Saal im Landgericht Schwerin © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner

Haben Bäckerei-Chefs an der Steuer vorbei in die Kasse gegriffen?

Stand: 01.04.2021 12:43 Uhr

Das sind möglicherweise keine Peanuts: Vor dem Landgericht Schwerin müssen sich von Mitte April an die beiden Chefs einer Bäckerei-Kette verantworten. Es geht um den Verdacht der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg hat die Chefs einer Bäckerei-Kette aus dem Kreis Mecklenburgische Seenplatte angeklagt. Sie sollen in mehreren Fällen insgesamt rund 1,3 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben. Die beiden Firmenchefs - ein 56-Jähriger und eine 54-Jährige - sollen zwischen Januar 2007 und Oktober 2011 immer wieder Bargeld-Einnahmen aus den Filialkassen ihres Unternehmens abgezweigt haben. Diese Einnahmen - so die Anklage - seien bewusst nicht verbucht worden und so an der Steuer vorbei in die eigenen Taschen geflossen. Das gesammelte Bargeld sei dann auf ein Konto in der Schweiz eingezahlt worden.

Prozess beginnt Mitte April

Angeklagt ist auch eine dritte Person. Bei dem 76-jährigen Mann handelt es sich nach Angaben der Ermittler um den ehemaligen Steuerberater des Unternehmens. Er soll mitgeholfen haben, das unversteuerte Geld außer Landes zu bringen. Der Prozess gegen die drei Angeklagten beginnt Mitte April am Landgericht Schwerin, für die Verhandlung vor der Großen Strafkammer sind zunächst weitere neun Prozesstage angesetzt. Ursprünglich sollte die Sache vor einem Schöffengericht in Neubrandenburg verhandelt werden, wegen der Dimension der Vorwürfe wurde das Verfahren dann ans Landgericht gegeben.

"Die Vorwürfe sind nach unserer Auffassung haltlos"

Für eine Stellungnahme waren die Bäckerei-Gesellschafter nicht zu erreichen. Der jetzige Steuerberater und Steuerstrafverteidiger der beiden, der namentlich nicht genannt werden will, hält das Vorgehen des Ermittler für völlig überzogen. Er erklärte im Auftrag seiner Mandanten: "Die Vorwürfe sind nach unserer Auffassung haltlos und beruhen vollständig auf Spekulationen." Der Bäckerei-Betrieb mit Stammsitz in Neustrelitz hat im vergangenen Juni Insolvenz angemeldet, der Verkauf in den 19 Filialen zwischen Mirow und Feldberg geht aber weiter. Ziel sei es, so der Insolvenzverwalter, die 130 Jobs zu erhalten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.04.2021 | 07:00 Uhr

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