Stand: 24.06.2019 22:31 Uhr

Eurofighter-Absturz - Trauer um Bundeswehr-Piloten

Im Luftraum nordöstlich von Malchow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) sind am Montag zwei Eurofighter der Bundeswehr während einer Luftkampfübung zusammengestoßen und abgestürzt. Ein Pilot kam ums Leben, der andere wurde lebend aus einer Baumkrone gerettet und in das Uniklinikum Rostock geflogen. Zivile Opfer gab es laut Luftwaffe nicht. Es ist das schwerste Unglück der Bundeswehr in Deutschland seit vielen Jahren. Um die Ursache zu klären, hat der General Flugsicherheit im Luftfahrtamt der Bundeswehr die Ermittlungen übernommen. Im Vordergrund steht, die Flugschreiber zu bergen.

Kampfjets waren unbewaffnet

Bei dem Unglück kurz nach 14 Uhr kollidierten die beiden Maschinen zwischen Silz und Jabel nördlich des Fleesensees in der Luft und stürzten anschließend brennend ab. Ein dritter Eurofighter-Pilot, der an der Übung beteiligt war, beobachtete den Unfall. Beide Piloten hatten sich zunächst mit dem Schleudersitz aus ihren Maschinen retten können. Das bestätigte ein Sprecher des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 "Steinhoff" in Laage bei Rostock auf Anfrage von NDR 1 Radio MV. Die Kampfjets hätten bei der Übung keine Munition an Bord gehabt. Zum Zustand des Überlebenden und seinen Aussagen zum Unglückshergang machte die Luftwaffe keine Angaben. Das Geschwader in Laage ist gemeinsam mit zwei anderen Jagdverbänden für die Sicherung des deutschen Luftraums zuständig.

Trümmerteile werden geborgen

Der Absturz der Flugzeugwracks löste Waldbrände aus, die bis zum Nachmittag wieder gelöscht werden konnten. Die Einsatzkräfte waren am Abend immer noch damit beschäftigt, Trümmerteile zu bergen. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) forderte die Bevölkerung auf, sich von den kilometerweit verstreuten Wrackteilen fernzuhalten. Bei der Sicherung der Unfallstelle seien wegen giftigen Rauchs bereits zwei Feuerwehrleute verletzt worden.

Von der Leyen dankt Einsatzkräften

Weitere Informationen
Zwei Rauchwolken steigen hinter dem nördlichen Fleesensee am Absturzort von zwei Eurofightern auf. © dpa-Bildunfk Foto: Bernd Wüstneck

Liveticker: Tödlicher Eurofighter-Absturz bei Malchow

Am Montag sind im Luftraum nordöstlich von Malchow in Mecklenburg-Vorpommern zwei Eurofighter zusammengestoßen. Bei dem Absturz kam ein Pilot ums Leben. Der Liveticker zum Nachlesen: mehr

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) war nach Bekanntwerden des Unglücks sofort zur Absturzstelle gereist. Sie sprach der Familie des verstorbenen Piloten ihr Beileid aus. "Heute ist der Tag der Trauer und des Schmerzes über den Verlust unseres Soldaten und Piloten", sagte von der Leyen, "diesen Schmerz teilen wir mit den Angehörigen." Sie dankte den Einsatzkräften der Feuerwehr, der Polizei und auch den Anwohnern, die "mit Besonnenheit auf das schreckliche Ereignis" reagiert hätten. Sie sei "dankbar, über die sehr gute und sehr schnelle Zusammenarbeit" des Landesinnenministeriums Mecklenburg-Vorpommerns, der Polizei, der Bundeswehr und des Inspektors der Luftwaffe. Innerhalb von Minuten hätten alle Beteiligten professionell geholfen und an einem Strang gezogen. Fragen zur Einsatzbereitschaft der Flugsicherheit wollte die Ministerin vorerst nicht beantworten.

Caffier an der Unglücksstelle

Caffier zeigte sich am frühen Abend in der Nähe der Absturzstellen froh, dass keine Wohngebiete von herabstürzenden Trümmern getroffen wurden. Den Einsatzkräften dankte er für ihre Arbeit und lobte die schnellen Rettungsmaßnahmen. Auch die Bürgermeisterin von Nossentiner Hütte, Birgit Kurth, äußerte sich gegenüber NDR 1 Radio MV erleichtert, dass sich das Unglück über einem Feld und nicht über der Ortschaft ereignete. Die Gemeinde mit ihren knapp 700 Einwohnern habe Glück im Unglück gehabt, so Kurth.

Weitere Informationen
Ein brennender Eurofighter stürzt über einem Wald ab. © Thomas Steffan Foto: Thomas Steffan

Eurofighter-Absturz - Trauer um Bundeswehr-Piloten

Im Luftraum bei Malchow in Mecklenburg-Vorpommern sind am Montag zwei Eurofighter abgestürzt. Dabei kam ein Pilot ums Leben. Es war das schwerste Unglück der Bundeswehr in Deutschland seit Jahren. mehr

Geschwaderkommodore Gero von Fritschen steht auf dem Fliegerhorst in Rostock-Laage vor einem Eurofighter. © dpa-Bildfunk Foto: Rainer Jensen

Das Luftwaffengeschwader 73 "Steinhoff"

In Laage bei Rostock werden die deutschen Eurofighter-Piloten ausgebildet. Das "Steinhoff"-Geschwader ist auch für die Luftraumüberwachung zuständig. mehr

Ein Eurofighter startet beim Luftwaffengeschwader "Steinhoff" auf dem Flughafen in Laage. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck/ dpa-Bildfunk

Der Eurofighter - vom Prestige- zum Problemjet

Der Eurofighter steht wegen hoher Anschaffungskosten und technischer Mängel in der Kritik. Bisher wurden mehr als 500 Kampfjets an sieben Länder ausgeliefert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.06.2019 | 20:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Eine Regionalbahn fährt in Hamburg in den Hauptbahnhof ein. Zwei Reisende stehen am Bahnsteig. © dpa picture alliance Foto: Daniel Bockwoldt

Azubi-Ticket in MV startet im Februar 2021

Im Februar 2021 startet in MV das sogenannte Azubi-Ticket. Für Berufs- und Fachschüler kostet es einen Euro pro Tag. mehr

Eine Frau bekommt im Kosmetikstudio eine Gesichtsmaske.  Foto: Robert Przybysz

Corona: Kosmetiksalons bleiben vorerst geschlossen

Kosmetiksalons, Massagepraxen und Sonnenstudios bleiben in Mecklenburg-Vorpommern wegen der unverändert hohen Infektionsrate weiterhin geschlossen. mehr

Grafik mit der aktuellen "Corona-Ampel" für Mecklenburg-Vorpommern. © NDR

Corona: 160 neue Infektionen in MV, zwei weitere Todesfälle

Vier Landkreise und die Landeshauptstadt gelten als Risikogebiet. Der Landesinzidenzwert steigt weiter auf jetzt 48,9. mehr

Rohre für die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 werden auf dem Gelände des Hafens Mukran bei Sassnitz gelagert. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Ostsee-Pipeline: Wird jetzt weitergebaut?

Trotz weiterer US-Sanktionsdrohungen könnten dieses Wochenende die Arbeiten an "Nord Stream 2" wiederaufgenommen werden. mehr