Stand: 07.12.2018 15:44 Uhr

Feuer-Tod in Güstrow: Lebenslange Haftstrafe

Das Landgericht Rostock hat eine 45-jährige Frau zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht sah es am Freitag als erwiesen an, dass sie Ende März dieses Jahres die Wohnung ihres früheren Lebensgefährten in Brand gesetzt und danach die Wohnungstür von außen abgeschlossen hatte.

Opfer hatten keine Chance zu entkommen

Den 51 und 48 Jahre alten Opfern blieb laut Staatsanwaltschaft keine Möglichkeit zur Flucht. Sie verbrannten bis zur Unkenntlichkeit. Das Gericht folgte mit dem Urteil dem Antrag der Anklagevertretung. Die Angeklagte bestritt die Vorwürfe, ihre Verteidigung forderte daher einen Freispruch.

Frau war im Trinker-Milieu unterwegs

Als der Richter den Lebenslauf der Verurteilten und die Urteilsbegründung vortrug, war immer wieder von Trinkgelagen, Alkoholabhängigkeit, Vorstrafen und Pöbeleien die Rede. Die Frau arbeite nicht, beziehe keine Sozialleistungen und sei alkoholabhängig - und dies alles seit Jahren, stellte der Richter fest. Die 45-Jährige habe sich von Männern aus dem Güstrower Trinker-Milieu versorgen lassen.

Gericht: Tötungsentschluss Tage zuvor gefasst

Bereits einige Tage vor dem Tattag hatte die Angeklagte nach Auffassung des Gerichts den Entschluss gefasst, ihren ehemaligen Lebensgefährten zu töten. Sie sei seiner nach einer kürzeren, engeren Beziehung überdrüssig gewesen. Dazu habe sie einen sogenannten Molotowcocktail gebaut, habe dann allerdings den Mann nicht angetroffen. Als es Ende März erneut zum Streit kam, verließ sie die Wohnung und kehrte mit einem Benzinkanister zurück, schilderte der Richter. Mindestens drei entzündete Benzinlachen in der Ein-Zimmer-Wohnung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses machten es den beiden Männern unmöglich zu fliehen.

3,5 Promille bei der Tat

Zur Tatzeit habe ihr Promillewert etwa 3,5 betragen. Sie sei trotzdem "sortiert, ja sogar planmäßig vorgegangen", habe einen ganz klaren Tötungsvorsatz gehabt und habe nach einem Trinkgelage mit anschließendem Streit ihren ehemaligen Lebensgefährten umbringen wollen, so der Richter. Die Tatausführung sei besonders grässlich gewesen, schließlich habe die Frau die Männer bei lebendigem Leib verbrennen lassen. Weil sie Alkoholikerin sei, wird sie in in eine Entziehungsanstalt eingewiesen, entschied das Gericht. Danach muss sie ihre Haftstrafe antreten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Verteidigung kündigte Revision an.

Zuvor wegen versuchten Totschlags verurteilt

Bei dem Brand rettete die Feuerwehr mehrere Menschen - darunter auch Kinder - mit Drehleitern aus dem Gebäude. Die Täterin selbst verletzte sich auf der Flucht durchs Treppenhaus, wo sie von der Feuerwehr gefunden wurde. Die Verurteilte war laut Gericht 2001 bereits zu viereinhalb Jahren Haft wegen versuchten Totschlags verurteilt worden. Damals habe sie ebenfalls einen Mann per Telefon angewiesen, wie er ihren Freund, den sie loswerden wollte, überfallen und misshandeln könnte.

Weitere Informationen

Brand in Güstrow: Mordanklage gegen 45-Jährige

Nach einem Wohnungsbrand im April in Güstrow mit zwei Toten hat die Staatsanwaltschaft gegen eine 45-jährige Frau Anklage wegen Mordes erhoben. Sie soll den Brand gelegt haben. (03.09.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.12.2018 | 09:00 Uhr

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