VIDEO: Corona und wir in MV: Wie geht es uns jetzt? (3 Min)

Genesener Geschäftsmann in Binz, Ulf Dohrmann: "Nie gedacht, mich mal Medizin zu widmen"

Stand: 18.06.2021 08:15 Uhr

Wie geht es uns? Was brauchen wir jetzt? Um über den zweiten Sommer in der Pandemie zu kommen und gemeinsam Wege aus der Krise zu finden? Corona und wir in MV: Über Monate hat der NDR in Mecklenburg-Vorpommern Menschen aus dem Land begleitet und nachgefragt, wie sie die Zeit zwischen Winter 2020 und Sommer 2021 erlebt haben.

von Nicolas Bernhard

Ulf Dohrmann war einer der ersten Corona-Infizierten auf der Insel Rügen. Der Einzelhändler und Gastronom hat aus der Not aber eine Tugend gemacht - und betreibt jetzt das größte Drive-thru-Testzentrum im Nordosten.Im März 2020 kam Ulf Dohrmann vom Skiurlaub aus Ischgl zurück. Kurz vorher hatten sich die Meldungen überschlagen - der Ski-Ort in den Alpen war quasi über Nacht zum Corona-Hotspot geworden. Und auch den Einzelhändler und Gastronom aus Binz hatte es erwischt.

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"Zu Anfang hatte ich noch Schwierigkeiten beim Laufen"

Dohrmann legt Wert auf seine Fitness, in seinem Haus gibt es einen Bereich mit diversen Fitnessgeräten, er joggt regelmäßig. Damals, im März 2020, ging es ihm für einige Tage gar nicht gut. Fieber, Husten, Gelenkschmerzen. Die Symptome gingen dann so schnell, wie sie gekommen waren. In den ersten Monaten danach kam er allerdings noch schnell außer Atem, erinnert er sich. Inzwischen sei aber alles wieder normal, sagt er. Weil seine Genesung schon so lang her ist, war er vor kurzem beim Arzt - einen Test auf Antikörper machen. Das Ergebnis: Der Unternehmer hat noch sehr viele im Blut und gilt daher jetzt auch nach Überzeugung des Gesundheitsamtes immer noch als immun. "Und ansonsten mach ich halt 'nen Test, wenn irgendjemand partout drauf besteht."

Der Glaube an den Weitblick der Entscheider ist weg

Was ihn viel mehr trifft als die Krankheit selbst, ist eine Veränderung der Menschen im Umgang miteinander. Dohrmann, selbst Lokalpolitiker, beschreibt es als einschneidend: "Es wurden viele Entscheidungen über die Köpfe der Menschen hinweg getroffen." Entscheidungen, die in seinem Umfeld oft nicht nachzuvollziehen waren und die aus seiner Sicht viel Vertrauen in die Politik zerstört haben. Dass die Orte so lange 'dicht' sein würden, hätte er niemals für möglich gehalten. Das habe viele Aggressionen geschürt, ist er überzeugt. Jetzt hat er Angst vor einer vierten Corona-Welle durch Typ Delta, dem indischen Virustyp. Denn derzeit bestellt er die Sommerware fürs nächste Jahr: "Die müssen wir natürlich erstmal irgendwie bezahlen. Ich wünsche mir endlich mal wieder Stabilität und Planungssicherheit."

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Wattestäbchen statt Fellkragen

Der Binzer, der seine Bekleidungsläden im Oktober schließen musste und erst im Mai wieder öffnen durfte, hat aus der Not eine Tugend gemacht. Seine Kontakte zu verschiedenen Großhändlern sorgten dafür, dass er im Frühjahr an größere Mengen an Test-Sets kommen konnte - und diese nun vor den Toren der Insel einsetzt. Zusammen mit dem Kreis Vorpommern-Rügen und dem Rügener Tourismusverband stampfte er das größte Testzentrum im Nordosten aus dem Boden. Rügen-Urlauber können dort nun auf dem Weg auf die Insel oder in die Stralsunder Innenstadt per Drive-thru den nötigen Schnelltest machen. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mich 'mal derart dem Thema Medizin widmen würde'" sagt er.

Die schönen, menschlichen Rituale gibt's wohl nicht mehr

Es werde einiges zurückbleiben, davon ist der Binzer überzeugt. Die Gesellschaft habe Schaden genommen, sagt er, viele seien traumatisiert gewesen. Dass Unternehmerkollegen der Insel Selbstmordgedanken offen äußerten, das habe er vorher noch nicht erlebt. Viele Schüler müssten sich erst wieder an regelmäßigen Schulunterricht gewöhnen, ganz normale Gespräche zum Beispiel in seinen Läden verliefen heute anders als früher. Noch nie habe er sich so darüber gefreut, einfach gegenüber in der Eisdiele ein Eis essen zu können.

Immerhin: Bis jetzt seien fast alle in Binz halbwegs durch die Krise gekommen - auch seine Ladennachbarn in der Binzer Hauptstraße. Und das freue ihn am meisten, sagt Dohrmann.

So erleben Mecklenburger und Vorpommern die Corona-Pandemie:

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.06.2021 | 05:00 Uhr

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