Sendedatum: 12.01.2020 19:30 Uhr  - Nordmagazin

"Edles Produkt aus Schlachtabfall"

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Christopher Tramm prüft ein Fell, das er bearbeitet hat.

Fett und Fleisch müssen weichen. Einhundertmal nimmt Christopher Tramm in die Hand, was zu Lebzeiten einen Fuchs oder Keiler „kleidete“. Zwei Wochen später ist das Fell weich, haltbar und nahezu geruchslos. „Wir machen aus einem Schlachtabfall so ein edles Produkt“, sagt Christopher Tramm. Im vergangenen Herbst hat er in Ziegendorf (Kreis Ludwigslust-Parchim) seine Gerberei eröffnet. Sein Auftragsbuch ist gut gefüllt. Denn in ganz Norddeutschland gibt es nur noch einen weiteren gelernten Fellgerber mit eigener Werkstatt.

Fellgerberei: Eine aussterbende Zunft

Nordmagazin -

Nur noch ungefähr 30 Fellgerbereien gibt es in Deutschland - der Beruf stirbt aus. In Ziegendorf südlich von Parchim hat sich jedoch ein junger Gerber selbstständig gemacht.

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Waschen, spannen, trocknen

Eigentlich wollte Tramm Koch werden. Als er 15 Jahre alt war, verbrachte er die Ferien bei seinem Großvater in Plau am See – einem erfahrenen Fellgerber. Gelernt hat er seinen seltenen Beruf in einem Betrieb in Nordrhein-Westfalen. Die Gerberei „ist meine Leidenschaft“, sagt Tramm. Zunächst entfernt er mit einem scharfen Messer Fett und Fleischreste. Fett kann man nicht gerben, nur die Haut, erläutert der Fachmann. Mehrere Stunden macht er die Felle in einem Säurebad haltbar. Dann werden sie gewaschen, gespannt, getrocknet und am traditionellen Rundmesser geschnitten. Einmal zu beherzt zugefasst, schon wäre ein Loch im Leder und alle Arbeit umsonst. Zum Schluss rotieren die Felle vier Stunden lang zusammen mit Sägespänen und von Tramm entwickelten geheimen Zusätzen in einer großen Trommel. Wenn die Felle wieder herauskommen, dann ist das Leder weich und das Haar glänzt.

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 12.01.2020 | 19:30 Uhr

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