Stand: 02.05.2016 19:59 Uhr

Haftstrafe nach Steinwürfen auf Polizisten

Vier Jahre und fünf Monate Haft - so lautet das Urteil gegen einen 33-Jährigen wegen Steinwürfen bei einem Fußballspiel des FC Hansa Rostock. Das Landgericht Rostock sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte am Rande des Spiels gegen Dynamo Dresden im November 2014 Steine gegen einen Polizisten geworfen und ihn verletzt hatte.

Sachverständiger bezeichnet Vorgehen der Polizei als "ungeordnet"

Während der Urteilsverkündung war es aus dem vollbesetzten Zuschauerbereich immer wieder zu lauten Zwischenrufen und Beschimpfungen des Gerichts gekommen. Zuvor hatte als letzter Sachverständiger ein Kriminologe zu Fanverhalten und Polizeitaktik ausgesagt. Er bezeichnete das Vorgehen der Polizei bei beiden Spielen anhand von Videos als "ungeordnet" und teilweise als "Lehrbeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte".

Langes und umstrittenes Verfahren

Der Prozess war mit 33 Verhandlungstagen ungewöhnlich lang und wurde von zahlreichen verbalen Angriffen gegen die Strafkammer begleitet. Daher kritisierte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung zuerst Versuche von Politikern, sich durch Meinungsäußerungen einzumischen. Anschließend machte er klar, dass Gewalt gegen öffentlich Bedienstete nicht hinzunehmen sei: Wer Polizisten als Freiwild ansehe, habe jeden Respekt verloren.

Tötungsabsicht konnte nicht nachgewiesen werden

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten gefordert. Zunächst hatte die Anklage auf versuchten Totschlag gelautet. Im Prozess konnte dem Mann aber keine Tötungsabsicht nachgewiesen werden. Der Verurteilte hat bis zu seiner Inhaftierung im Dezember 2014 als nautischer Offizier bei einer Fährgesellschaft gearbeitet.

Verteidigung will Revision einlegen

Die Verteidigung des Mannes, der laut Gericht der linken Szene zugerechnet wird, hatte einen Freispruch und eine Entschädigung für die einjährige Untersuchungshaft gefordert. Der Anwalt bezeichnete das Urteil als "Gesinnungsjustiz", mit der ein Exempel hätte statuiert werden sollen. Er kündigte an, Revision einzulegen. Dann muss sich der Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit dem Urteil befassen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.05.2016 | 19:00 Uhr

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