Stand: 15.12.2018 10:32 Uhr

Durchwachsenes Jahr für Küstenfischer in MV

Die Küstenfischer im Nordosten haben mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen. (Archivbild)

Die Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern ziehen eine durchwachsene Bilanz nach einem turbulenten Jahr. Die Quoten für Dorsch und Hering seien abgefischt worden, erklärte die Landesverbandsvorsitzende Ilona Schreiber. Im Herbst habe es sogar so viel Dorsch gegeben, dass etwa die Fischereigenossenschaft Wismarbucht eine zehnprozentige Überfischung beantragt worden sei. Auf Auktionen seien für diesen Fisch gute Preise erzielt worden.

Sinkende Quoten, sinkende Einnahmen

Schreiber schränkte jedoch ein, dass sich die Fischerei weiterhin in einem äußerst schwierigen Umfeld mit seit Jahren reduzierten Fangquoten befinde. Die Quote für den "Brotfisch" Hering sank binnen 17 Jahren von mehr als 16.000 Tonnen auf knapp 3.000 Tonnen. Für 2019 steht eine weitere Senkung an. Die Folge: Immer weniger Fischer könnten von der Fischerei leben.

Nachwuchsproblem: Nur jeder Fünfte ist unter 40

Ein weiteres Problem ist laut dem Verband der fehlende Nachwuchs. Der Großteil der Fischer gehe in den nächsten Jahren in Rente. Von den 230 Haupterwerbs- und 132 Nebenerwerbsfischern ist demnach nun ein Fünftel jünger als 40 Jahre. "Wenn man den Beruf des Fischers nicht wieder lukrativer macht, wird es die Kutter- und Küstenfischerei in zehn Jahren nicht mehr geben."

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Kritik an "Stillliegeprämien"

Schreiber kritisierte die sogenannten Stilliegeprämien, die das Land im kommenden Jahr wieder in gleicher Menge wie 2018 (2,6 Millionen Euro) zahlen will. Laut Schreiber profitiert nur ein Teil der Fischer davon. Fischer mit Kuttern unter 8 Meter Länge - und damit mehr als die Hälfte des Berufsstandes - gingen leer aus.

Ebenso würden Fischer nicht gefördert, die nicht nachweisen könnten, dass sie mindestens 60 Prozent ihres Einkommens aus der Fischerei erzielten. Agrarminister Till Backhaus (SPD) habe die Fischer vor Jahren aufgefordert, sich ein zweites Standbein zu suchen, so die Verbandsvorsitzende. "Diesen Fischern, die dem Backhaus-Ratschlag gefolgt seien, fällt die 60:40-Regelung nun auf die Füße."

Hoffnung auf steigende Preise

Wegen klimabedingter Nachwuchsprobleme des Herings in der Ostsee hatte die Heringsschleppnetzfischerei in diesem Jahr das MSC-Siegel für Nachhaltigkeit verloren. Dennoch will das EuroBalticFischwerk in Sassnitz auf Rügen auch im kommenden Jahr nicht zertifizierten Ostseehering annehmen, wie Firmenchef Uwe Richter ankündigte. Dies sei ein gutes Signal, sagte Schreiber. "Wir hoffen, dass sich die Bedingungen für die Zertifizierung bald wieder verbessern. Die Fischerei ist nicht die Ursache für den Rückgang des Heringsbestands in der Ostsee." Immerhin: Etwas Hoffnung macht den Küstenfischern die Aussicht auf steigende Preise.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.12.2018 | 12:00 Uhr

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