Stand: 08.08.2018 20:00 Uhr

Funklöcher in MV: Alle Netze für jeden Kunden?

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Die Mobilfunk-Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern ist lückenhaft.

Schlechte Handy-Verbindungen in Zügen, abgebrochene Gespräche irgendwo auf der Bundesstraße, kein Netz in der Ferienwohnung: Die Mobilfunk-Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern ist lückenhaft. Und sie ruft jetzt den kleinen Partner in der Regierungskoalition auf den Plan, die CDU. Ihr Wirtschaftsexperte und Landtagsabgeordneter Wolfgang Waldmüller meint, die vielen Funklöcher im Nordosten seien im europäischen Vergleich "peinlich und nicht akzeptabel".

Viele "weiße Flecken"

Dass Waldmüller nicht falsch liegt, zeigt schon ein Blick auf die Versorgungskarte des großen Anbieters Telekom. Im besten Funkstandard 4G (LTE) ist die Netzabdeckung im Nordosten äußerst lückenhaft. Es gibt viele "weiße Flecken" - zum Beispiel östlich von Schwerin, südlich von Bad Doberan und in der Nähe von Neustrelitz. Bei Konkurrenten wie O2 sind die Lücken noch größer.

Kritik von der Landes-Chefin

Man könne schon froh sein, wenn es bei einem Handy-Gespräch zwischen Schwerin und Parchim keine Verbindungsschwierigkeiten gebe, berichtet Waldmüller. Funklöcher seien für Bürger und die Wirtschaft ein erhebliches Problem. Schlechte Netze würden Wachstum bremsen - gerade auf dem flachen Land. Auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte in der Vergangenheit die Lücken in der Mobilfunkversorgung kritisiert und einen größen Druck auf die Anbieter gefordert. "Der Markt allein werde es nicht richten", meinte sie. In Ziffer 353 ihres Koalitionsvertrages versprechen Union und SPD auf Bundesebene "die Beseitigung bestehender Funklöcher". Auf Landesebene haben die Koalitionäre das Thema ausgelassen.

Nationales Roaming als Lösung?

Waldmüller schlägt ein sogenanntes nationales Roaming vor. Mobilfunk-Kunden können sich demnach das beste verfügbare Netz aussuchen - eine Idee, die bereits seit mehreren Jahren in der Diskussion ist. Waldmüller verweist auf die EU-Regelungen, ein solches Roaming sei bereits EU-weit möglich, auch dort könnten deutsche Kunden das beste Netz wählen. Das müsse auch im Inland "zu vertretbaren Kosten" möglich sein, meinte Waldmüller. Mecklenburg-Vorpommern sollte sich den Plänen Sachsen-Anhalts für eine Bundesratsinitiative anschließen, die Bundesnetzagentur jedenfalls habe sich offen gezeigt.

Pegel begrüßt Vorschlag

Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD) nennt Waldmüllers Forderung "nicht neu". Er verwies auf die Verabredung im Koalitionsvertrag des Bundes, auch darin wird ein nationales Roaming in Erwägung gezogen. "Wir gehen davon aus, dass die Bundesregierung diese Vereinbarung auch ohne zusätzliche Bundesratsinitiativen erfüllt". Grundsätzlich aber sei die Möglichkeit eines nationales Roamings zu begrüßen. Pegel erklärte, die Landesregierung führe keine Statistiken über Funklöcher, allerdings werde der Bund eine einheitliche Übersicht erstellen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.08.2018 | 06:00 Uhr

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