Stand: 13.05.2018 12:22 Uhr

Droht der Pflegenotstand in MV?

Von Louisa Maria Giersberg, NDR 1 Radio MV

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Ver.di-Nord-Sprecher Steffen Kühhirt sorgt sich angesichts extremen Personalmangels um die Zukunft der Pflege in Mecklenburg-Vorpommern.

Anlässlich des Tages der Pflege machen Verbände und Gewerkschaften auf die dramatische Lage im Pflegebereich aufmerksam. In Mecklenburg-Vorpommern fehlen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 700 und 1.300 Pflegekräfte. In der Altenpflege ist der Mangel besonders bedrohlich. Aus Zahlen der Bundesregierung geht hervor, dass 500 offenen Stellen gerademal 25 Bewerber gegenüberstehen. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di geht sogar von 700 offenen Stellen aus. Hinzu kämen etwa 600 offene Stellen in Kliniken und Krankenhäusern im Land. Dazu passe nicht, dass die Ausbildungszahlen in Mecklenburg-Vorpommern seit 2014 rückläufig seien, beklagt Steffen Kühhirt von ver.di Nord.

 

Zwei Senioren  auf einer Parkbank. © ndr.de Foto: ndr.de

MV fehlen Fachkräfte in der Altenpflege

Jeder Zwanzigste in Mecklenburg-Vorpommern ist pflegebedürftig und das Fach-Pflegepersona fehlt. In der Altenpflege sind derzeit 500 Stellen offen denen 25 Bewerber gegenüber stehen.

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Bessere Löhne für Pflegekräfte

Die Zustände in den Altenheimen seien oftmals unhaltbar, es herrsche extremer Personalmangel und die Beschäftigten würden oft miserabel bezahlt. Kühhirt fordert deshalb einen allgemeingültigen Flächentarifvertrag für die Altenpflege. Doch gerade private Unternehmen verweigerten ihn, kritisiert der Gewerkschafter. Tatsächlich sind die Löhne, die Altenpflegekräfte in Mecklenburg-Vorpommern, erhalten, deutlich geringer als im Rest der Republik. Während ein Altenpfleger in Westdeutschland durchschnittlich 2.738 Euro verdient, sind es in Ostdeutschland 2.211 Euro. In Mecklenburg-Vorpommern sogar nur 2.180 Euro - brutto. Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) sei im Gespräch mit den Kostenträgern, also den Kranken- bzw. Pflegekassen, und den Arbeitgebern, teilt ihr Ministerium mit. Ziel sei die Einführung eines Flächentarifvertrages in der ambulanten Pflege.

Mit Pflege-Botschaftern gegen den Nachwuchsmangel

Bis 2020 werden insgesamt 3.000 neue Pflegefachkräfte in Mecklenburg-Vorpommern benötigt. Bewerber von außen ins Land zu holen ist wegen der schlechten Gehälter schwierig. Die Diakonie Mecklenburg-Vorpommern setzt deswegen darauf, junge Leute im Land früh für soziale Berufe zu begeistern. Der Verband bildet Pflege-Auszubildende zu Botschaftern für ihren Beruf aus. Die jungen Menschen gehen dann in Schulen und berichten von ihrem Arbeitsalltag.

Diakonie-Projekt: Schüler besuchen Pflegeheime

Videos
03:21
NDR Fernsehen

Von Berlin nach Demmin: Schülerprojekt im Altenheim

12.05.2018 19:30 Uhr
NDR Fernsehen

Im Gertraudenstift werden die Schüler der Katharina-von-Bora-Schule einmal wöchentlich sehnlichst erwartet. Jeder Schüler kümmert sich um einen oder zwei der 60 Bewohner, liest vor, spielt, erzählt. Video (03:21 min)

In Demmin besuchen Schüler der Katharina-von-Bora-Schule ein Mal die Woche Senioren des Gertraudenstifts. Dort spielen und reden sie mit den alten Menschen, gehen spazieren oder hören zu. Das Projekt, das seit drei Jahren läuft, hat Erfolg. Sollten ursprünglich nur Vorurteile abgebaut und ein Bewusstsein für das Thema Pflege geschaffen werden, bekommen jetzt die Schüler Lust auf den Job des Altenpflegers. Ein ehemaliger Schüler hat bereits eine Ausbildung im Gertraudenstift begonnen, ein weiterer will im Sommer seinen Bundesfreiwilligendienst dort starten. Nach Wunsch der Diakonie Mecklenburg-Vorpommern könnte das Projekt deswegen landesweit Schule machen.

Pflegebereich im Aufbruch

Im Land gibt es 80.000 Pflegebedürftige. Etwa 25.000 Menschen arbeiten in der Altenpflege, damit hat sich die Zahl in den vergangenen 25 Jahren mehr als verdoppelt. Gleichzeitig ist der Zahl der Pflegerinnen und Pfleger in den Kliniken des Landes um acht Prozent zurückgegangen. Bemerkenswert daran: Die Zahl der Patienten, die pro Jahr in den deutschen Krankenhäusern behandelt werden, ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seit Beginn der 90er-Jahre um 34 Prozent und die Zahl der Klinikärzte um 66 Prozent gestiegen.

Drei Pflegeberufe in einer Ausbildung

Um die Pflege am Bett zu stärken, hat die Bundesregierung deswegen ein Pflegestellen-Förderprogramm eingerichtet. Und auch sonst ist die Pflegebranche im Aufbruch: Die drei Ausbildungen zur Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege sollen zusammengelegt, die Ausbildung kostenlos werden und es soll mehr studierte Pflegekräfte geben. Vor allem aber seien alle geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um Pflegepersonal für die Kliniken zu gewinnen und zu halten, fordert der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft MV, Wolfgang Gagzow. Die Entschlackung der Pflege von der bereits unerträglichen Bürokratielast müsse unser aller wichtigste Aufgabe sein, so Gagzow.

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In Vorpommern fehlt es an Pflegekräften

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Ihr Lieblingsmix am Vormittag | 12.05.2018 | 10:00 Uhr

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