Stand: 27.03.2019 09:40 Uhr

Fliegerbombe in Rostock: Entschärfung beginnt

Der Sperrbereich für die Räumung der Fliegerbombe am Mittwoch.

Für die Bergung einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg sind in Rostock die letzten Vorbereitungen für die Evakuierung der Innenstadt sowie der sogenannten Steintor-Vorstadt abgeschlossen. Damit kann die Entschärfung beginnen. Bis zu 10.000 Menschenwaren von der Räumung am Morgen betroffen. Stadtsprecher Ulrich Kunze rief die Anwohner dazu auf, sich an die Anweisungen zu halten. "Selbstschutz steht an erster Stelle". Es müsse im Interesse jedes Bewohners liegen, sich an den Evakuierungsplan zu halten. Die Polizei machte am Dienstagabend über Lautsprecherwagen entsprechende Durchsagen.

Fundort in zentraler Lage

Die Bombe war am Montagvormittag bei Bauarbeiten in der August-Bebel-Straße auf einem Areal am Rosengarten entdeckt worden. Es handelt sich um eine amerikanische 250-Kilogramm-Sprengbombe. Für die Entschärfung wird ein Bereich mit einem Radius von 1.000 Metern rund um den Fundort komplett evakuiert. Dies diene der Sicherheit der Bevölkerung, teilte die Stadtverwaltung mit. Schulen und Kindertagesstätten bleiben geschlossen. Die Schüler der drei betroffenen Grundschulen werden provisorisch in anderen Schulen außerhalb der Sicherheitszone untergebracht.

Karte: Der Fundort der Fliegerbombe in der Rostocker Innenstadt

Notunterkunft in der Stadthalle

Grob gesagt ist der Bereich zwischen Hauptbahnhof und Stadthafen betroffen, wobei alle Hauptverkehrsstraßen weiter befahren werden können. Auch der Zugverkehr ist nicht beeinträchtigt. Straßenbahnen und Busse fahren ab 7.30 Uhr nicht mehr in das Sperrgebiet. Wie lange die Arbeit des Kampfmittelräumdienstes dauere, stehe noch nicht fest. Die Stadt richtet in der Stadthalle eine Notunterkunft ein. Sie werde ab 7 Uhr zur Verfügung stehen, hieß es. Dort ist Platz für etwa 10.000 Menschen.

Innenstadtsperrung wegen Bombenentschärfung in Rostock

Ab 8 Uhr wird für die Fliegerbomben-Räumung der komplette Innenstadtbereich in Rostock gesperrt. Grenzen sind die Straße Am Vögenteich, Am Kanonsberg, Warnowufer/Am Strande, die östliche Stadtmauer bis zum Mühlendamm und südlich die Goethestraße, Herweghstraße und Schwaaner Landstraße/Blücherstraße bis zum Puschkinplatz.

Zwei Hundertschaften Polizei kontrollieren Innenstadt

Die Polizei hat am Mittwochmorgen mit zwei Hundertschaften kontrolliert, ob die Innenstadt wirklich geräumt ist. Auf die Beamten und die Stadtverwaltung kam viel Arbeit zu. Denn in der Sperrzone befinden sich drei Schulen, fünf Alten- und Pflegeheime, mehr als 100 Arztpraxen und ein Dutzend Hotels und Pensionen. Die Stadtverwaltung hat eine Allgemeinverfügung erlassen, die den genauen Ablauf regelt. Darin steht unter anderem, dass sich Behörden und Einrichtungen sowie Hotels und Pensionen im Bereich bei der Polizei melden sollen, um die Räumung zu bestätigen. Wer sich zur Zeit der geplanten Entschärfung noch im Sperrgebiet aufhält, muss damit rechnen, von der Polizei weggebracht zu werden.

Individuelle Regelungen mit Alten- und Pflegeheimen

Die Evakuierungsmaßnahmen der fünf Alten- und Pflegeheime wurden individuell zwischen den Heimleitungen und dem Brandschutz- und Rettungsamt abgestimmt. Zudem liegt die komplette Fußgänger- und Einkaufszone im Evakuierungsgebiet. Autos sollten im unmittelbar angrenzenden Bereich der August-Bebel-Straße, Hermannstraße und Wallstraße nicht geparkt werden.

"Die Zünder sind in Ordnung"

Der Entschärfung der Bombe sehen Fachleute vergleichsweise gelassen entgegen. "Die Zünder sind in Ordnung. Man kann sie entschärfen, da sollte es keine Probleme geben", sagte ein Experte von einem privaten Kampfmittelbergungs-Unternehmen. "Wir können einschätzen, was wir machen können, weil wir die Bombe gesehen haben", sagte ein Sprecher vom staatlichen Munitionsbergungsdienst MV.

Rostocker Fliegerbombe: Ausnahmezustand in der Hansestadt

Rostock im Krieg mehrfach Ziel von Bombenangriffen

Als ein Zentrum der deutschen Rüstungsindustrie war Rostock während des Zweiten Weltkriegs mehrfach Ziel alliierter Bombenangriffe. Die Flugzeug-Werke Heinkel und Arado sowie die Neptun-Werft belieferten seinerzeit die Wehrmacht. In den Nächten vom 23. bis zum 27. April 1942 wurde auch die Innenstadt von Rostock bombardiert. Mehr als 200 Menschen starben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.03.2019 | 09:00 Uhr

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