Stand: 01.11.2019 17:04 Uhr

EU diskutiert Stilllegungsprämie für Kutter

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Fischer auf Rügen demonstrierten bereits gegen die EU-Fischereipolitik.

Für Ostseefischer ist das ein Schlag: die für die westliche Ostsee deutlich abgesenkten Fangquoten für Hering und Dorsch, auf die sich die europäischen Fischereiminister kürzlich geeinigt hatten. Demnach werden die Fangquoten für beide Fischarten um mindestens 60 Prozent gesenkt. Auch Freizeitfischer sind davon betroffen, teilweise noch drastischer. Jetzt hat die EU-Kommission zumindest grundsätzlich ihre Bereitschaft erklärt, in ihrer Existenz bedrohten Fischern zu helfen. Das soll über eine Prämie aus dem europäischen See- und Fischereifonds finanziert werden. Gedacht ist offenbar an eine Stilllegungsprämie für Fischer, die ihren Betrieb aufgeben wollen. Einzelheiten sind aber noch unklar.

Fundamentaler Strukturwandel

Das Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock spricht von einem fundamentalen Strukturwandel. Es schätzt, dass sich die Zahl der Fischereibetriebe in den nächsten fünf Jahren um die Hälfte verringern wird. Deshalb bestehe das Risiko, dass es in absehbarer Zeit nur noch Nebenerwerbsbetriebe gebe. Für das Land sei es aber auch wichtig, dass die Berufsfischerei erhalten bleibe, hier seien politische Lösungen gefordert.

Noch 132 Kutterfischer

Nach Angaben des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer gibt es in Mecklenburg-Vorpommern noch 132 Fischereibetriebe mit etwa 150 Fischereifahrzeugen. Am 20. November hat das Land zu einer Konferenz in Stralsund eingeladen, auf der die Fischer unter anderem über Fischereipolitik und Klimawandel diskutieren werden. Da werde eine Stilllegungsprämie auch Thema sein, sagte Verbandsgeschäftsführerin Ilona Schreiber.

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Backhaus hatte sich jedoch bereits zuvor offen für eine zumindest zeitweilige Stilllegungshilfe gezeigt. Wenn die EU-Kommission jetzt aber von totaler Stilllegung spricht, würde dies allem widersprechen, wofür sich Backhaus bisher eingesetzt hat, hieß es am Freitag aus seinem Ministerium. Backhaus gilt als Verfechter der Fischerei als Wirtschaftsfaktor, aber auch als kulturellem Erbe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.11.2019 | 12:00 Uhr

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