Stand: 29.05.2014 11:26 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Greifswald bangt um historische Gewächshäuser

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Die Gewächshäuser der Universitäten in Rostock und Greifswald beherbergen eine große Anzahl an Pflanzen aus Asien und Afrika.

Eine genietete Eisenkonstruktion ist das Fundament für das historische Gebäude - und das schon seit 1886. Die Gewächshäuser der Universität Greifswald sind älter als der Pariser Eiffelturm, der ähnlich konstruiert ist. Aus Geldmangel will die Uni Greifswald nun ihre historischen Gewächshäuser aufgeben und einen weitaus billigeren Zweckbau errichten. Die Botaniker schlagen Alarm. Sie verlieren nicht nur Pflanzen, sondern auch ein wertvolles, technisches Denkmal aus der Zeit der Eisenkonstruktion. Die Rechnung ist eindeutig: Die dringend notwendige Sanierung würde rund 2,5 Millionen Euro kosten und damit zwei Millionen Euro mehr als der geplante neue Zweckbau. Geld, das die Universität nicht hat.

Für Besucher geschlossen

Am 6. Juni soll die Anlage aus dem 19. Jahrhundert wegen des maroden Bauzustandes für Studenten und Besucher geschlossen werden. Es werde gegenwärtig geprüft, ob Sicherungsmaßnahmen möglich sind, die zumindest den Mitarbeitern des Botanischen Gartens den weiteren Zugang ermöglichen, sagte ein Sprecher der Universität.

Professor kämpft für die Anlage

Der Botanikprofessor Martin Schnittler kann die Finanzprobleme der Universität sachlich nachvollziehen, will aber für den Erhalt der historischen Anlage kämpfen. "Die vom Land bereitgestellten Mittel für den Hochschulbau sind so knapp bemessen, dass nur das Dringendste gebaut werden kann, um die Lehre abzusichern", sagte Schnittler. Er und der Freundeskreis des Botanischen Gartens wollen über Stiftungen Geld für die historische Anlage einwerben. Doch das benötige Zeit. Nun hofft er zunächst auf eine Galgenfrist und etwas Geld, um eine Notsicherung vornehmen zu können.

Gärtner machen Pflanzeninventur

Die Gärtner erfassen gegenwärtig die Pflanzen, die vor einer drohenden Schließung aus der Anlage geräumt werden können. "In Mecklenburg- Vorpommern ist die Greifswalder Gewächshausanlage die einzige erhaltene ihrer Art" , sagt Schnittler. Auch deutschlandweit gebe es nur wenige in Originalsubstanz erhaltene Großgewächshäuser, so zum Beispiel in Pillnitz (1859), Karlsruhe (1863) oder Frankfurt am Main (1869). Seit rund 130 Jahren sind die Eisenträger und Nieten hohen Belastungen ausgesetzt. In den tropischen Gewächshäusern herrsche eine Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent, der Rost habe der tragenden Konstruktion substanziell zugesetzt, sagt der Botanikprofessor.

Zweckbau für viele Pflanzen zu niedrig

Angehende Biologen konnten seit Ende des 19. Jahrhundert im Gewächshaus Pflanzen studieren, die normalerweise in den Weiten Afrikas oder Asiens beheimatet sind. Schnittler befürchtet, sich mit der Schließung der Anlage von den großen und alten Pflanzen im Palmenhaus trennen zu müssen. Das repräsentativste Gebäude hat eine Höhe von zwölf Meter, der neue, schätzungsweise 500.000 Euro teure Zweckbau voraussichtlich nur fünf.

Auch ein anderes Prestige-Projekt kann derzeit an der Uni wegen Geldmangels nicht realisiert werden. Seit Jahren gibt es Pläne, die wertvollen historischen Sammlungen der Universität in einem Schauhaus zusammenzufassen und damit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu muss das denkmalgeschützte Gebäude des früheren Physikinstituts saniert werden. Wegen der fehlenden Mittel sei die Universität dazu aber nicht in der Lage, sagte ein Universitätssprecher

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 29.05.2014 | 13:00 Uhr

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