Stand: 20.09.2020 12:50 Uhr

Gedenkpfad erinnert an historischen Gebietstausch

Nicole Bowe enthüllt die von ihr gestalteten Stelen am Gedenkpfad zum Gebietsaustausch. © NDR Foto: Thomas Nädler
Insgesamt zwölf Stelen gibt es am Gedenkpfad zwischen Ratzeburg und Gadebusch. Sie wurden von Nicole Bowe gestaltet und enthüllt.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vor 75 Jahren rückte die Region zwischen Ratzeburg und Gadebusch für kurze Zeit ins Blickfeld der Weltmächte. Damals tauschten die sowjetische und die britische Besatzungsmacht einen Teil ihrer Hoheitsbereiche. Daran erinnern Gadebuscher, Zarrentiner und Ratzeburger mit einer gemeinsamen Radtour. In drei Gruppen radeln sie die neu aufgestellten Gedenkstelen ab. Diese erinnern künftig an den betroffenen Orten in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein an den Gebietstausch.

Gebietstausch zerstörte alte Strukturen

Der Gebietstausch hatte weitreichende Folgen - die alten Landkreisgrenzen wurden aufgehoben, Dörfer, die traditionell zu Schönberg im Osten gehörten, wurden nun Teil des Kreises Herzogtum Lauenburg in der britischen Besatzungszone - lauenburgische Gemeinden wurden der sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen. Unter anderem aus strategischen Gründen. Und das alles zu einer Zeit, in der im Osten bereits Landbesitzer enteignet und ihr Grund und Boden an Flüchtlinge und Landarbeiter verteilt worden war. Spätestens, als die Grenze zwischen Ost und West zunehmend undurchlässig wurde, waren wichtige historische Strukturen in der Region zerstört.

Juristische Streitigkeiten bis zum Ende der 1990er Jahre

Als Folge des Gebietstauschs gab es nach der friedlichen Revolution 1989 noch einmal zahlreiche juristische Auseinandersetzungen. Dabei ging es vor allem um die Frage, welche Häuser, welche Grundstücke, Ackerflächen und Wälder wem gehören. Viele Streitigkeiten konnten erst zwischen Mitte und Ende der 1990er Jahre beigelegt werden.

Gedenkveranstaltung in Gadebusch geplant

Der Vertrag über den Gebietstausch war in Gadebusch unterzeichnet worden und wird deshalb auch Gadebuscher Vertrag genannt - in der Stadt soll bald eine große Gedenkveranstaltung an die Ereignisse 1945 erinnern - sie ist für Mitte November geplant. Vier Ämter aus der Region haben sich für den Bau der Erinnerungsstelen und die geplanten Feierlichkeiten zusammengetan.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.09.2020 | 14:00 Uhr

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