Stand: 22.02.2019 18:19 Uhr

Flughafen Rostock-Laage: Land will bei EU anklopfen

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Hilfen vom Land und der EU? Am Flughafen Rostock-Laage ist die Situation weiter angespannt.

Die Landesregierung schließt höhere Finanzhilfen für den krisengeschüttelten Flughafen Rostock-Laage offenbar nicht mehr aus. Demnächst soll bei der EU-Kommission ausgelotet werden, ob sie mit einem stärken Zuschuss des Landes einverstanden wäre. Das ist nach Informationen des NDR ein Ergebnis eines Krisen-Treffens mit den kommunalen Gesellschaftern des Airports im Schweriner Verkehrsministerium. Bisher schießt das Land jährlich eine Million Euro dazu.

Stadt, Kreis und Land arbeiten intensiv an einer Lösung

Das Land und die Gesellschafter - Stadt und Landkreis Rostock und die Stadt Laage - suchten im Anschluss an das knapp anderthalbstündige Treffen demonstrativ den Schulterschluss. Gemeinsam arbeite man intensiv an einer Lösung, "damit der Flughafen seine langfristige Strategie fortführen kann", hieß es nach dem Gespräch, an dem auch Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU), Staatskanzlei-Chef Reinhard Meyer (SPD) und ein Vertreter des Finanzministeriums teilnahmen. Der zuständige Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) ließ sich von seiner Staatssekretärin Ina-Maria Ulbrich (SPD) vertreten.

Zwei Millionen Euro Defizit pro Jahr

Während des Treffens präsentierte Flughafen-Geschäftsführerin Dörthe Hausmann die neuesten Finanzzahlen ihres Unternehmens. Mit der Insolvenz der Fluggesellschaften Germania und der britischen Flybmi sind für den Airport nicht nur wichtige Verbindungen weggefallen, sondern auch Einnahmen. Das jährliche Defizit von zuletzt gut zwei Millionen Euro droht sich noch zu vergrößern; für die knapp 200 Mitarbeiter ist Kurzarbeit angesagt, weil es kaum Flugbetrieb in Rostock-Laage gibt.

Hausmann: "Kaum liquide Reserven"

Hausmann räumte in ihrem neuesten, Anfang Februar veröffentlichten Geschäftsbericht für 2017 ein, dass die Lage ohnehin eng ist: "Aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen führt jede größere Abweichung vom Plan, welche negative Ergebnisauswirkungen hat, zu Liquiditätsproblemen, da kaum liquide Reserven in Form von Eigenmitteln vorhanden sind. Dies können nicht geplante Reparaturen sein oder mögliche Erlösausfälle einer Airline." Der letzte Fall ist jetzt mit den Fluglinien-Insolvenzen eingetreten.

Staats-Subventionen für die Flughafen-Branche?

Ein Einstieg des Landes als Gesellschafter - wie von Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling gefordert - ist offiziell kein Thema des Treffens gewesen. Methling beklagte, das Land könne die beteiligten Kommunen nicht mit dem Problem alleine lassen. Pegels Sprecher Berthold Witting wollte sich zu einem Einstieg auf Nachfrage nicht äußern. Ganz allgemein erklärte er: "Die Lösung ist nur sehr schwer zu bekommen". Auch Witting deutete bevorstehende Gespräche mit der EU-Wettbewerbs-Kommission an. Nach Informationen des NDR soll es Ende nächster Woche zunächst ein erneutes Treffen mit den Gesellschaftern geben. Danach will das Land vorfühlen, wie sich die EU zu einer Erhöhung einer Landeshilfe stellen würde. Die Wettbewerbshüter haben bisher ein strenges Auge auf Staats-Subventionen für die Flughafen-Branche. 

Koalitionsvertrag mit Bestandsgarantie für Rostock-Laage?

Allerdings stehen SPD und CDU beim Flughafen auch im Wort. In ihrem Koalitionsvertrag haben sich die Regierungspartner auf eine langfristige Förderung des Flughafens verständigt. Der sei mit seiner "landeszentralen Bedeutung wesentlich für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes Mecklenburg-Vorpommern". Es gibt nicht wenige, die aus diesem Satz eine Bestandsgarantie für den Airport ableiten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.02.2019 | 19:00 Uhr

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