Stand: 19.08.2020 05:19 Uhr

Drittes Dürrejahr prägt Mecklenburg-Vorpommern

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Sildemow: Auf dem Teilstück eines Ackers haben sich Risse gebildet. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck
Eigentlich müssen jeden Monat mindestens 50 bis 60 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, um das Wasserdefizit nicht zu vergrößern. (Themenbild)

Mecklenburg-Vorpommern ist auch in diesem Jahr von einer extremen Dürre betroffen. Trotz regionaler Schauer und Gewitter ist der Boden ausgedörrt. "In den meisten Regionen des Landes hat es so wenig geregnet, dass die Niederschlagsmenge deutlich unter dem Sommermittelwert liegt", so Meteorologe Uwe Ulbrich vom NDR Wetterstudio auf Hiddensee. An nur drei von 54 Wetterstationen im Land wurde das Soll deutlich überschritten. Das sind Ventschow und Neuburg-Steinhausen im Landkreis Nordwestmecklenburg und Zingst im Landkreis Vorpommern-Rügen. Jeden Monat müssten aber mindestens 50 bis 60 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, um das Wasserdefizit nicht zu vergrößern, sagt Uwe Ulbrich. Dies sei allerdings in nur diesen drei Bereichen geschehen. Im Boden des Landes herrscht teilweise die höchste Dürrestufe. Das zeigen die Karten zum Bodenfeuchtezustand des Helmholtz- Zentrums für Umweltforschung.

VIDEO: Dürre: Landwirte erwarten enorme Ernteausfälle (4 Min)

Mais vertrocknet, Kartoffeln bleiben klein

Die Trockenheit hat Auswirkungen auf die Erträge in der Landwirtschaft. Diese fallen allerdings regional sehr unterschiedlich aus. Besonders betroffen sind laut Landesbauernverband die Mecklenburgische Seenplatte, der Osten Vorpommerns und der Südwesten des Landes. Dort hat es im Frühjahr teilweise noch weniger geregnet als anderswo. Landwirte berichten von Getreideähren, die weniger Körner gebildet haben, von vertrockneten Maispflanzen, die sich bereits braun verfärbt haben und von Kartoffelknollen, die vielerorts klein geblieben sind. Frank Schiffner, Pflanzenbauexperte beim Landesbauernverband, kann dem nur zustimmen. Seinen Worten nach ist die Getreide- und Rapsernte nahezu abgeschlossen. Schiffner spricht mit Blick auf ganz Mecklenburg-Vorpommern von durchschnittlichen Erträgen, die allerdings sehr differenziert betrachtet werden müssten.

Erträge an der Küste sind deutlich höher

Auf leichten, sandigen Böden seien die Erträge unterdurchschnittlich. Im Schnitt ernten Bauern im Nordosten 70 bis 75 Dezitonnen Getreide pro Hektar. Weniger eingeholt haben laut Schiffner Landwirte in den Regionen im Osten und Südwesten des Landes und in Teilen der Mecklenburgischen Seenplatte. Überdurchschnittlich zufrieden sind Bauern, deren Felder entlang des Küstenstreifens, auf Rügen und in Nordwestmecklenburg liegen. Das liegt vor allem auch am maritimen Klima in Ostseenähe. Auch die Erträge beim Raps gehen laut Schiffner je nach Bodenbeschaffenheit stark auseinander. Sie reichen von unter 20 Dezitonnen pro Hektar bis über 40 Dezitonnen pro Hektar. Das Landwirtschaftsministerium verweist darauf, dass viele Agrarbetriebe das dritte Jahr in Folge auch erhebliche Einbußen beim Futter für ihre Tiere zu verzeichnen haben, nicht nur im Ertrag sondern auch in der Qualität.

Mit einer speziellen Drillmethode Wasser im Boden halten

Hitze und Trockenheit setzen den Pflanzen immer mehr zu. Das spürt auch Landwirt Jörg Schomann aus Robertsdorf im Landkreis Nordwestmecklenburg an seinen Getreideerträgen. Seine Kulturen wachsen vor allem auf sandigen und lehmigen Flächen. Er setzt mittlerweile auf eine spezielle Drillmethode, um Wasser im Boden zu halten. Der Landwirt striegelt den Boden. "Ein Striegel ist ein ganz einfaches Ackergerät mit Eisenzinken. Ich habe den Striegel so eingestellt, dass er die Erde nur zwei bis drei Zentimeter tief ankratzt". Das bedeutet: Der Landwirt lässt die tiefen Bodenschichten in Ruhe, kann aber trotzdem aussäen. Jörg Schomann arbeitet so seit vergangenem Jahr und ist sehr zufrieden.

Sonnenbrand bei Äpfeln noch kein Thema

Ein von der Sonne verbrannter Apfel hängt am Baum. © Rolf Hornig Foto: Rolf Hornig
Sonnenbrand bei Äpfeln ist in diesem Jahr noch kein gravierendes Problem in MV.

