Scrennshot einer Fake-Website für Hausbootvermietung im Internet © Screenshot Foto: Screenshot

Erste Spur bei Online-Betrug mit Hausbooten an der Seenplatte

Stand: 06.07.2021 17:22 Uhr

Betrüger bieten derzeit auf einer Fake-Internetseite Hausboote zum Ausleihen für Ausflüge an der Mecklenburgischen Seenplatte an. Bei der Suche nach dem Verantwortlichen gibt es eine Spur in die Niederlande und nach Norwegen.

Das Angebot ist täuschend echt gemacht: Die Seite www.dein-hausbooturlaub.de listet rund ein Dutzend Hausboote auf, die Urlaubswillige angeblich an der Mecklenburgischen Seenplatte buchen können; "LadyInge" heißen sie, "Malchin" oder "Gansje" und sollen ab 119 Euro pro Nacht zu haben sein. Allein - keines der verlockenden Angebote ist Realität. Wer auf der Seite ein Boot bucht, erhält nichts - und ist sein Geld los. Nach Polizeiangaben gibt es bislang mindestens zehn Anzeigen gegen die Betreiber der Webseite. Erste Ermittlungsansätze gibt es laut Polizei ebenfalls: So wiesen die angegebenen Kontonummern auf der Seite in die Niederlande und nach Norwegen.

Bootsverleiher findet eigene Boote auf Fake-Seite

Auf der Fake-Seite sind auch Boote zu sehen, die an der Mecklenburgischen Seenplatte tatsächlich gemietet werden können - allerdings bei anderen Unternehmen. Der Bootsverleih von Tony Wachholz gehört dazu: Schon mehrfach habe er Kontakt mit Touristen gehabt, die den Betrügern eine Anzahlung geleistet hätten, sagte er in NDR MV Live - in einem Fall hätten Urlauber bereits die komplette Gebühr überwiesen. "Für die tut's mir ganz besonders leid. Für die fällt der Urlaub ins Wasser." Wachholz gab an, bereits am 30. April Anzeige erstattet zu haben.

Tipp: Im Handelsregister nachsehen

Wer unliebsame Überraschungen wie diese vermeiden will, der kann ein paar Tipps beherzigen. "Wir weisen die Verbraucher immer darauf hin, dass vor allem das fehlende Impressum ein Signal dafür ist, dass man sich auf einer unseriösen Seite befindet", sagte Anja Offermann von der Verbraucherzentrale in Mecklenburg-Vorpommern NDR 1 Radio MV. Das funktioniere allerdings ausgerechnet im Fall des betrügerischen Hausbootverleihs nicht, da in diesem Fall ein - falsches - Impressum angegeben sei. Doch man könne prüfen, ob die Gesellschaft im Handelsregister unter der angegeben Nummer tatsächlich auch eingetragen sei. "Dann kommt man zu dem Schluss, dass es sich um ein Fake-Angebot handelt."

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Zwei Männer fahren mit dem Hausboot "Jasmund" von der Greifswalder Oie nach Fresst. © dpa Foto: Stefan Sauer

Polizei warnt: Online-Betrugsmasche mit Hausbooten in MV

Mehrere Kunden, die eine Anzahlung geleistet hatten, aber von der Firma nichts mehr hörten, erstatteten Anzeige. mehr

Bei seltsamen Internetadressen stutzig werden

Ein weiteres Zeichen für ein unseriöses Angebot könne eine auffällig formulierte Internetadresse des Shops sein, erklärt Verbraucherschützerin Offermann - und eine unsichere Zahlungsweise wie etwa Vorkasse. Hier seien Reiseangebote aber eine Ausnahme. "Im Reiserecht ist es nicht ungewöhnlich, dass zumindest die Anzahlung in Vorkasse passiert." Bei anderen Produkten sollten jedoch stets weitere Zahlungsweisen angegeben werden. "Auch ein auffallend günstiger Preis kann ein Indiz sein, falsche Gütesiegel und zu viele positive Kundenbewertungen innerhalb kurzer Zeit."

Genannte Rufnummer existiert nicht

Die Anzeigen seien in Waren an der Müritz, Neubrandenburg sowie online eingegangen, teilte die Polizei mit. Die Boote könnten dort laut Anbieterangaben übernommen werden. Nachdem Kunden eine Anzahlung von 600 Euro geleistet hatten, war der Anbieter nicht mehr erreichbar, schilderten die um ihr Geld Geprellten in den Anzeigen. Wer die im vermeintlichen Impressum gelistete Servicenummer anruft, erhält zudem eine Bandansage, dass die gewählte Nummer nicht existiert. Die Internetseite wirke echt, sei aber ein Fake, so die Polizei. Die Kripo Neubrandenburg ermittelt. Die Polizei bittet weitere Opfer dieser Betrugsmasche, sich zu melden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 06.07.2021 | 12:00 Uhr

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