Stand: 17.12.2018 17:14 Uhr

Funklöcher: CDU schaltet Meldeportal frei

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Wollen mit dem Funkloch-Melder bei Wählern punkten: CDU-Fraktionschef Vincent Kokert (l.) und Fraktionskollegen.

Vincent Kokert meint, jetzt reicht es. Die Mobilfunkriesen wie Telekom oder Vodafone würden immer versprechen, alles werde besser mit dem Handy-Empfang und dem mobilen Internet. In Mecklenburg-Vorpommern passiere aber das Gegenteil, beklagt der CDU-Fraktionschef. Er fahre auf dem Weg vom heimischen Neustrelitz nach Schwerin durch mindestens elf Funklöcher. Es seien in den vergangenen Jahren eher mehr als weniger geworden.

Funklöcher online melden

Und weil sich nichts tue, handele die CDU jetzt. Sie glaubt den Landkarten der Kommunikations-Riesen nicht, nach denen es angeblich "eine 95-Prozent-Netzabdeckung gibt", sagt der 40-jährige Kokert. Er hat deshalb jetzt eine Internet-Seite und Handy-App "Funklochmelder MV" freischalten lassen. Nutzer können damit für jeden Standort in Mecklenburg-Vorpommern die Empfangsqualität melden und - so verspricht es sich die CDU - vor allem die Funklöcher lokalisieren - dort, wo gar nichts geht. Kurz vor Weihnachten verkündet die Union die Sache in einer eigens einberufenen Pressekonferenz, sie will vor dem Fest noch einmal in die Schlagzeilen.

Zweifel an Unternehmensangaben zur Netzabdeckung

Als Medien-Gag sieht die Fraktion die Sache nicht: Exakte Daten seien wichtig, denn bisher liege nichts Genaues vor. In den Angaben der Telekommunikationsunternehmen und ihrer Landkarten sehen die Christdemokraten eher eine Schönfärberei, auch Digitalisierungsminister Christian Pegel (SPD) habe nichts auf dem Tisch, meint der CDU-Wirtschaftsexperte Wolfgang Waldmüller. Er macht sich seit Monaten stark für das Thema. "Mit der Initiative wollen wir Druck machen", sagt Waldmüller.

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Auf der Jagd nach weißen Flecken

Sein Ziel: das sogenannte nationale Roaming. Handy-Kommunikation soll dabei wie im Ausland möglich sein. Das Handy wählt sich einfach in das nächstgelegene freie Netz ein. Anders in Deutschland: Hat der eigene Anbieter keinen Funkturm in der Nähe, wird der Kunde nicht auf das funktionierende Netz des Mitbewerbers umgeleitet. In Mecklenburg-Vorpommern kommt ein Problem hinzu: Oft gibt es überhaupt kein Netz - ein echtes Funkloch. Die CDU will diese weißen Flecke ausfindig machen. Die über das Netz erhobenen Daten - "ohne Personenangaben oder Bewegungsprofile der Nutzer zu erfassen" - sollen am Ende noch einmal "gezielt" geprüft werden, auch mit eigenen Messwagen, verspricht Kokert. Passieren soll das im späten Frühjahr, also mitten im Kommunalwahlkampf.

Im Wahlkampf punkten

Kokert macht klar, dass die Union dann mit Bürgern ins Gespräch kommen wolle. Neben Lücken in der Ärzteversorgung und einem schlechten Bus-Angebot seien die Funklöcher "eine Riesen-Geschichte im ländlichen Raum", meint Kokert - und da will die CDU als Kümmerer auftreten und im bevorstehenden Wahlkampf ordentlich punkten.

Kokert: Sind nicht mit der SPD verheiratet

Warum man die Sache mit dem Funkloch-Finder nicht der Regierung überlasse, wird Kokert gefragt und ob er den Vorstoß wenigstens mit Minister Pegel von der SPD abgesprochen habe. Da lacht der Fraktionschef: Das müsse er nicht, denn das sei "von der ersten Sekunde an" eine Initiative der CDU gewesen. Er sei außerdem nicht mit der SPD verheiratet. Umgekehrt habe der Koalitionspartner SPD seine "eigenen politischen Schlaglichter, die er wirft. Wir setzen jetzt hier eins."

Kokert und Waldmüller mussten das Rad dabei nicht neu erfinden: Ihre Fraktionskollegen aus Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt haben es vorgemacht, auch mit der gleichen App, entwickelt von der IT-Firma "backslash-n" aus Sögel im niedersächsischen Emsland. Kostenpunkt für die CDU-Landtagsfraktion: 8.000 Euro.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.12.2018 | 17:00 Uhr

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