Stand: 21.01.2019 07:55 Uhr

Fall Leonie: Mordverdächtiger weiter flüchtig

Der unter Mordverdacht stehende 27-Jährige aus Torgelow, der die Tochter seiner Lebensgefährtin getötet und ein Geschwisterkind misshandelt haben soll, ist weiter auf der Flucht. Am Wochenende setzte die Polizei eine Belohnung in Höhe von 1.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung von David Hedtke führen. "Wir bekommen inzwischen Hinweise aus ganz Deutschland, haben ihn aber noch nicht gefunden", sagte ein Polizeisprecher am Montagmorgen. Angesichts einer "regelrechten Hetze" in sozialen Netzwerken, warnte die Polizei eindringlich vor Selbstjustiz. Im Internet kursierten Aufrufe mit teils strafbaren Inhalten.

Auffälliges Tattoo am Unterarm

Die Suche nach dem 27-Jährigen läuft schon seit mehreren Tagen, seit Donnerstag liegt auch ein Haftbefehl vor. Dem Mann wird Mord durch Unterlassen vorgeworfen. Laut Polizei ist der gesuchte David Hedtke 1,85 Meter groß und sehr schlank. Auf seiner Oberlippe ist das Loch eines entfernten Piercings noch zu sehen. Ein weiteres markantes Merkmal ist eine Tätowierung am linken Unterarm. Auffällig sind zudem seine extrem großen Hände, so die Beschreibung der Polizei. Zuletzt hatte der Flüchtige eine dunkelblaue Strickwollmütze auf und trug eine graublaue Kapuzenjacke, eine blaue Sporthose mit weißen Streifen an den Seiten sowie weiße Turnschuhe.

Suche nach realen und elektronischen Spuren

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Am Freitagabend gab es einen größeren Polizeieinsatz in Groß Luckow.

Die Ermittler fahnden auf zwei Ebenen nach Hedtke, erläuterte eine Polizeisprecherin. Zum einen suchen Polizisten überall dort, wo sich der Verdächtige aufhalten könnte. So gab es am Freitagabend einen größeren Polizeieinsatz in Groß Luckow zwischen Pasewalk und Strasburg. Dort fahndeten die Ermittler mit Fährtenhunden und einem Hubschrauber nach dem Flüchtigen - ergebnislos. Auch in Wolgast wurden mehrere Wohnungen ins Visier genommen. Dort hatte der 27-Jährige früher einmal gewohnt. Ein SEK-Einsatz am Sonnabendmorgen in Wolgast hatte mit dem Fall aber nichts zu tun. Zum anderen sucht die Polizei nach elektronischen Spuren des Flüchtigen im Internet und in Mobilfunknetzen. Momentan gehen die Behörden nicht davon aus, dass sich der Flüchtige ins Ausland abgesetzt haben könnte.

Vorwurf: Tod des Mädchens billigend in Kauf genommen

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Das zweite Fahndungsfoto zeigt eine auffällige Tätowierung des Gesuchten.

Hedtke wird vorgeworfen, am vergangenen Sonnabend in Torgelow die sechs Jahre alte Tochter seiner Lebensgefährtin derartig schwer verletzt zu haben, dass sie an den Folgen starb. Laut Staatsanwaltschaft hat der 27-Jährige keine Hilfe geholt und zudem vorgegeben, das Kind sei eine Treppe hinuntergestürzt. Inzwischen wurde bekannt, dass er auch den dreijährigen Bruder des getöteten Mädchens misshandelt haben soll. Gegen die Mutter der Kinder wird wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung ermittelt. Zum Gedenken an das getötete Kind veranstalten die Stadt und die evangelische Kirchengemeinde am kommenden Dienstag eine Trauerstunde.

Mann flüchtete aus Polizeidienststelle

Der Beschuldigte konnte am Montagabend entkommen, als ihn Kriminalbeamte in der Dienststelle festnehmen wollten. Den Beamten zufolge flüchtete er in Richtung des am Stadtrand gelegenen Bahnhofes. Ein Fährtenhund verlor die Spur des Flüchtigen letztlich in einem Zug. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hatte die Umstände der Flucht mit scharfen Worten kritisiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.01.2019 | 06:00 Uhr

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