Stand: 16.01.2019 15:26 Uhr

Fischwirtschaft in MV fürchtet Brexit

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Ein ungeordneter Brexit hätte für die Euro Baltic Fischverarbeitung in Sassnitz-Mukran spürbare Folgen. (Archivbild)

Ein ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der EU hätte für die Fischerei und die Fischverarbeitung in Mecklenburg-Vorpommern spürbare Konsequenzen zur Folge. Das größte Herings-Verarbeitungsunternehmen Deutschlands, die Euro Baltic Fischverarbeitung in Sassnitz-Mukran auf Rügen, bezieht nach eigenen Angaben überwiegend Fänge aus der britischen Nordsee.

Bei Brexit dürften EU-Schiffe nicht mehr fischen

Laut Geschäftsführer Uwe Richter werden 80 Prozent der Heringe für Mukran - rund 40.000 Tonnen pro Jahr - vor der schottischen Küste gefangen. Die Fanggebiete liegen in der britischen außerordentlichen Wirtschaftszone. Sollten die Briten - wie geplant - Ende März die EU verlassen, dürfte in diesem Bereich kein EU-Schiff mehr fischen. Davon betroffen wären auch drei Fang- und Verarbeitungsschiffe der niederländischen Gruppe Parlevliet & Van der Plas mit Sitz in Sassnitz sowie zwei größere Kutter der Erzeugergemeinschaft Nord- und Ostsee.

Linksfraktion fordert Engagement von der Landesregierung

Diese machen 40 Prozent ihres Umsatzes mit Nordsee-Hering. Als Alternative sieht Richter norwegische Fanggebiete. Dort sei der Aufwand für die Fischerei aber höher, weil es dort nicht so viel Hering gebe. Der europapolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Karsten Kolbe, erwartet auch von der Landesregierung mehr Engagement.

Ein bilaterales Abkommen mit Großbritannien könnte die deutschen Fischereirechte in britischen Gewässern und damit die Fischfabrik in Mukran erhalten, so Kolbe. Nach früheren Angaben würden bei einer Schließung dort 230 Jobs verloren gehen, weitere 200 bei Dienstleistern in der Region.

Kuhn: EU landet viel Fisch aus britischen Gewässern an

Nach Angaben von Werner Kuhn, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Fischereiausschusses im EU-Parlament aus Mecklenburg-Vorpommern, landet die EU fast fünfmal so viel Fisch aus britischen Gewässern an, wie die Briten aus den anderen EU-Gewässern. Dafür exportieren sie anteilig mit 68 Prozent doppelt so viel Fischereierzeugnisse in die EU als sie importieren. Deshalb liege weiterhin das Angebot der EU auf dem Tisch: Erhält die EU-Fangflotte Zugang zu den britischen Fanggebieten, dann behält Großbritannien den Zugang zum EU-Binnenmarkt für Fischereiprodukte.

Wirtschaftsexperte sieht "Erdbeben"

Der Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände für MV, Thomas Lambusch, reagierte am Mittwoch besorgt auf die Entscheidung in London. "Das Abstimmungsergebnis kommt einem Erdbeben gleich, dessen Wellen noch lange zu spüren sein werden", so Lambusch. Die Folgen für Europa und auch für die Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns seien noch nicht absehbar.

Caffier geißelt Rechtspopulismus und Nationalismus

Mecklenburg-Vorpommerns Innen- und Europaminister Lorenz Caffier (CDU) wertete das Scheitern des Brexit-Abkommens als Belastung für ganz Europa und Mahnung, im Werben für ein geeintes Europa nicht nachzulassen. "Die Abstimmung in London zeigte, wohin Rechtspopulismus und Nationalismus führen: ins Chaos, in Unsicherheit, in tiefste Spaltung der Gesellschaft", betonte Caffier am Mittwoch in Schwerin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.01.2019 | 14:00 Uhr

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