Stand: 02.07.2020 13:32 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Gehaltsplus: Etliche Grundschullehrer gehen leer aus

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Die beschlossene Einkommensanpassung kommt offenbar nicht in den Geldbeuteln aller Grundschullehrer an. (Archivbild)

Die von der rot-schwarzen Koalition beschlossene bessere Bezahlung der Grundschullehrer in Mecklenburg-Vorpommern droht in vielen Fällen zu verpuffen. Grund ist laut einem Brief der Schulämter an die Lehrer und Lehrerinnen eine komplizierte Gehaltsberechnung. Das Schreiben liegt dem NDR vor.

Grundgehalt steigt, "Erfahrungsstufe" sinkt

Der Hintergrund: Eigentlich sollten die rund 3.000 Lehrer an den Grundschulen ab 1. August bis zu 500 Euro mehr im Monat bekommen - durch den Aufstieg in eine höhere Gehaltsgruppe. Sie werden dann bezahlt wie ihre Kollegen und Kolleginnen an den Gymnasien oder Regionalschulen. So hatte es der Landtag in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause vor drei Wochen beschlossen. Doch die Sache hat einen Haken: Mit dem Aufstieg in die Gehaltsgruppe A 13 (Beamte) beziehungsweise E 13 (Angestellte) steigt zwar das Grundgehalt, die meisten Lehrer rutschen aber automatisch in den sogenannten Erfahrungsstufen um eine Position ab.

Ältere angestellte Lehrer besonders betroffen

Diese Stufen vergüten die berufliche Erfahrung. Vor allem bei älteren angestellten Lehrkräften, die kurz vor dem Aufstieg in die nächsthöhere Erfahrungsstufe stehen, fällt der Gehaltszuwachs eher dürftig aus. Er liegt nach einer internen Aufstellung der Schulämter bei 75 Euro im Monat. In einigen Fälle könnte die höhere Gehaltsstufe unterm Strich sogar zu Gehaltseinbußen führen - auch, weil das Weihnachtsgeld niedriger ausfällt.

Verzicht auf Höhergruppierung kann vorteilhaft sein

Die Schulämter raten dazu, dann keinen Antrag auf die höhere Gehaltsstufe zu stellen. In dem Schreiben heißt es: "Es kann Lehrkräfte geben, für die der Verzicht auf eine Antragsstellung (auf Höhergruppierung) vorteilhaft sein könnte." Die Schulämter verweisen auch auf die Verantwortung des Finanzministeriums, das habe dieses Verfahren festgelegt. Deshalb müssten mögliche Betroffene sich bei Nachfragen auch an das Landesamt für Finanzen wenden. Das Schulamt sei nicht die richtige Adresse, man könne "in keiner Weise beraten oder Auskunft erteilen".

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Die Fraktionschefin der Linken, Simone Oldenburg, fordert, allen Lehrern die versprochene Gehaltserhöhung zu geben - notfalls durch eine Zulage. Ansonsten weite sich die Gehaltskluft zwischen angestellten und verbeamteten Lehrern aus. Viele Lehrer, die bereits durch die Stundenkürzungen beim Lehrerpersonalkonzept Einbußen hinnehmen müssten und so geringere Rentenansprüche hätten, würden jetzt noch einmal benachteiligt. Auch die Bildungsgewerkschaft GEW kritisiert, dass sich Höhergruppierungen unterschiedlich auf Angestellte und Beamte auswirkt. Man werde sich dafür einsetzen, "dass die Entgelterhöhung die Tarifbeschäftigten verdientermaßen in der gleichen Form wie die Beamtinnen und Beamten erreicht", sagte GEW-Chef Maik Walm schon bei der Verabschiedung des Gesetzes im Juni.

Ministerium: Niemand wird schlechter gestellt

Das Bildungsministerium erklärte, "der überwiegende Teil der Grundschullehrkräfte wird von der Höhergruppierung profitieren". Immerhin investiere das Land künftig 18 Millionen Euro pro Jahr in die bessere Bezahlung. Bei einer "kleinen Gruppe" von Lehrern könne sich der Verbleib in den niedrigen Gehaltsstufen lohnen. Zahlen nannte das Ministerium nicht, es stellte aber - anders als die Schulämter - fest: Grundsätzlich werde durch die Höhergruppierung niemand schlechter gestellt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 02.07.2020 | 15:00 Uhr

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