Ein Banner mit dem Aufdruck "Ehrenamt" wird von Personen hochgehalten. © dpa - Bildfunk Foto: Patrick Seeger

Ehrenamt in MV: Wie können Vereine moderner werden?

Stand: 26.05.2021 15:42 Uhr

Fast jeder Zweite in Mecklenburg-Vorpommern engagiert sich ehrenamtlich – zum Beispiel in einem der 12.000 Vereine bei uns im Land. Aber viele Vereine haben Schwierigkeiten, sich für die Zukunft aufzustellen.

von Melanie Jaster, NDR 1 Radio MV

Eine zähe Nachwuchssuche, eine ausbaufähige Internet-Präsenz und fehlender digitaler Austausch: Für viele Vereine im Land sind diese Probleme nicht neu. Die Corona-Pandemie hat sie jedoch verstärkt, sagt die Geschäftsführerin der Ehrenamtsstiftung MV, Dr. Adriana Lettrari. "Wer ehrenamtlich tätig ist, weiß, dass die meisten Mitglieder daher gewonnen werden, wo tatsächlich Veranstaltungen stattfinden", so Lettrari. "Dann fragt man auch mal nach: Mensch, braucht ihr noch jemanden, kann ich mal vorbeikommen? Aber das hat ja in den letzten zwölf Monaten kaum stattgefunden und darum gab es kaum die Möglichkeit, neue Leute zu finden."

Vereine unterschätzen Wichtigkeit der Digitalisierung

Um weiterhin sichtbar zu bleiben, ist ein ansprechender Internetauftritt für Vereine daher so wichtig wie nie. Laut Lettrari ist das vielen Vereinen aber entweder nicht bewusst – oder ihnen fehlen schlichtweg die Möglichkeiten. Gerade während der Pandemie gehe es dabei nicht nur darum, eine Internetseite zu haben – sondern auch um Möglichkeiten, sich digital auszutauschen, wenn persönliche Treffen eingeschränkt sind. "Wir haben die Vereine gefragt: Nennen Sie mal ihre top drei prioritären Themen, an denen Sie gerade arbeiten", sagt Lettrari. "Das Thema Digitalisierung ist nur bei 17 Prozent der Vereine genannt worden – und das ist definitiv zu wenig."

Junge Leute brauchen andere Vereinsstrukturen

Damit, wie Vereine auch für junge Menschen attraktiv sein können, beschäftigt sich Debora Vichel von der Ehrenamtsstiftung MV. "Junge Menschen brauchen Flexibilität", sagt Vichel. "Sie können nicht in eine Rolle gezwängt werden mit 20 Stunden Arbeit im Monat." Das gehe mit dem Zeitplan vieler jüngerer Menschen einfach nicht zusammen. "Gleichzeitig glaube ich, dass junge Menschen sich ehrenamtlich betätigen wollen", betont Vichel. "Sie wollen Sinnhaftigkeit, sich für etwas einsetzen, das ihnen wichtig ist. Es bedarf einfach eines Rahmens, der für die jungen Menschen attraktiv ist."

Austausch bei den Engagement Fachtagen

Damit sich die Vereine über ihre Probleme und Lösungsansätze austauschen können, hat die Ehrenamtsstiftung ein digitales Forum organisiert: die Engagement Fachtage MV. Noch bis Freitag können sich Engagierte und Interessierte dabei online austauschen und miteinander diskutieren. Zusätzlich stellt die Ehrenamtsstiftung auf den Fachtagen ein Handbuch vor, das allen Vereinen kostenfrei zur Verfügung steht. "Das Handbuch ist ein Leitfaden mit neun Punkten", erläutert Lettrari. "Dabei geht es unter anderem um Themen wie Organisation, Finanzen, Ziele und Digitalisierung der Vereine." Zuschalten können sich Interessierte zu den Engagement Fachtagen jederzeit über die Internetseite www.engagement-fachtage-mv.de.

Projekt "Miteinander – Füreinander" sucht ebenfalls Nachwuchs

Auf den Engagement Fachtagen stellt auch Martina Domann ihr Projekt "Miteinander - Füreinander" vor. Sie betreut unter anderem eine ehrenamtliche Sportgruppe für Senioren, einen Lesekreis und die Hilfe für Geflüchtete in den Gemeinden Lohmen, Zehna und Reimershagen im Landkreis Rostock. "Ich nehme wahr, dass die Menschen viel nebeneinander leben – ihrer Arbeit und ihrem Alltag nachgehen – aber sonst wenig aus dem Haus kommen", beschreibt Domann. Das möchte sie mit ihrem Projekt ändern.

Vorbild beim Thema digitale Infrastruktur

"Man begegnet sich nicht mehr so automatisch auf dem Dorf. Aber dabei zu unterstützen oder gemeinsame Ideen umzusetzen, das finde ich eine gute Sache und das wird mir auch von einigen Leuten dort gespiegelt, dass sie das toll finden." Trotzdem beteiligen sich kaum jüngere Menschen an dem Projekt. "Im Begleitausschuss ist der Jüngste 35 und der Älteste an die 70 Jahre alt. Aber Jüngere gibt es wirklich wenige." Ein Vorbild ist das Projekt dafür beim Thema digitale Infrastruktur: Die dazugehörige Kirchgemeinde hat eine Facebookseite, das Projekt selbst eine Internetseite und Domann kommuniziert während der Pandemie viel über digitale Zoom-Konferenzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.05.2021 | 11:00 Uhr

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