Stand: 29.07.2020 15:43 Uhr

Fischereiverband: Polizei soll Greenpeace-Aktion stoppen

Von der Beluga II der Umweltorganisation Greenpeace werden Granitfelsen in der Ostsee östlich von Rügen versenkt. © DPA Foto: Stefan Sauer
Greenpeace hat nach eigenen Angaben bisher rund 60 Granitblöcke im Adlergrund vor Rügen versenkt. (Archivbild)

Der Deutsche Fischereiverband hat die Polizei dazu aufgerufen, Greenpeace am weiteren Versenken von großen Felsbrocken in der Ostsee vor Rügen zu hindern. Von einem Schiff der Umweltorganisation sind seit Sonntag laut Greenpeace rund 60 bis zu 1.000 Kilogramm schwere Felsbrocken im Meeresschutzgebiet Adlergrund rund 40 Kilometer östlich von Rügen gekippt worden. Obwohl das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BGH) die Aktion mittlerweile verboten und ein Bußgeld in Höhe von bis zu 50.000 Euro angedroht hat, kündigte Greenpeace an, weiter Steine versenken zu wollen.

Fischereiverband: Unverständlich, dass Greenpeace nicht gestoppt wird

Mit der Aktion soll laut Greenpeace der Fischfang mit Grundschleppnetzen in dem Schutzgebiet unmöglich gemacht werden. Nach Angaben des Deutschen Fischereiverbands ist die Fischerei in dem Gebiet aber ausdrücklich erlaubt. Greenpeace verstoße mit der Aktion gegen Gesetze und gefährde den Seeverkehr, sagte Fischereiverbandspräsident Gero Hocker am Mittwoch. Das Hängenbleiben mit dem Fanggeschirr gehöre laut Seeunfallstatistik zu den Hauptursachen für den Untergang von Fischkuttern. "Es ist völlig unverständlich, dass Greenpeace trotz eindeutigen Verbots und Zustellung einer Unterlassungsverfügung weitermachen kann", so Hocker weiter. Er vermute, dass man die Fischer provozieren wolle, ihre Fanggebiete und ihre berufliche Existenz selbst zu verteidigen, wenn die Staatsorgane dies nicht täten. Er hoffe aber weiter auf die staatliche Durchsetzung von Recht und Gesetz.

Fischer drohen Bundespolizei mit Anzeige

"Sauer sind wir vor allem darüber, dass so lange von den Behörden nichts passiert ist", sagte Verbandssprecher Claus Ubl NDR 1 Radio MV. Greenpeace fahre trotz Unterlassungsverfügung weiter raus und keiner unternehme etwas. "Das macht uns sprachlos. Wenn jetzt weiterhin nichts passiert, dann wird die Fischerei darüber nachdenken, die Bundespolizei wegen Beihilfe durch Unterlassen anzuzeigen." Dem früheren Präsidenten des Landesfischereiverbandes, Norbert Kahlfuß, zufolge sind im Adlergrund seit einigen Jahren keine deutschen Fischer mehr mit Grundschleppnetzen auf Fang gegangen. In dem Gebiet würden aber auch polnische und dänische Kutter fischen. Kahlfuß sagte, es gehe den Fischern in diesem Fall mehr um das Prinzip. "Das ungesetzliche Treiben ist das Hauptproblem", erklärte er.

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FDP: Greenpeace Gemeinnützigkeit aberkennen

Die Landtagsfraktionen von CDU und AfD hatten die Aktion scharf kritisiert. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) forderte die Organisation auf, auf solche PR-Maßnahmen künftig zu verzichten. Der FDP-Landesverband forderte, Greenpeace die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Greenpeace will gegen die Unterlassungsverfügungen Widerspruch einlegen. Die Organisation beruft sich dabei auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2011. Demnach seien die Steine kein Risiko für das Schutzgebiet. Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack sagte, die Stein-Aktion sei nicht illegal, sondern "vor-legal": "Das Verbot der Fischerei in den Meeresschutzgebieten liegt in der Schublade der Bundesministerien."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 29.07.2020 | 16:10 Uhr

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