Stand: 20.08.2020 09:26 Uhr

Gefährliches Werbegeschenk: Saatgut aus China

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Auf einer Schreibtischunterlage liegen weiße Versandtaschen und Tütchen, in denen Pflannzensamen enthalten sind. © Pflanzenschutzdienst Hessen Foto: Wolfgang Willig, Pflanzenschutzdienst Hessen
Beim Pflanzenschutzdienst in Hessen werden die Samen aus den Postsendungen nun genauer untersucht.

Ein chinesisches Unternehmen mit Sitz in Hongkong verschickt derzeit weltweit weiße gepolsterte Umschläge an Privatadressen, die kleine Samentüten enthalten. Erste Fälle sind aus Hessen und Bayern bekannt. Offen ist noch, ob solche Päckchen auch nach Mecklenburg-Vorpommern gelangt sind. Mitarbeiter des Pflanzenschutzdienstes Hessen haben die Post fotografiert. Die Fotos zeigen Samen unterschiedlichster Farbe und Größe. Experten im Labor prüfen derzeit, um welche Pflanzensamen es sich genau handelt. Auf den Umschlägen steht klar erkennbar der Firmenname "4 PX". Das ist ein Versanddienstleister, der Waren aus China in die ganze Welt liefert.

Mysteriöses Saatgut erstmals in den USA entdeckt

Die Experten, die sich jetzt mit diesem Fall befassen, vermuten, eine Online-Marketing-Strategie dahinter, mithilfe falscher Kundenbewertungen. Sie sprechen von einer Betrugsmasche. Erste Päckchen mit Saatgut waren in den USA gemeldet worden, später nach Europa und nun nach Deutschland gelangt. Die amerikanischen Ermittler warnen nun ihre Kollegen in Europa.

Werbemasche für positive Bewertungen?

Bislang ist die Ware an deutschen Flughäfen beziehungsweise beim Zoll nicht aufgefallen. Offenbar will das chinesische Unternehmen mithilfe dieser Samen für sich werben. Denn auf den Tüten steht in englischer Sprache "Give us 5 Stars" zu deutsch: Gib uns 5 Sterne. Sterne sind im Internet eine Möglichkeit, Onlineanbieter zu bewerten. Die chinesische Firma hat sich offenbar illegal auch zahlreiche Adressen besorgt, damit möglichst viele Menschen Post erhalten und Sterne verteilen, das Saatgut dient dabei als Werbegeschenk.

Saatgut im Hausmüll vernichten

Das Julius Kühn- Institut (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) appelliert an alle Empfänger, die Samen unbedingt im Hausmüll zu vernichten, nicht aber über den Kompost oder über die Biotonne. Bei Fragen sollten sich Verbraucher an den zuständigen Pflanzenschutzdienst in Rostock wenden. Er befindet sich am Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Fischerei.

Mögliche Gefahr: Invasive Arten, Krankheitserreger, Viren

Im Saatgut können sich gefährliche Krankheitserreger wie Pilze, Viren oder Bakterien befinden. Weiterhin ist nicht klar, ob es sich um invasive also nicht heimische Pflanzen handelt. Aus diesen Gründen sollten die Samen nicht ausgesät werden. Sie können nach Angaben des Julis Kühn- Instituts gefährlich für heimische Gärten, Parks, Wälder und Felder werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.08.2020 | 08:00 Uhr

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