Stand: 22.03.2019 10:36 Uhr

Grundwasserqualität in MV droht Verschlechterung

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Experten warnen vor einer drohenden Verschlechterung der Grundwasserqualität. (Archivbild)

"Wasser und Sanitärversorgung für alle" ist das Motto des heutigen Weltwassertages, auf den die Vereinten Nationen seit 1993 aufmerksam machen. Auch wenn Norddeutschland in diesem Sinne gut versorgt ist, schauen Fachleute nicht unbesorgt auf den Zustand des Grundwassers in Mecklenburg-Vorpommern. Durch das Ausbringen von Klärschlamm auf Feldern im Nordosten, drohe sich die Qualität des Grundwassers zu verschlechtern.

Mehr Rückstände von Pflanzenschutzmitteln

Dies bestätigte auch der jüngste Statusbericht des Agrar- und Umweltministeriums zum Grund- und Trinkwasser, den Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) in dieser Woche in Schwerin vorstelllte. Dem Bericht zufolge ist weiterhin landesweit fast ein Fünftel der Grundwasserkörper in den oberen Schichten nitratbelastet. Zudem nehmen die Befunde von Sulfat, Uran und Pflanzenschutzmitteln zu.

Belastetes Wasser sickert in tiefere Schichten

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In einigen Regionen in MV ist das Grundwasser durch zu viel Dünger, Mist und Gülle nitratbelastet. Kühlungsborn geht eigene Wege, um das Grundwasser sauber zu halten.

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Das Grundwasser sei aufgrund zu hoher Nährstoffkonzentrationen in Tiefen bis etwa 15 Metern nur noch eingeschränkt beziehungsweise gar nicht mehr für Trinkwasserzwecke geeignet. Dieses Wasser sickert allmählich nach unten, wo das Rohwasser für das Trinkwasser gewonnen wird. Die Folge: Die Wasserwerke müssen das Grundwasser aus Schichten zwischen 20 und 100 Metern unter der Erde fördern. Sollten die Belastungen weiter zunehmen, werde der Aufwand bei der Trinkwasseraufbereitung wachsen. Um langfristig eine Kostenexplosion zu vermeiden, müssten die Schadstoffeinträge in Boden und Gewässer reduziert werden, so der Bericht.

Minister garantiert Trinkwasserqualität

Das derzeit für die Trinkwasseraufbereitung genutzte Rohwasser ist nach Angaben von Backhaus in Ordnung: "Wir garantieren, dass das, was im öffentlichen Netz an Wasser bereitgestellt wird, Trinkwasserqualität hat", so der Minister. Dieses Wasser werde zu 85 Prozent aus tieferen Schichten gefördert. Die negativen Einflüsse zeigten dort keine Wirkung. Gleichwohl warnen die Experten vor einer Verschlechterung und fordern eine Trendwende.

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Die aktuellen Nährstoffeinträge stammen laut Backhaus vor allem aus der Landwirtschaft. "Die Lösung lautet ganz klar: Reduktion der Nährstoff-Frachten. Es geht nicht, dass wir unser Grundwasser versauen", so Backhaus. Er forderte ein bundesweites, modernes Management für Düngung und Pflanzenschutz. Denn die EU setzt Deutschland unter Druck. Die aktuelle Düngeverordnung, die bereits die Nährstoffe auf dem Acker begrenzt, reicht der Brüsseler Behörde nicht aus.

Gewässer-Steckbriefe online einsehbar

Die Landwirte sollen stärker beraten werden, was sie tun können. Als Grundlage für die Diskussion hat das Landesumweltamt für jede Grundwassermessstelle einen Steckbrief erarbeitet. Dieser enthält wesentliche Informationen zum Zustand des oberflächennahen Grundwassers. Die Nährstoffkonzentrationen in der oberen Grundwasserschicht werden mittlerweile an 375 Messstellen überwacht - 75 mehr als vor drei Jahren. Das sei aber immer noch zu wenig, um ein regional differenziertes Bild zu bekommen, kritisiert der Bauernverband. Die Steckbriefe sind auf der Internetseite des Landesamtes für Umwelt Naturschutz und Geologie abrufbar.

Nährstoffeintrag belastet auch Ostsee

Auch die Ostsee sei "weit davon entfernt" sauber zu sein, stellt Jürgen Buchwald, der Staatssekretär für Landwirtschaft und Umwelt fest. Zwar wurden die Nährstoffeinträge in den vergangenen zwölf Jahren auf der Grundlage internationaler Abkommen deutlich reduziert, trotzdem würden weiterhin zu viele Umweltgifte und Nährstoffe über Flüsse in die Ostsee gelangen. Eine Idee, wie die Nährstrofftracht der Flüsse gen Ostsee verringert werden erläutert Corinna Cwielag von der Umweltorganisation BUND.

Ein gemeinsames Projekt mit der Universität Rostock hat demnach am Beispiel der Warnow als Modellregion durchgerechnet, dass sich der Stickstoffeintrag in die Ostsee durch Umstellung auf extensive oder ökologische Landwirtschaft in dieser Region um bis zu einem Dreiviertel minimieren lässt.

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