sehr gut mit diesen klimatischen Bedingungen klar, wo sie auch das ganze Jahr draußen sind."

Erstes Beweidungskonzept gescheitert

Ein erstes Beweidungsprojekt war vor einigen Jahren noch kläglich gescheitert, wie Joachim Meier, Sprecher der Jagdfeld-Gruppe, einräumt: "Der Versuch, den wir damals gestartet haben, ist nicht glücklich verlaufen. Die Schafe haben sich in den dornigen Hecken verfilzt und sind zum Teil verendet." Nun soll ein neues Bewirtschaftungskonzept greifen: "Es werden 'Portionsweiden' geschaffen, sodass nur das abgeweidet wird, was wir gerne möchten" - und keine Schafe mehr in die tückischen Dornenhecken geraten, so Meier.

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Von Waren nach Wustrow - wegen des Wolfs

Die neuen Tiere sollen nun helfen, Wustrow aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. In dieser Woche, rechtzeitig vor dem Osterfest, kam eine komplette Herde mit tragenden Mutterschafen auf die Halbinsel. Und so könnten in den nächsten Tagen durchaus Osterlämmer das Licht der Welt erblicken. Die knapp 200 Schafe hat Walter von der Seenplatte im Raum Waren geholt - "weil das Problem mit dem Wolf in der Region immer stärker geworden ist."

Jagdfeld-Gruppe will bald Pläne vorstellen

Und eines Tages sollen dann auch wieder Menschen auf der Halbinsel leben - nicht im Naturschutz- oder im Landschaftsschutzgebiet, sondern in der verwaisten Gartenstadt, wo früher Zivilbeschäftigte und Offiziere lebten. Die Sanierungs- und Neubaupläne stehen, wie Jagdfeld-Sprecher Meier erklärt: "zum Teil als Ferienwohnungen, zum Teil als ständige Wohnungen. Im Großen und Ganzen sind unsere Gedanken so, dass wir damit demnächst in die Öffentlichkeit gehen können.“ Dann soll auch die bisherige Kritik an den Bauvorhaben ausgeräumt werden. Mit den neuen vierbeinigen Bewohnern hingegen gibt es bislang keinerlei Probleme.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.04.2019 | 12:40 Uhr

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