Stand: 05.01.2019 13:47 Uhr

Hacker-Attacken auch gegen MV-Politiker

von Stefan Ludmann
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Bisher ist noch nicht klar, wer hinter der Hackerattacke steckt. (Themenbild)

Nach dem Hackerangriff auch auf etliche Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern hat Innenminister Lorenz Caffier (CDU) zu einem vorsichtigen Umgang mit eigenen Daten aufgerufen. Jeder sei für seine Aktivitäten im Netz selbst verantwortlich, sagte der CDU-Politiker. Die Ermittlungen zu den Hintergründen des Datenklaus würden zentral vom Bund geführt, so der Innenminister. Die ebenfalls betroffene Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) reagierte gelassen auf den Datenklau. Der Vorfall müsse aufgeklärt werden. Aber "wir sollten uns von derartigen Angriffen nicht einschüchtern lassen", sagte Schwesig am Sonnabend.

Handynummern und E-Mail-Adressen

Bundesweit sind mehrere hundert Abgeordnete betroffen. In Mecklenburg-Vorpommern stehen mehr als 20 Politiker auf den Datenlisten, darunter neun Bundestags- und neun Landtagsabgeordnete, der CDU-Europaabgeordnete Werner Kuhn, mehrere Männer und Frauen, die auf regionaler Ebene aktiv sind und Ministerpräsidentin Schwesig. Zwei ihrer geheimen Handynummern stellten die Hacker online, dazu auch veraltete Verbindungen aus ihren Ministeriumszeiten in Schwerin und Berlin. Auch eine Mobilfunknummer von Innenminister Caffier taucht in den Datenlisten auf. In fast allen Fällen handelt es sich um einfache Kontaktdaten, die teilweise auch frei zugänglich sind. Allerdings werden neben Handynummern auch geschützte Privatadressen aufgeführt, politisch Brisantes taucht meist nicht auf.

Kontodaten von Karin Strenz veröffentlicht

Im Fall der Bundesabgeordneten Karin Strenz (CDU) stellten die Hacker jedoch neben Kontaktdaten auch Kontoauszüge zu einem Grundstücks- und Wohnungskauf ins Netz. Zeitweise war auch der Facebook-Chatverlauf des Linksabgeordneten Peter Ritter einzusehen. Dabei wurden politische und private Angelegenheiten öffentlich. Gleiches gilt für die Privatnachrichten des ehemaligen Grünen-Landesvorsitzenden Johann-Georg Jaeger. Bei beiden wurden im vergangenen Jahr Zugänge zu sozialen Medien oder Email-Accounts gehackt. Offenbar gelangten die Hacker dadurch an weiteres Material. Ritter erklärte, er habe seinerzeit Strafanzeige gestellt. Jetzt reagierte er gelassen: "Vor solchen Sachen ist man nicht gefeit" sagte er. Man könne auf soziale Medien nun einmal nicht verzichten und dafür auf Brieftauben umstellen. Auch Jaeger erklärte, er habe bei dem Vorfall im vergangenen Mai Strafanzeige gestellt. Was ihn betroffen mache, sei, dass auch die Nachrichten von Dritten, mit denen er sich ausgetauscht habe, veröffentlicht wurden.

Datennetz des Landtags nicht betroffen

Die Landesvorsitzenden der Linken, Wenke Brüdgam und Torsten Koplin, sehen in der Hacker-Attacke einen Angriff auf demokratische Parteien. Die Verantwortlichen wollten bewusst einschüchtern. Innenminister Caffier sagte, die Dinge müssten schnell aufgeklärt und - wenn nötig - bestraft werden. Die Angelegenheit hat auch den Landtag beschäftigt. Parlamentsdirektor Armin Tebben teilte auf Anfrage mit, das Datennetz des Landtags sei nicht Ziel eines Angriffs gewesen. Die Fraktionen seien informiert worden, das Landeskriminalamt werde auch die Betroffenen unterrichten und wahrscheinlich auch Handlungsempfehlungen geben. Der Twitter-Account der Hacker ist gesperrt. Mehrere Bundespolitiker fordern Aufklärung, Caffier sagte, dazu seien umfangreiche Ermittlungen nötig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.01.2019 | 14:00 Uhr

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