Viren schweben durch einen Tunnel aus Zahlen. © Fotolia, panthermedia Foto: Mike Kiev, lamianuovasupermail

Greifswalder Mediziner helfen Corona-Infizierten via App

Stand: 23.11.2020 15:55 Uhr

Eine App der Universitätsmedizin Greifswald überwacht Corona-Patienten, um im Ernstfall schnell eingreifen zu können. Das Team hat aber Probleme, Kontakt zu Infizierten herzustellen.

von Susann Moll, NDR 1 Radio MV

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind 430 Patienten mit dem Corona-Virus in den Krankenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern behandelt worden, 51 von ihnen auf der Intensivstation. Damit Infizierte möglichst erst gar nicht in diese Lage kommen, bieten die Greifswalder Mediziner nun die medizinische Überwachung per App für Corona-Positive in Vorpommern an.

Zusatzgerät zeigt, ob genug Sauerstoff im Blut ist

Medopad heißt die App. Sie kann in allen App-Stores heruntergeladen werden. Dort kann der Infizierte seine Krankheitssymptome eingeben - auch mehrmals am Tag, je nachdem wie sich sein Gesundheitszustand verändert. Daneben werden vor allem vier Messwerte abgefragt, sagt Matthias Gründling. Er ist Intensivmediziner am Universitätsklinikum Greifswald und hat das Projekt initiiert. "Das ist einmal die Herzfrequenz und die Atemfrequenz - also wie oft atme ich und wie oft schlägt mein Herz pro Minute." Außerdem wird die Temperatur abgefragt und der Wert der Sauerstoffsättigung. Diesen Wert zeigt ein Zusatzgerät an, das die Mediziner mit ausgeben. Das Pulsoxymeter klippt sich der Patient einfach an den Finger und kann die Sauerstoffsättigung wenig später ablesen.

Ärzte raten im Notfall, den Rettungsdienst anzurufen

Damit die App mit den Ärzten in Greifswald verbunden wird, müssen Nutzer zuvor einen Code eingeben. Auch diesen bekommen Corona-Positive, wenn sie sich für die Überwachung anmelden. Alle Daten werden pseudonymisiert, also mit einer Nummer versehen, und auf einem Server gespeichert. Gründling und seine Kollegen des Sepsis-Dialogs sehen dann auf ihrem Computer die Werte aller Patienten, geordnet nach der schwere der Symptome. "Oben stehen dann die Patienten, bei denen ein Wert besonders auffällig ist", so der Mediziner. Die schaut sich das Team genauer an und entscheidet, ob es den Patienten anruft oder nicht. "Er hat sich ja über sein Smartphone angemeldet, also ist auch seine Telefonnummer im System." Die Mediziner geben dann gegebenenfalls Ratschläge - sich an den Hausarzt oder das nächste Krankenhaus zu wenden oder umgehend den Rettungsdienst zu alarmieren.

Patienten häufig zu spät im Krankenhaus

Das heimtückische einer Corona-Infektion ist, dass Patienten oft nicht merken, dass ihr Körper schlecht mit Sauerstoff versorgt wird. Das Phänomen nennt sich Silent hypoxia - stille Atemnot. Im schlimmsten Fall führt eine Unterversorgung mit Sauerstoff zu einem Multiorganversagen. Wird der Patient jedoch rechtzeitig mit Sauerstoff versorgt und auch mit anderen Maßnahmen behandelt, können Mediziner dieser Entwicklung entgegensteuern.

Datenschutzprobleme erschweren die Kontaktaufnahme

Nur zehn Corona-Infizierte in Vorpommern werden bisher mit der App überwacht. Das Team hatte bisher Probleme, Kontakt mit Positiv-Getesteten aufzunehmen. Die Gesundheitsämter dürfen die Daten nicht herausgeben, auch wenn den Menschen und auch dem Gesundheitssystem durch die App geholfen werden könnte. Denn je schneller Mediziner bei einer Unterversorgung mit Sauerstoff eingreifen, umso unwahrscheinlicher wird es, dass die Krankheit schwer verläuft und lange Intensiv-Kapazitäten bindet. Gründling empfiehlt die Überwachung für Risikopatienten, sagt aber auch, dass die Intensivmediziner zunehmend ebenso junge Menschen ohne Vorerkrankungen mit schweren Verläufen von Covid-19 beobachten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.11.2020 | 17:40 Uhr

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