Gesundheitswirtschaft: Deutsch-Israelisches Abkommen geschlossen

Stand: 04.06.2021 11:40 Uhr

Internationale Vertreter haben in Rostock über Strategien und Herausforderung der Gesundheitswirtschaft beraten. Mecklenburg-Vorpommern und Israel wollen künftig enger im Gesundheitsbereich zusammenarbeiten.

Mecklenburg-Vorpommern und Israel gehen künftig in Sachen Gesundheit gemeinsame Wege: Auf der 16. nationalen Branchenkonferenz der Gesundheitswirtschaft in Rostock haben beiden Seiten eine entsprechende Absichtserklärung unterschrieben. Schon bald könnten damit die ersten Start-Ups folgen. Die Idee gemeinsame Start-Ups ins Leben zu rufen, ist bereits zwei Jahre alt. Da hatten Verantwortliche aus MV erste Fühler in Richtung Israel ausgestreckt. Als dann Anfang 2020 die Corona-Pandemie Europa und den Nahen Osten erreichte, sahen die Beteiligten die Chance voneinander zu profitieren.

Israel als Vorbild im Umgang mit der Pandemie

Der Leiter des Europainstituts in Tel Aviv Shlomo Shpiro sagte, Israel habe im Bereich der Hochtechnologie und Digitalisierung enormes Know-How. Mecklenburg auf der anderen Seite biete günstige Arbeitskräfte, die sehr gut ausgebildet seien, so Shpiro weiter. Und Israel sei ,...was den Umgang mit der Pandemie angeht, ein Vorbild", sagte Ministerpräsidentin Schwesig, "wir kooperieren jetzt im Gesundheitsbereich sehr stark. Gerade Israel hat in der Pandemie gezeigt, mit dem mutigen Einkauf von Impfstoff und einer mutigen Impfkampagne schnell aus der Pandemie kommt, das ist auch unser Weg." Derzeit sind knapp 60 Prozent der Bevölkerung durchgeimpft.

Israels besondere Strategie

Israel hat sich früh und mit hohem Risiko auf den Impfstoff von Biontec festgelegt und sehr viel pro Ampulle gezahlt. Außerdem konnte dort überall geimpft werden: Am Strand, in der Kaufhalle, im Club, oder im Urlaub - überall gab es die Impfung. Das ist möglich, weil es in Israel eine digitale Krankenakte gibt. Für Impfwillige genügt also die eigene Kennziffer und den Rest macht das System. Und die scharfe IT-Sicherheit in dem Land sorge außerdem dafür, dass nur diejenigen die Daten bekommen, die sie bekommen dürfen, heißt es vom Politikwissenschaftler Shpiro. Die Zusammenarbeit mit Israel könnte auch MV helfen, hier entsprechedn nachzuziehen.

Digitalkonferenz mit Vorträgen und Workshops

Auf der diesjährigen Branchenkonferenz, die vorrangig digital stattfand, standen die Lehren aus der Corona-Pandemie im Mittelpunkt. Dazu gab es - zusammengeschaltet aus einer Art virtuellem Studio in Rostock - verschiedene Vorträge, Workshops, Seminare und Gesprächsrunden. Mehrere Vertreter aus Israel standen Rede und Antwort. Wie der Tagungspräsident und Greifswalder Medizinprofessor Marek Zygmunt im Vorfeld sagte, kann Deutschland viel von den Erfahrungen Israels im Umgang mit der Pandemie lernen.

"Risiko und Wettbewerb" in Israel

Konferenzteilnehmer Professor Shlomo Shpiro, Leiter des Europainstituts an der Bar-Ilan Universität in der Nähe von Tel Aviv, fasste die Gründe für den Vorsprung Israels bei den Impfungen vor allem in zwei Schlagworten zusammen: "Risiko und Wettbewerb". Die vier staatlichen Krankenversicherungen waren in einer Art Wettbewerb darum, wer am schnellsten die meisten Menschen impfen könne. Laut Shpiro die wichtigste Devise: Die Impfung musste an den Mann und an die Frau gebracht werden, egal wo sie sind. Eine Impfpflicht gibt es aber ebenso wie in Deutschland nicht. Aufgrund der Erfahrungen aus den unzähligen Konflikten in der Region gebe es allerdings in der Bevölkerung ein breites Verständnis für staatliche Maßnahmen und Empfehlungen. Das sei ohne Frage das Erfolgsrezept, betont Shpiro.

Impfen, impfen, impfen

Dabei gab es keine Einschränkung der Impfungen auf Impfzentren. Auch in Arztpraxen, Einkaufszentren, Restaurants, Bahnhöfen und vielen anderen Orten des Alltags wurde geimpft. Impfteams waren generalstabsmäßig im ganzen Land unterwegs. Selbst abgelegene Orte mit nur wenigen Einwohnern wurden dabei besucht. Das würde sich jetzt auszahlen, so Sphiro. Auch technisch sei vieles möglich, "die Technologie ist da und sie funktioniert gut", sagt er und meint damit unter anderem Apps für Mobiltelefone. Interessanterweise habe sich trotzdem kaum eine Einwohnerin und kaum ein Einwohner für eine Nachverfolgungs-App entschieden, berichtet er.

Bald deutsch-israelisches Start-up?

An den beiden Konferenztagen wurden auch viele weitere Themen besprochen. Zum Beispiel ging es um neue Gesundheitstechnologien, regionale Forschung, europäische Zusammenarbeit bei Krankendatenbanken oder die Frage, wie künstliche Intelligenz die Branche verändern könnte. Ebenfalls besprochen wurden die Herausforderungen der Gesundheitswirtschaft durch den Klimawandel und die Veränderungen in ökologischen Systemen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 03.06.2021 | 06:00 Uhr

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