Die Reha-Klinik in Waldeck © Melanie Wollscheid Foto: Melanie Wollscheid

Fachklinik Waldeck: Kommt bald das Aus für Schwaan?

Stand: 19.03.2021 15:49 Uhr

Die Fachklinik Waldeck in Schwaan hat akute Personalprobleme. In den vergangenen Monaten haben mehr als 60 Mitarbeitende des Hauses gekündigt.

von Melanie Wollscheid

Mehr als 20 Jahren hat sie dort gearbeitet - jetzt kann sie nicht mehr. Eine Mitarbeiterin in der Pflege, die namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet von fehlender Wertschätzung, schlechter Stimmung unter den Mitarbeitern sowie fehlender Transparenz von Seiten der Klinikleitung. Die Frau hat bei der Fachklinik Waldeck in Schwaan, einem Zentrum für medizinische Rehabilitation im Landkreis Rostock, gekündigt. Und sie ist eine von Vielen. Die Kündigungswelle beginnt nach Recherchen des NDR schon im vergangenen Jahr. Pflegepersonal und Ärzte verlassen scheinbar reihenweise das Haus. Mittlerweile haben mehr als 60 Mitarbeiter gekündigt, berichtet eine ehemalige Pflegekraft. So blieb auch eine Führungskraft nur wenige Monate in Waldeck. In einem Mitarbeiterbrief, der dem NDR vorliegt, an den Betreiber, die Futuramed GmbH, heißt es, man vermute, dass der aktuelle Werdegang gewollt sei und man die Fachklinik runterwirtschaften oder ausbluten lassen wolle. Der Standort sei "äußerst existenzbedroht".

Viele Mitarbeiter sind verunsichert

Die Klinik in Schwaan hat 210 Betten und beschäftigt laut der kaufmännischen Direktorin Ulrike Gerlach insgesamt 297 Mitarbeiter. Diese kümmern sich vorrangig um Patienten, die von der Beatmung entwöhnt werden. Das passiert auf der sogenannten Weaning-Station. Ulrike Gerlach sieht mehrere Gründe für die Kündigungen. Im Wesentlichen sei es die Verunsicherung der Mitarbeiter, ob die Weaning-Station weiter betrieben werden könne, so die kaufmännische Direktorin der Klinik.

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Beschäftigte berichten von zu wenig Personal

Der Klinikbetreiber, die Futuramed GmbH aus dem Allgäu, wendet sich im Februar schließlich schriftlich an die Mitarbeiter und beteuert, die Fachklinik für die Nachsorge von Patienten, die beatmet wurden, werde aufrechterhalten. "Wir haben die Patientenversorgung entsprechend unserem Versorgungsauftrag sichergestellt und werden das auch weiterhin tun", bestätigt Gerlach in einer schriftlichen Stellungnahme. Nach Informationen des NDR wurden mehrere Honorarkräfte eingestellt. Mitarbeiter berichten jedoch, dass Personal fehlt und dass Abläufe und Absprachen immer schwieriger würden.

Südstadtklinik aus Rostock kündigt Kooperationsvertrag

Diese Entwicklung zwingt offenbar auch die Südstadtklinik aus Rostock zum Handeln. Das Haus hatte einen Kooperationsvertrag mit Waldeck. Diesen Vertrag hat die Südstadt im Juni 2020 zum September gekündigt. "Wir bedauern die Beendigung der Zusammenarbeit außerordentlich. Seitens des Klinikums Südstadt Rostock wurden die Probleme und Lösungsvorschläge frühzeitig und mehrfach benannt", so der Ärztliche Direktor des Klinikums Südstadt Rostock, Prof. Jan Roesner.

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Konkurrenz in der Nähe

Die Weaning-Station in Waldeck ist längst nicht die einzige im Landkreis Rostock. Auch im nahe gelegenen KMG Klinikum Güstrow werden Weaning-Patienten betreut, bestätigt ein Sprecher des Klinikums. Und man habe dort personell aufgestockt. "Von August 2020 bis zum Februar 2021 haben 132 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Bereichen Pflege, Therapie, ärztlicher Dienst und Verwaltung an unserem KMG Klinikum neu begonnen", so ein Sprecher des Klinikums. Auf die Frage, wie viele davon vorher in Waldeck beschäftigt waren, gibt er keine Auskunft.

Medizinisches Personal ist knapp

Die kaufmännische Direktorin der Klinik Waldeck Ulrike Gerlach findet, der Grundsatz "Konkurrenz belebt das Geschäft" sei im Gesundheitswesen nicht zutreffend, da das wertvolle medizinische Personal überaus knapp sei. Wenn hier zusätzliche Kapazitäten im Weaning-Bereich geschaffen würden, ginge dies eindeutig zu Lasten bereits bestehender und langjährig bewährter Einrichtungen, so Gerlach. In einem Brief der Klinikleitung an die Mitarbeiter, der dem NDR vorliegt, heißt sinngemäß weiter, man sehe durchaus einen Zusammenhang zwischen der Kündigungswelle und der KMG Güstrow. "Wir können nachvollziehen, wenn Mitarbeiter mit dem Arbeitsumfeld und der Unsicherheit ab Oktober 2020 in unserer Klinik nicht glücklich waren."

Derzeit zwölf Stellen in Schwaan ausgeschrieben

Wie sich der Standort in Schwaan weiter entwickeln wird, ist noch offen. Derzeit sind zwölf Stellen ausgeschrieben, unter anderem die für einen Oberarzt in der Neurologie. Mittlerweile ist auch die Landespolitik hellhörig geworden. Das Thema Fachklinik Waldeck in Schwaan soll demnächst im Wirtschaftsausschuss besprochen werden. Dieser ist auch für das Ressort Gesundheit zuständig. Die ehemalige Pflegekraft hat noch keine neue Stelle. Eine Arbeit in der Fachklinik Waldeck kommt für sie aber nicht mehr in Frage.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 19.03.2021 | 16:00 Uhr

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