Stand: 19.12.2019 17:52 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Geburtshilfe Crivitz: Nur eine Galgenfrist?

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Die Schließungspläne für die Geburtsstation des Krankenhauses in Crivitz sind aufgeschoben worden. (Archivbild)

Galgenfrist oder doch berechtigte Hoffnung für die Geburtshilfe am MediClin-Krankenhaus in Crivitz? Die Station wird vorerst nicht geschlossen und soll bis mindestens Ende Juni 2020 erhalten bleiben. Darauf haben sich Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) und der Landrat von Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD), in Gesprächen mit den Regionalchefs der Klinik-Konzerne MediClin und Asklepios geeinigt. Die Unternehmen dämpften jedoch die Erwartungen.

Zeit für weitere Verhandlungen

"Wir haben sechs Monate für weitere Verhandlungen gewonnen", sagte Glawe nach den Gesprächen, die am Mittwoch begonnen hatten. "Es liegt ein akzeptables Ergebnis vor", befand der Minister. Im kommenden halben Jahr wollen Land, der Landkreis und die Klinik-Betreiber an neuen Konzepten arbeiten und dabei klären, wie es mit dem Standort in Crivitz und dem Asklepios-Krankenhaus in Parchim weitergehen kann. Sternberg sagte nach der Runde im Wirtschaftsministerium, er habe sich mit der neuen Vereinbarung "heute Zeit gekauft". Ziel sei es gewesen, Crivitz über den 1. Januar hinaus offen zu halten. Von einer Übernahme der Kliniken durch den Kreis war keine Rede. Diese Re-Kommunalisierung hatten die SPD und Sternberg ins Spiel gebracht.

Parchim: Tagesklinik statt Kinderstation

Auch nach der neuen Vereinbarung bleibt es dabei, dass die Kinderstation am Asklepios-Krankenhaus in Parchim wegen fehlender Ärzte nicht wieder eröffnet wird. Dort soll als Ersatz eine Tagesklinik entstehen. Das Land will dafür eine Kinderarzt-Stelle mit 150.000 Euro jährlich aus Steuermitteln fördern. An dem Standort soll für eine bessere Versorgung im Notfall außerdem ein Hubschrauber-Landeplatz entstehen. Kosten: bis zu 2,5 Millionen Euro.

Klinikkonzerne blicken skeptisch in die Zukunft

Während Glawe darauf setzt, dass die Geburtshilfe an beiden Standorten auch über den Juni 2020 hinaus bestehen bleibt, äußerten sich die beteiligten Konzerne skeptisch. Es werde ein "hartes Stück Arbeit", die Geburtshilfe in Parchim ohne die geplante Fusion mit der in Crivitz zu betreiben, sagte Guido Lenz, Regionalgeschäftsführer von Asklepios. "Ich hoffe, dass es uns gelingt, wir können das nicht garantieren." Ähnlich äußerte sich sein Kollege von MediClin, Philipp Schlösser. Es gehe jetzt darum, den Vorsorgungsauftrag für die Geburtshilfe in Crivitz im kommenden halben Jahr aufrecht zu erhalten. Allerdings machte der Manager für die Zeit danach wenig Hoffnung: "Dann gehen wir davon aus, dass die Geburtshilfe in Parchim zusammengeführt wird."

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Bleiben Forderungen von Regierung und Landtag unerfüllt?

Damit wären die Forderungen der Landesregierung und des Landtags nicht erfüllt: Glawe war damit beauftragt worden, die Geburtshilfe in Crivitz dauerhaft zu sichern und auch dafür zu sorgen, dass die Kinderstation in Parchim wieder voll "in Betrieb geht". Am Freitag muss der Minister die neue Vereinbarung im Wirtschafts- und Gesundheitsausschuss des Landtags vorstellen. Ein Sprecher der SPD-Landtagsfraktion erklärte, man werde die Sitzung abwarten und die Ergebnisse dann kommentieren. Die SPD hatte Glawe zuvor massiv unter Druck gesetzt und vom ihm Nachverhandlungen gefordert, vor allem weil die Unternehmen "Profitmaximierung" zu Lasten der Solidargemeinschaft betreiben würden.

Crivitzer Bürgermeisterin: "Gutes Signal"

Die Linksfraktion sprach mit Blick auf die ausgehandelte Frist von einem "vernünftigen" Verhandlungsergebnis, denn es sei eine langfristige Sicherung nötig. Allerdings müssten "die Versorgungsstrukturen an beiden Standorten dauerhaft erhalten bleiben". Der Sitzung sehe man mit Interesse entgegen. Die Bürgermeisterin von Crivitz, Britta Brusch-Gamm (parteilos), sprach von einem "guten Signal", sechs Monate seien aber sehr kurz. Jetzt müsse die Zeit genutzt werden, schnell über neue Konzepte zu sprechen. Brusch-Gamm hatte in den vergangenen Tagen die Proteste für den Erhalt der Geburtshilfe angeführt und dabei auch vor der Staatskanzlei in Schwerin demonstriert. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte ihr ihre Unterstützung zugesagt. Schwesig sagte nach der neuen Verhandlungsrunde, das Wichtigste sei, dass eine Schließung zum Jahresende abgewendet worden sei. Die Zeit müsse genutzt werden, "um eine gute Lösung für die Kliniken in Crivitz und in Parchim zu finden".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.12.2019 | 16:00 Uhr

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