Stand: 15.07.2019 17:07 Uhr

Gesundheitsminister: "Klinikstruktur in MV gut"

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Die Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern kämpfen vor allem mit dem Fachkräftemangel.

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung spricht sich dafür aus, die Zahl der Krankenhäuser bundesweit deutlich zu reduzieren. Anstatt wie derzeit 1.400 würden maximal 600 Kliniken in Deutschland ausreichen. In der Studie wurden Köln, Leverkusen und Umgebung als Modellregion untersucht. Der Simulation zufolge könnte die Region mit 14 statt den aktuell 38 Akutkrankenhäusern eine bessere Versorgung bieten, ohne dass die Patienten im Durchschnitt viel längere Fahrzeiten in Kauf nehmen müssten.

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Bessere Versorgung durch weniger Kliniken: Maximal 600 statt 1.400 Kliniken in Deutschland würden laut einer Bertelsmann-Studie ausreichen. Was bedeutet das für MV? Video (05:45 min)

Gesundheitsminister garantiert Grund- und Regelversorgung

Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) sagte dem NDR, der Nordosten habe eine Krankenhausstruktur, die die nächsten 25 Jahre dem Wettbewerb stand halten könne. Das garantiere er für die Grund- und Regelversorgung - also für die Innere Medizin und die Chirurgie. Zudem seien Zentren angedacht, um die Versorgung von Kindern und Jugendlichen sicher zu stellen. Außerdem, so Glawe, gäbe es von einst 52 Kliniken im Land noch 37. Damit seien im Nordosten bereits 15 Krankenhäuser geschlossen worden in den vergangenen Jahren. Das sollten andere Bundesländer erstmal nachmachen.

"Strukturwandel in Mecklenburg-Vorpommern bereits abgeschlossen"

Auch für den Chef der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, Hanns-Diethard Voigt, trifft das Ergebnis der Studie auf den Nordosten nicht zu. Durch die in den vergangenen Jahren bereits geschlossen Kliniken sei der Strukturwandel abgeschlossen. Es gebe für die nächsten Jahre keinen Handlungsbedarf. Die Kliniken im Land seien alle gut ausgestattet. Zudem funktioniere die Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten sehr gut. Diese würden beispielsweise Schlaganfallpatienten in entsprechend ausgestattete Kliniken bringen. Neben Behandlungsqualität spiele die Errecihbarkeit in Mecklenburg-Vorpommern eine große Rolle, sagte Sebastian Ehlers, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Kosteneffizienz und Professionalität könnten nicht die einzigen Argumente für Krankenhäuser im ländlichen Raum sein.

"Einziges Problem ist Personalmangel"

Das einzige Problem in Mecklenburg-Vorpommern sei derzeit der Mangel an Fachpersonal, sagte Voigt NDR 1 Radio MV. So machen kleinere Krankenhäuser ganze Abteilungen vorübergehend zu, weil Fachpersonal fehlt. In Neustrelitz musste vom 1. Juli bis zum 30. September der Kreißsaal geschlossen werden. Gleiches geschah in Crivitz zwischen Weihnachten und Neujahr 2018. In Parchim ist seit Pfingsten die Kinderstation dicht.

Mehr ambulante Behandlungen durch neue Methoden?

Die Studie zeigt auch, dass in Deutschland mehr Menschen stationär behandelt werden als in anderen europäischen Ländern. Angesichts sich verändernder Behandlungsmethoden meint Voigt, es sei durchaus denkbar, dass in Zukunft stationäre durch ambulante Behandlungen ersetzt werden könnten. In Mecklenburg-Vorpommern würden jedes Jahr rund 450.000 Menschen stationär, und eine Million ambulant behandelt.

Forderung: Weniger Bürokratie, mehr Geld für Fachleute

Zur Zukunft der Kliniken haben die Krankenhausgesellschaften einen eigenen Forderungskatalog. Zum Beispiel soll die Bürokratie abgebaut werden. Viele Ärzte hätten für ihre Patienten zu wenig Zeit, weil sie zu viele Dokumentationen erstellen müssten. Zudem fordern sie mehr finanzielle Mittel, um Fachpersonal entsprechend zu entlohnen und damit auch binden zu können. Außerdem müsse die Digitalisierung schneller voran getrieben werden. Durch Telemedizin könne die ambulante Versorgung vor Ort, also in dünn besiedelten Regionen, deutlich unterstützt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.07.2019 | 12:00 Uhr

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