Senioren beim Puzzeln. © Fotolia.com Foto: Robert Kneschke

Forscher aus MV nehmen Demenzkranke in den Blick

Stand: 27.02.2021 12:57 Uhr

Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Eine Entwicklung, von der MV und andere ostdeutsche Bundesländer besonders betroffen sind. Das Thema Demenz rückt in den Fokus von Wissenschaftlern.

In Mecklenburg-Vorpommern leben etwa 37.000 Menschen, die an Demenz erkrankt sind, schätzen Wissenschaftler - Tendenz steigend. Forscher in Greifswald und Rostock nehmen ihre Lage deshalb besonders in den Blick und haben ein Modell entwickelt, um Demenzkranken und ihren Angehörigen das Leben deutlich zu erleichtern. Die Betroffenen sollen von speziell ausgebildeten Pflegekräften unterstützt werden - sogenannten Dementia Care Managern. Die kennen sich genau aus mit dem Krankheitsbild und können herausfinden, was die Demenzkranken und ihre Angehörigen wirklich brauchen. Denn die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen, kurz DZNE, in Greifswald und Rostock haben in einer Studie herausgefunden, dass die Menschen oft nicht richtig versorgt sind.

Demenzkranke oft nicht gut genug versorgt

Rund 230 Demenz-Patienten in Mecklenburg-Vorpommern haben sie befragt, fast die Hälfte von ihnen bekam nicht mal die notwendige Pflege. Das hat auch Wolfgang Hoffmann erstaunt, er leitet den Bereich Versorgungsforschung: "Viele, die eine ambulante Pflege gebraucht hätten, hatten die nicht. Viele, die eine Pflegestufe gebraucht hätten, hatten die nicht. Chronische Wunden wurden nicht so gut versorgt, die Lagerung war nicht gut und viele andere Dinge, Hilfsmittel waren nicht vorhanden usw.. Das zweite war auch überraschend. Das waren nämlich soziale und rechtliche Bedarfe. Es ist ganz erstaunlich für uns gewesen, wie selten - fast nie, wir eine Patientenverfügung vorgefunden haben, wie selten eine Vorsorgevollmacht ausgestellt war. Das sind Sachen, die müssen natürlich angesprochen werden bei den Menschen mit Demenz."

Zweite Studie: Geschulte Fachkräfte schaffen Abhilfe

Oft waren auch die Medikamente, die die Demenzkranken genommen haben, nicht optimal - manche waren sogar gar nicht geeignet für sie. In einer zweiten Studie haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dann bewiesen, dass mit dem Einsatz der speziell geschulten Pflegekräfte all diese Probleme in den Griff zu kriegen sind und dadurch die Lebensqualität für die Demenzkranken deutlich steigt - und übrigens auch für ihre pflegenden Angehörigen, denn die tragen oft die Hauptlast.

Spezialausbildung bald deutschlandweit?

60 ausgebildete Fachkräfte gibt es schon, sie wurden an der Uni Greifswald weitergebildet und sind im Rahmen der Studien im Land unterwegs. Seit einem halben Jahr hat das DZNE aber auch mit einem Bildungsträger einen Vertrag abgeschlossen, der die Ausbildung deutschlandweit anbieten will. Diese Weiterbildung muss jedoch noch staatlich anerkannt werden und daran arbeiten Wolfgang Hoffmann und seine Kollegen gerade. Ziel ist es, dass das System der Dementia Care Manager bis Ende nächsten Jahres eingeführt wird - so sieht es im übrigen auch die Nationale Demenzstrategie vor, die vergangenen Sommer von der Bundesregierung beschlossen wurde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.02.2021 | 12:00 Uhr

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