Stand: 07.03.2017 13:33 Uhr

Erneut Baum mit Rotmilan-Horst gefällt

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald ist erneut ein Nest des unter Naturschutz stehenden Rotmilans zerstört worden. Nach Polizeiangaben fällten Unbekannte zwischen Zinzow und Boldekow mehrere Bäume - auf einem davon hatte sich ein Tier ein Nest gebaut. In der Nähe der gefällten Bäume fand die Polizei außerdem das Skelett eines Rotmilans.

Adlerhorst

Immer mehr zerstörte Greifvogelhorste

Nordmagazin -

Immer mehr Greifvogelhorste werden zerstört - allein im Landkreis Vorpommern-Greifswald wurden 16 Fälle registriert. Experten vermuten Windkraft-Profiteure als Täter.

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Kriminalpolizei ermittelt

Die Greifvögel gelten als streng geschützte Art, deren Erhalt und Ausbreitung unter anderem durch das Bundesprogramm "Biologische Vielfalt" gefördert werde, wie eine Polizeisprecherin erklärte. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Zeugen werden um Hinweise zu den Tätern gebeten.

Windpark in unmittelbarer Nähe geplant

In unmittelbarer Nähe des Tatorts ist nach Informationen von NDR 1 Radio MV ein Bürgerwindpark geplant. Der Genehmigung würde der Rotmilan im Wege stehen. Geplant ist, auf mehr als 120 Hektar rund um das Wäldchen bis zu acht Windräder zu bauen. Der Waldbesitzer ist Gesellschafter des Bürgerwindparks. Im vergangenen Sommer habe er in seinem Wald einen Sturmschaden beseitigen lassen, heißt es. Dass es dort einen Rotmilan-Horst gab, sei ihm nicht bekannt gewesen.

War das Nest in Karten markiert?

Der zuständige Förster bestätigte, dass auf seinen Karten kein Horst verzeichnet war. Die Bürgerwindpark-Gesellschaft habe mehrfach beim Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie nachgefragt, ob Rotmilane in dem Gebiet vorkommen, was verneint worden sei. Die Untere Naturschutzbehörde allerdings kannte den Horst. Sie hatte ihn bereits 2015 erfasst. Nach Angaben des Kreises Vorpommern-Greifswald ist der Waldbesitzer darüber auch informiert worden. Dieser dementiert allerdings, ein solches Schreiben erhalten zu haben. Anhand von der Polizei angefertigter Fotos muss nun geklärt werden, ob die abgesägten Bäume tatsächlich von einem Sturm im Sommer 2016 geschädigt waren oder nicht.

Mindestens 16 Vorfälle im Kreis Vorpommern-Greifswald

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald sind inzwischen mindestens 16 Vorfälle bekannt, bei denen Nester von Greifvögeln mutwillig zerstört wurden. Zuletzt hatten Unbekannte in der Nähe von Ferdinandshof einen Baum mit dem Nest eines Rotmilans gefällt. In dem Gebiet soll ein Windpark entstehen. Ein Rotmilan-Horst im Umkreis von 1.000 Metern würde dies verhindern.

Bis zu fünf Jahre Gefängnis drohen

Der Sprecher des Kreises, Achim Froitzheim, warnte ausdrücklich vor dem Fällen von Bäumen mit Nestern. Das schaffe keine Planungsfreiheit. Der Schutzstatus der Tiere in dem Gebiet bleibe bestehen. Beim Rotmilan sind es drei Jahre, beim vom Aussterben bedrohten Schreiadler sogar zehn Jahre. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums ist die Horstzerstörung eine Straftat und kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.03.2017 | 16:15 Uhr

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