Hitze und Trockenheit wirken sich auch auf die Gemüsefelder und Obstplantagen im Land aus. Das beobachtet Rolf Hornig vom Verband Mecklenburger Obst und Gemüse. Viele Plantagen werden seit Wochen immer wieder oder dauerhaft beregnet. Allerdings haben nicht alle Betriebe hierzulande eine Bewässerungsanlage. In Blowatz bei Wismar werden beispielsweise Rosenkohlfelder beregnet, in Rövershagen bei Rostock Erdbeerpflanzen. Die Anbauer dort denken bereits an die nächste Ernte. Im September werden die Blütenstände für das nächste Jahr angelegt und ausschlaggebend dafür sind vitale Erdbeerpflanzen. Eine gute Wasserversorgung hat auch Auswirkungen auf die Apfelernte. Auf lange heiße Perioden im Sommer haben die Obstbauern in Dodow, im Landkreis Ludwigslust-Parchim bereits reagiert. Auf den Plantagen wurden Brunnen gebohrt, um die Bäume ausreichend bewässern zu können. Allerdings gibt es gegen zu viel Sonne kein Mittel. Auch der Apfel bekommt bei starker Hitze Sonnenbrand. Er wird knorrig und braun, gibt dann weniger Saft. "Zum Glück ist Sonnenbrand bei Äpfeln in diesem Sommer noch kein gravierendes Problem hierzulande", so Obstbauexperte Rolf Hornig.

Buchen vergilben, Fichten sterben

Eine Fichte im Wald mit erkennbaren Schäden durch einen Bockkäfer. © NDR Foto: Franziska Drewes
Aufgrund der Dürre vertrocknen auch Fichten und sterben ab.

Auch der Wald leidet unter der Dürre. Vor allem Buchenkronen vergilben unter der starken Sonneneinstrahlung, Fichten vertrocknen und sterben ab. Mathis Jansen arbeitet als Forstwissenschaftler bei der Landesforst. Er bricht die Borke einer toten Fichte ab, die in einem privaten Wald bei Schwerin steht. „Hier sieht man ganz genau die Bohrlöcher eines Bockkäfers. Er hat dem Baum letztendlich den Saft abgedreht.“ Die Kiefern – DER Nadelbaum in Mecklenburg-Vorpommern schlechthin - kommt besser mit Hitze und Trockenheit klar. Der Forstwissenschaftler fragt sich zunehmend, wie der Wald der Zukunft aussehen kann. „ Es wird für uns immer schwieriger zu schauen, auf welche Baumart setzen wir in Zukunft. Welches Klima kommt tatsächlich? Welche Schädlinge gewinnen an Bedeutung?“ Hitzeresistente Baumarten wie Douglasie, Roteiche, Edelkastanie und Baumhasel gewinnen zunehmend an Bedeutung. Mecklenburg-Vorpommern setzt auch verstärkt auf Mischwälder.

Weitere Informationen
Ein Mähdrescher fährt über ein Feld mit Wintergerste. © dpa-Bildfunk Foto: Friso Gentsch

Dritte Dürre: Ernte "von katastrophal bis gut"

Die vorläufige Erntebilanz ist da: In Niedersachsen ist der Weizen schlecht gelaufen. Die Hamburger sind zufrieden. In MV haben Bauern im Osten und an der Seenplatte schlechte Erträge. mehr

Boddin: Eine Bewässerungsanlage versprüht Wasser auf einem Acker. © dpa-Bildfunk Foto: Marcus Brandt

Dürre in MV: Regen-Ersatz aus dem Speicherbecken

Nur wenige Landwirte und Obstbauern können ihre Kulturen künstlich bewässern. Die Mehrheit wartet angesichts der anhaltenden Trockenheit auf Regen. mehr

Ventschow: Vertrockneter Mais steht auf einem Feld. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

Mehr Ackerflächen für Tierfuttergewinnung freigegeben

Das Landwirtschaftsministerium gibt spezielle Ackerflächen frei, um ausreichend Tierfutter gewinnen zu können. Grund ist die stark anhaltende Trockenheit in Mecklenburg-Vorpommern. mehr

Trockender Mais in MV © NDR

Dürre macht der Landwirtschaft zu schaffen

Die Trockenheit in Mecklenburg-Vorpommern nimmt immer stärkere Ausmaße an. Zu diesem Ergebnis kommt die sogenannte "Dürre AG" des Landwirtschaftsministeriums. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.08.2020 | 06:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Ronny König (FSV Zwickau) und Jan Löhmannsröben (Hansa Rostock) im Zweikampf. © IMAGO / Fotostand Foto: Voelker

Trotz 0:0 gegen Zwickau: Hansa hält alle Trümpfe in der Hand

Rostock musste sich mit einem Remis begnügen, bleibt aber Tabellenzweiter in der Dritten Liga. mehr