Enttäuschte Reaktionen auf Ergebnisse des MV-Gipfels

Stand: 25.02.2021 19:38 Uhr

Die Ergebnisse des MV Gipfels, nur kleinere Öffnungsschritte in der Corona-Pandemie zu wagen, hat einige enttäuschte Reaktionen ausgelöst. Der Präsident der Landesvereinigung der Unternehmensverbände ist nicht zufrieden.

Ein erster Schritt in Richtung Öffnung werde zwar gemacht - so der Präsident der Landesvereinigung der Unternehmensverbände, Lars Schwarz. Langfristig müsse aber geschaut werden, wie es weitergehen kann, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz von Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner eben nicht unter 35 sinkt. Wichtig wären deshalb auch jetzt schon konkrete Daten für die Öffnung von Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie gewesen. Gerade Hotels bräuchten vor einer Öffnung zwei bis vier Wochen Vorlaufzeit, sagte Schwarz, der selbst Hotelier ist. Er habe die Hoffnung auf ein Geschäft zu Ostern noch nicht aufgegeben - wenn auch zunächst nur mit einheimischen Gästen.

Rostocks Oberbürgermeister gibt Hoffnung nicht auf

Auf dem Gipfel hatten die Teilnehmer unter anderem über einen Vorschlag von Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) diskutiert, aus der Hansestadt eine Testregion zu machen, in der es dann mehr Möglichkeiten für Öffnungen geben würde. Dazu gab es bei den Teilnehmern noch viel Informationsbedarf und auch Vorbehalte. Madsen will den Lockdown beenden. Pilot Rostock heißt der siebenstufige Plan, den er bereits am Dienstagabend im Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft vorgestellt hatte. Gescheitert sieht Madsen seinen Plan deshalb aber noch nicht. Er wolle weiter daran arbeiten, es sei noch nicht aller Tage Abend.

Tourismusverband: Stimmung hat sich verschlechtert

Enttäuscht von den Ergebnissen des Landes-Corona-Gipfels zeigte sich auch der Landestourismusverband. Die Stimmung habe sich nach dem Gipfel verschlechtert, so der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf. Er habe auf eine klarere Öffnungsperspektive für diesen wichtigen Wirtschaftsbereich gehofft. Eine Öffnung von Hotels zu Ostern für Einheimische sei angesichts der zuletzt nicht sinkenden Corona-Inzidenzwerte noch unwahrscheinlicher geworden. Ob sich ein Geschäft im ersten Schritt nur mit Einheimischen lohnt, sei fraglich. Bereits vor dem Gipfel war ein offener Brief von 175 Hoteliers im Land erschienen, in dem sie zum Ausdruck brachten, dass die Auslastung nur mit Gästen aus dem Land viel zu gering sei.

FDP sorgt sich um Hoteliers im Land

Kritik an der strengen Bindung des Lockdown-Ausstiegs an die Entwicklung der Corona- Infektionszahlen kommt von der FDP. Bis eine landesweite Inzidenz von unter 35 erreicht sei, könnten noch Monate vergehen, erklärte FDP-Landeschef René Domke am Donnerstag in Schwerin. Da zudem nur in zweiwöchigen Abständen über weitere Lockerungen entschieden werde, sei zu befürchten, dass der Tourismus auch die frühen Sommermonate für sich abschreiben müsse.

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Linke vermisst Öffnungsplan für die Kultur

Kritik kommt auch von der Linksfraktion im Landtag. Sie vermisst einen Öffnungsplan für die Kultur. Kulturschaffende im Land bräuchten endlich eine Perspektive, anstatt wiederholt gesagt zu bekommen, dass sie die letzten in der Nahrungskette seien, sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. Eine kontrollierte Öffnung von Kultureinrichtungen müsse zu den ersten Lockerungsmaßnahmen gehören. Oldenburg sagte, dass es für die Wirtschaft weitere schnelle Hilfen brauche. Ob eine landesweite Inzidenz von 35 bereits Mitte März erreicht würde, sei aufgrund der derzeitigen Infektionslage völlig unklar. Die Unternehmen würden nach wie vor in der Luft hängen. Sie bräuchten eine deutlich bessere Unterstützung, um die Zeit der Öffnung auch noch zu erleben, so die Oppositionspolitikerin.

Öffnungsperspektive an Inzidenz gekoppelt

Die Teilnehmer des MV-Gipfels hatten sich am Mittwoch darauf geeinigt, dass neben Friseursalons von kommendem Montag an auch Gartencenter öffnen dürfen. Baumärkte bleiben geschlossen, können aber ihren Gartenbereich öffnen. In Regionen mit einer Inzidenz unter 35 dürfen zudem Kosmetik-, Fußpflege- und Nagelstudios wieder Kunden empfangen. In den übrigen Regionen treten diese Regelungen eine Woche später, also am 8. März in Kraft, wenn die Inzidenz unter 150 liegt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 25.02.2021 | 20:00 Uhr

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