Bettina Westermann und Christian Quis vom Filmtheater Luna in Ludwigslust im Foyer ihres Kinos - zwischen den beiden: ein alter Kinoprojektor © Thomas Naedler Foto: Thomas Naedler

Filmtheater Luna in Ludwigslust: "Das ist sehr belastend gerade"

Stand: 28.12.2021 12:42 Uhr

Wie geht es uns? Was wünschen wir uns, um über den zweiten Winter der Pandemie zu kommen und gemeinsam Wege aus der Krise zu finden? Corona und wir in MV: Über Monate hat der NDR in Mecklenburg-Vorpommern Menschen aus dem Land begleitet und nachgefragt, wie sie die Zeit zwischen Sommer und Winter 2021 erlebt haben. Bettina Westermann und Christian Quis betreiben das Filmtheater Luna in Ludwigslust.

von Thomas Naedler

Es ist Sonnabend, der 18. Dezember. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim: orange auf der Corona-Karte des Landes. Noch hat das Filmtheater Luna geöffnet. Gerade hat Christian Quis den 18-Uhr-Film gestartet – der heißt „Freiheit geht durch den Magen“, vier Gäste sitzen im Saal. "Die Situation ist halt zur Zeit äußerst unbefriedigend. Weil soviel Unklarheit ist, weil unklar ist, wieviele Einschränkungen es noch geben wird, wie sich die Situation mit Corona weiterentwickelt, das ist sehr belastend gerade", sagt Christian Quis und setzt sich auf einen der Stühle in der Sitzecke im Foyer.

Programm-Planung nahezu unmöglich

Vieles drückt in den Wochen vor Weihnachten auf die Motivation: dass die Leute wegbleiben angesichts von 2G+ natürlich, aber auch die Ungewissheit, ob Verleiher wieder die Kinostarts von Filmen verschieben, wie es zum Beispiel mit James Bond geschehen war im vergangenen Jahr. Kino auf oder Kino zu, mit beidem könnten sie umgehen. Doch die Corona-Ampel mit ihren Fünf-Tages-Zyklen ist unberechenbar. Bettina Westermann wischt noch einmal über den Tresen und setzt sich dazu. "Dafür ist einfach das Kinogeschäft ein bisschen langfristiger zu planen. Das ist so, das nimmt ein bisschen die Kraft."

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Bettina Westermann und Christina Quis © NDR

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2G+ doch die Testzentren sind am Wochenende geschlossen

2G+ trifft sie hier in der Kleinstadt besonders. Es gibt nur ein Testzentrum, das ist geöffnet nur an Wochentagen. Demzufolge ist die Testung verbunden mit viel Warterei und das – so ist es in Ludwigslust – auch noch in der Kälte im Freien. Bettina Westermann schaut hinaus in die Lichter am Kanal, der direkt am Kino vorbeifließt, nur wenige Spaziergänger sind an diesem Sonnabend unterwegs. "Das ist katastrophal. Die Leute müssen draußen stehen und warten, bis sie angemeldet sind, um dann draußen zu warten, bis sie zum Testen kommen, um dann 15 Minuten zu warten, um das Ergebnis zu bekommen. Das kann man im Sommer machen, aber im November?"

19 Kinos geschlossen, andere melden einstellige Besucherzahlen pro Tag

Am Dienstag vor Weihnachten laden die Kinobetreiber in MV zur Pressekonferenz. Sie sind sauer. 19 von 25 Kinos im Land sind schon geschlossen. Auch Christian Quis sitzt im Schweriner Kino Capitol und erklärt ein weiteres Mal seine Sicht auf die Situation. Das Dilemma mit 2G+ in einer Kleinstadt ohne größere Testinfrastruktur. Oder: die für sie kaum wirksame staatliche Unterstützung für die Kinos: Als Corona-Hilfe legt das Land Mecklenburg-Vorpommern auf jede verkaufte Karte noch eine drauf, als Zuschuss. "Zur Zeit nützt uns das wenig. Das Programm ist sicher gut gemeint gewesen, für eine Zeit, in der immerhin noch bestimmte Besucherzahlen möglich waren. Mit der 2G+ Regelung nützt uns das jetzt gar nichts mehr: Ob wir auf die zwei verkauften Karten pro Veranstaltung, die wir im Schnitt so haben, ob wir da noch zwei dazu kriegen, das ist belanglos…“, sagt Christian Quis ins Mikrofon des Nordmagazin-Reporters.

Warum sind Gaststätten sichere Orte, Kinos aber nicht?

Bettina Westermann und Christian Quis nehmen die Pandemie und die mit Corona verbundenen Regeln nach wie vor ernst. Warum aber Gastronomie und Fitnessstudios offen sind, die Kinos aber nicht, das verstehen sie nicht. In den Kinosälen laufen große Lüftungsanlagen, die Menschen tragen Maske, halten Abstand und reden nicht. Doch mit dem Finger auf andere zeigen, das liegt ihnen fern. Sie hätten einfach nur gern ihr Publikum zurück. "Die Reaktion ist einfach die, dass es jetzt am einfachsten scheint, Theater und Kinos und Museen zuzumachen und die Sinnhaftigkeit, die erklärt sich mir nicht unbedingt", sagt Bettina Westermann.

Nach Weihnachten: das Kino geschlossen, die Betreiber müde

Kurz nach ihrer Pressekonferenz: die neuen Regeln. Kinos zu im ganzen Land. Ab 27. Dezember. Das Hin und Her zumindest ist vorbei und auch die ständige Sorge darum, ob es sich noch lohnt die gesamte Maschinerie mit ihrem hohen Stromverbrauch hochzufahren, angesichts weniger Gäste. Finanziell sind Bettina Westermann und Christian Quis über das Jahr gekommen, sie konnten sogar die von der Stadt gestundete Miete zurückzahlen. Doch die Pandemie hat Spuren hinterlassen. Selbst bei den beiden, für die Kino ihr Leben ist. Am Ende dieses Corona-Jahres sind sie müde. Sehr müde.

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