Stand: 01.11.2019 09:32 Uhr

Dummerstorf: Forscher entschlüsseln Zandergenom

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Zuchtfische könnten Wildfänge bald vollständig ersetzen - so die Hoffnung der Forscher. (Archivbild)

Forscher des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie in Dummerstorf (Landkreis Rostock) sind bei der künftigen Haltung des Zanders in Aquakulturen einen großen Schritt weitergekommen. Wie das Institut berichtet, wurde das Genom des beliebten und heimischen Speisefisches vollständig entschlüsselt. Dies sei eine der Grundlagen für züchterische Forschungsansätze. Es werde damit künftig möglich sein, die Tiere besser in Aquakultur zu halten und bestimmte Eigenschaften zu verstärken, sagte der Leiter der Abteilung Fischgenetik, Tom Goldammer. Dies bedeute, dass während der Züchtung bestimmte Genvarianten angereichert und bevorzugt werden können. Diese Züchtung habe mit Gentechnik nichts zu tun.

Zanderzüchtung speziell für Aquakulturen

Das Zandergenom habe mit ungefähr einer Milliarde Basenpaare etwa ein Drittel der Größe eines menschlichen Genoms, so Goldammer: "Wir kennen nun die Anordnung der Gene." Züchtung sei zwar auch ohne dieses Wissen möglich, doch nun könnten die Fischexperten effektiver vorgehen. Es gehe beispielsweise darum, das Wachstum der Tiere oder die Reproduktion zu beschleunigen, die Fleischqualität zu verbessern oder bestimmte Verhaltensarten in der Aquakultur zu verändern, sagte der Experte. Letztlich werde auf diese Weise eine nachhaltige regionale Fischzucht in Deutschland erleichtert, so das Leibniz-Institut. Für die Forscher ist es mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung wichtig, dass die Aquakulturen verbessert werden. Dann könnten die Kulturtiere Wildfänge ersetzen und dazu beitragen, die Wildpopulationen zu erhalten.

Zander besonders für Zucht geeignet

Trotz der zunehmenden Bedeutung für die Aquakultur fehlten der Zuchtgemeinschaft bisher aber Informationen zu den Erbanlagen der Zander, erklärt das Institut. Die Art wachse im Vergleich zu anderen Barschartigen besonders schnell. Besonders seine Widerstandfähigkeit macht den Zander zu einer attraktiven Art für die Aufzucht in Aquakulturen. Während sich die weltweiten Wildfänge von Zander seit 2010 halbiert haben, hat sich seine Produktion in Aquakultur laut Food and Agriculture Organization (FAO) im gleichen Zeitraum verdoppelt. Derzeit würden mehr als 900 Tonnen Zander pro Jahr in Aquakulturen aufgezogen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.11.2019 | 11:00 Uhr

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