Stand: 27.05.2015 09:47 Uhr

EWN entsorgen Atom-U-Boote in Murmansk

Nördlich des Polarkreises in Murmansk wird derzeit eines der großen deutsch-russischen Wirtschaftsprojekte abgeschlossen: die Entsorgung alter russischer Atom-U-Boote. Spezialisten der Energiewerke Nord (EWN) im vorpommerschen Lubmin stellen seit 2004 ihr Know-How zur Verfügung, um in der Saida-Bucht ein Langzeitzwischenlager für radioaktive Reaktorteile zu errichten.

Die EWN entwickelten für die in der Nordmeer-Bucht dümpelnden Altlasten ein Entsorgungskonzept nach internationalen Sicherheitsstandards. Die Gegend ist bis heute streng bewachte militärische Sperrzone. Fernsehteams vom NDR Nordmagazin gehören zu den wenigen Medien, die regelmäßig von hier berichten. Zum ersten Mal durfte 2004 gefilmt werden.

Erst ein Zwischenlager, dann ein Entsorgungszentrum

Das Langzeitzwischenlager, eine gesicherte Freifläche mit Messeinrichtungen, beherbergt zahlreiche Reaktorsektionen ehemaliger sowjetischer U-Boote - insgesamt müssen die Teile von 150 Atom-U-Boote in Murmansk entsorgt werden. Das Lager wurde 2011 fertiggestellt. Den 300 Millionen Euro schweren Auftrag für den Bau eines riesigen Lagerplatzes erhielt die bundeseigene EWN im Oktober 2003 im Rahmen der G8-Partnerschaft gegen die weltweite Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Im Anschluss begannen die Lubminer Fachleute damit, ein Entsorgungszentrum für schwach-und mittelradioaktive Abfälle zu errichten - Auftragswert ebenfalls rund 300 Millionen Euro. Mit dem Entsorgungszentrum werde die Entsorgungskette für die U-Boot-Wracks vollständig geschlossen, sagte EWN-Projektleiter Detlef Mietann. In diesem Jahr sollen die ersten Abfälle in dem Zentrum verpackt, dekontaminiert und gelagert werden.

Anfängliche Skepsis ist gewichen

So ist im Lauf der Jahre ein umfangreiches Projekt für Umweltschutz und Abrüstung entstanden- und es funktioniert: "Es gab Vorbehalte und Skepsis. Wird das Lager so, wie wir es geplant haben? Wird es die gesamte Abrüstung der U-Boot-Flotte voranbringen? Heute können wir sagen: Das ist erreicht worden", sagte Mietann dem Nordmagazin. Die geordnete Entsorgung russischer Atom-U-Boote in der Arktis ist möglich geworden dank deutschem Geld und Know-How der EWN-Spezialisten, die dabei mit Experten des Moskauer Kurtschatow-Instituts zusammenarbeiten: "Von deutscher Seite hat man hier sehr gute technologische Lösungen angewandt. Vieles davon ist erstmals in Russland zum Einsatz gekommen. Das war ein neuer Schritt in der Zusammenarbeit", sagt Nikolai Kniwel, der Projektleiter vom Kurtschatow-Institut.

Seit der Wende mit Rückbau-Arbeiten beschäftigt

Das ehemalige Kernkraftwerk Nord Lubmin entwickelte sich seit den 1990er-Jahren zu einem führenden Unternehmen für den Rückbau von Atom-Anlagen wie etwa der einstigen DDR-Atomanlagen in Lubmin und im brandenburgischen Rheinsberg. Auch für die abgeschalteten Kernkraftwerke in Tschernobyl, Rowno und Zaporoshye (Ukraine), Ignalina (Litauen), Bohunice (Slowakei) und Kozlodoy (Bulgarien) erarbeiten die EWN Stilllegungs- und Rückbaukonzepte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.05.2015 | 19:30 Uhr

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